Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.12.2014

08:45 Uhr

Trauerzeit zu Ende

Nordkoreaner trauern offiziell nicht mehr um Kim Jong Il

Drei Jahre nach dem Tod des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il ist die Trauerzeit zu Ende gegangen. Viele Nordkoreaner verbeugten sich drei Minuten in Richtung des Mausoleums des Ex-Staatschefs in Pjöngjang.

Nordkoreaner versammeln sich vor den Porträts von Staatschef Kim Il Sung (links) und Kim Jong Il (rechts). ap

Nordkoreaner versammeln sich vor den Porträts von Staatschef Kim Il Sung (links) und Kim Jong Il (rechts).

PjöngjangDrei Jahre nach dem Tod von Kim Jong Il ist in Nordkorea die Trauerzeit zu Ehren des Ex-Staatsführers zu Ende gegangen. Mit heulenden Sirenen wurde am Mittwochmittag an den Todestag des Vaters des jetzigen Machthabers Kim Jong Un erinnert. Züge, Schiffe und Autos ließen ihre Hupen und Hörner erklingen, während sich viele Nordkoreaner für drei Minuten still in Richtung des Mausoleums ihres Ex-Führers in Pjöngjang verbeugten. Dort ist Kim Jong Il neben seinem Vater Kim Il Sung aufgebahrt.

Hungerland mit Atomwaffen

Einwohner und Fläche

Der abgeschottete Staat hat knapp 25 Millionen Einwohner und ist mit gut 120.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die frühere DDR.

Militärmacht

Das mehrfach von Hungersnöten erschütterte Nordkorea unterhält mit mehr als 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Streitkräfte Asiens.

Menschenrechte

Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt.

Diktatur seit 1948

An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur stand bis zu seinem Tod der „Geliebte Führer“ Kim Jong Il. Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung war die „Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Seit einiger Zeit wurde Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un als Nummer drei der kommunistischen Dynastie aufgebaut.

Misswirtschaft und Hungerkatastrophe

Misswirtschaft ruinierte das an Bodenschätzen reiche Land. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Die meisten Einwohner sind bitterarm. 1997 führte eine durch Unwetter, Missernten und Zwangswirtschaft ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. Nach UN-Schätzung sind gegenwärtig sechs Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht.

Atomwaffen

Trotz der hungernden Bevölkerung haben Ausgaben für das Militär Vorrang. Internationale Besorgnis löste Nordkoreas Atomprogramm aus, das zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt. Nordkoreas Propaganda berichtet von Fortschritten bei der Produktion von schwach angereichertem Uran. Die US-Regierung befürchtet, dass das Uran-Programm letztlich dem Bau von Atomwaffen dient. Für die Herstellung von Atomsprengköpfen muss hochangereichertes Uran vorliegen.

Es ist nordkoreanische Tradition, nach dem Tod eines Elternteils in eine dreijährige Trauer zu verfallen. Da diese Zeit für Kim Jong Un nun beendet ist, wird als wahrscheinlich angesehen, dass er neue politische Strategien in die Wege leitet, um eigene Schwerpunkte zu setzen. Eine deutlich andere politische Richtung im Vergleich zu seinem Vater ist aber äußerst unwahrscheinlich.

Nach dem Tod seines Vaters hatte er versprochen, er wolle die Wirtschaft des Landes fördern und den Lebensstandard der Nordkoreaner verbessern. Allerdings legte er gleichzeitig seinen Fokus auf die immens kostspielige Stärkung des Militärs und die Entwicklung von Atomwaffen.

Von

ap

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×