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13.01.2011

03:34 Uhr

Trauerfeier für Tucson-Opfer

Obama warnt vor schnellen Schlüssen nach Attentat

Der Schock über den Anschlag in Arizona scheint die zerstrittenen Staaten von Amerika zumindest vorübergehend wieder zusammenzuschweißen. Politiker aller Parteien rufen zu mehr Toleranz auf, Präsident Obama hält eine bewegende Rede auf der Trauerfeier für die Opfer. Und auch für die schwerverletzte Kongressabgeordnete Giffords gibt es neue Hoffnung.

US-Präsident Barack Obama hält in seiner Rede inne. Reuters

US-Präsident Barack Obama hält in seiner Rede inne.

HB TUCSON. US-Präsident Barack Obama hat bei der Trauerfeier für die Opfer des Anschlags von Arizona vor einer Vereinfachung der Tat-Hintergründe gewarnt. In einer bewegenden Ansprache an tausende Teilnehmer eines Trauergottesdienstes sagte Obama am Mittwoch in Tucson, niemand könne mit Gewissheit sagen, was den Täter zu dem Anschlag bewegt habe oder was in seinem Kopf vorgegangen sei. "Wenn eine Tragödie wie diese zuschlägt, ist es Teil unserer Natur, nach Erklärungen zu verlangen, zu versuchen, ein wenig Ordnung ins Chaos zu bringen", sagte der Präsident.

Obama forderte seine Landsleute zur Geschlossenheit auf. Die Debatte über die Hintergründe des Anschlags dürfe nicht Anlass für neue Anfeindungen sein, mahnte Obama. Das Attentat hatte in den USA eine Diskussion über die politische Kultur und die zunehmend aggressive Rhetorik von Politikern wie der ehemaligen Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin ausgelöst.

Zuvor hatte Obama die bei dem Anschlag schwer verletzte Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords sowie vier andere Verwundete besucht. Kurz nach seinem Besuch habe Giffords zum ersten Mal seit dem Anschlag ihre Augen geöffnet, sagte Obama. „Sie weiß, dass wir hier sind.“

Obama rief die Amerikaner weiter zu mehr Toleranz und auf. Die Tragödie müsse als Chance genutzt werden, den Umgang miteinander auf den Prüfstand zu stellen, sagte der Präsident. „In einer Zeit, in der unsere Debatten so stark polarisieren, ist es wichtig für uns für einen Moment innezuhalten und sicher zu gehen, dass wir miteinander in einer Art reden, die heilend wirkt, nicht verletzend.“

Am Samstag hatte ein offenbar geistig verwirrter 22-jähriger die Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords niedergeschossen und sechs weitere Menschen getötet, darunter einen Bundesrichter und ein 9- jähriges Mädchen. In Folge des Blutbades kochte in den USA eine Debatte über die politische Radikalisierung hoch. Während die Linke in dem Land die mitunter militante Rhetorik der Konservativen für die Tragödie mitverantwortlich macht, weisen Amerikas Rechte dies als politisches Manöver zurück.

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