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23.12.2011

17:53 Uhr

Trauerfeier

Die Welt nimmt Abschied von Václav Havel

Spitzenpolitiker aus aller Welt und tausende Prager haben dem ehemaligen tschechischen Präsidenten Václav Havel das letzte Geleit gegeben. Der frühere Dissident war nach langer Krankheit im Alter von 75 Jahren gestorben.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton, seine Frau und amtierenden Außenministerin Hillary Clinton und deren Vorvorgängerin Madeleine Albright: Abschied von einem Helden. Reuters

Der frühere US-Präsident Bill Clinton, seine Frau und amtierenden Außenministerin Hillary Clinton und deren Vorvorgängerin Madeleine Albright: Abschied von einem Helden.

PragTschechien hat am Freitag Abschied von dem verstorbenen Expräsidenten Václav Havel genommen. Rund 1.000 Trauergäste versammelten sich im Veitsdom, um dem ehemaligen Staatschef die letzte Ehre zu erweisen. Unter den prominenten Teilnehmern der Trauerfeier waren neben Havels Frau Dagmar auch Bundespräsident Christian Wulff, US-Außenministerin Hillary Clinton, der britische Premierminister David Cameron, der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy sowie der frühere polnische Präsident Lech Walesa. Die Trauernden verneigten sich vor dem Sarg Havels, der mit einem Tuch in den tschechischen Nationalfarben drapiert war.

Auch der amtierende tschechische Präsident Václav Klaus, Außenminister Karel Schwarzenberg, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton sowie die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright nahmen an der Trauerfeier teil. „Wir werden ihn schrecklich vermissen, aber wir werden ihn nie vergessen“, sagte Albright, die selbst aus Tschechien stammt, in der Landessprache.

Der Prager Erzbischof Dominik Duka, der während der kommunistischen Diktatur gemeinsam mit Havel im Gefängnis war, leitete die Messe. Das tschechische Philharmonieorchester spielte Teile des Requiems des Komponisten Antonin Dvorak.

Stationen eines kämpferischen Lebens

5. Oktober 1936

Vaclav Havel wird als Sohn eines Bauunternehmers geboren. Nach der kommunistischen Machtergreifung 1948 und der Verstaatlichung muss sein Vater als Büroangestellter arbeiten.

1951

Wegen seiner „bourgeoisen“ Herkunft wird Vaclav Havel an der Ausbildung gehindert. Von 1951 an absolviert er eine Lehre als Chemielaborant und holt 1954 an einem Abendgymnasium das Abitur nach.

1960

Von 1960 an arbeitet Havel am Prager „Theater am Geländer“ als Dramaturg und Hausautor. In seinen Dramen persifliert er das totalitäre Staatssystem und die Bürokratie.

1964

Havel heiratet Olga Splichalova. Sie stirbt 1996 an Krebs.

1968

Während des „Prager Frühlings“ engagiert sich Havel als Vorsitzender des „Clubs unabhängiger Schriftsteller“. Da für seine Werke ab 1968 im gesamten Ostblock ein Veröffentlichungsverbot gilt, verdient er sein Geld als Hilfsarbeiter in einer Brauerei. In den 70er Jahren spielen rund 60 deutschsprachige Bühnen seine Stücke mit großem Erfolg.

1977

Havel wird Mitbegründer und Sprecher der Menschen- und Bürgerrechtsbewegung „Charta 77“. In der Folgezeit wird er mehrfach festgenommen und wegen „staatsfeindlicher“ Aktivitäten zu insgesamt fünf Jahren Haft verurteilt.

Dezember 1989

Nach der „Samtenen Revolution“ wird Havel einstimmig zum ersten demokratisch gewählten Präsidenten der CSSR bestimmt.

Januar 1993

Nach dem Zerfall der Tschechoslowakei in zwei eigenständige Republiken wird der parteilose Havel vom Parlament in Prag zum Präsidenten der Tschechischen Republik gewählt.

Dezember 1996

Ärzte diagnostizieren bei Havel Lungenkrebs und entfernen ihm eine bösartige Geschwulst aus dem rechten Lungenflügel. In den Folgejahren muss sich Havel unter anderem einer Notoperation unterziehen.

Januar 1997

Havel heiratet die 43-jährige Schauspielerin Dagmar Veskrnova.

Januar 1998

Das Parlament wählt Havel in der zweiten Runde für eine letzte Amtszeit als Präsident wieder.

Februar 2003

Havel scheidet aus dem Amt.

Mai 2006

Mit seiner Autobiografie „Fassen Sie sich bitte kurz“ feiert Havel nach 15 Jahren ein Comeback als Schriftsteller.

Mai 2008

Die Premierenaufführung seines Stücks „Abgang“ im Prager Theater Archa wird von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen.

Januar 2009

Nach der Entfernung eines Abszesses im Halsbereich verschlechtert sich Havels Zustand dramatisch. Die Ärzte fürchten wegen einer Lungenentzündung um sein Leben.

Sommer 2010

In der für ihn neuen Rolle des Regisseurs verfilmt Havel auf einem Schloss in Nordböhmen seine Tragikomödie „Abgang“.

März 2011

Havel wird mit einer akuten Lungenentzündung in ein Prager Krankenhaus eingeliefert. Nach der Behandlung mit Antibiotika verlässt er die Klinik, um wenige Tage später im Prager Lucerna-Kino sein Debüt als Filmregisseur zu präsentieren. Die Verfilmung seines Theaterstücks „Abgang“ erhält gemischte Kritiken.

Ende März 2011

Havel zieht sich zur Erholung von seiner jüngsten Lungenentzündung aufs Land zurück. Auf Anraten seiner Ärzte sagt er alle Termine ab.

Dezember 2011

Havel richtet einen Appell an die Öffentlichkeit, Dissidenten in aller Welt zu unterstützen. Mitunterzeichner sind der Dalai Lama, das geistige Oberhaupt der Tibeter, und der französische Ex-Außenminister Bernard Kouchner.

18. Dezember 2011

Havel stirbt auf seinem Gut nahe dem ostböhmischen Ort Hradecek.

In einer Botschaft des Vatikans lobte Papst Benedikt XVI. den Einsatz Havels für Demokratie und Freiheit. „In Gedenken daran, wie mutig Havel die Menschenrechte verteidigt hat, als diese systematisch verweigert wurden, und angesichts seiner visionären Führung in die Demokratie, danke ich Gott für die Freiheit, die das tschechische Volk heute genießt“, hieß es in dem Brief, der während der Trauerfeier verlesen wurde.

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