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04.02.2014

11:10 Uhr

Trauriger US-Rekord

87 Menschen im vergangenen Jahr zu Unrecht verurteilt

In den USA mussten im vergangenen Jahr so viele Menschen nach Fehlurteilen freigesprochen werden wie noch nie. In den letzten 25 Jahren traf es wohl 1300 Verurteilte zu Unrecht.

Zu Unrecht hinter Gittern: Im „land of the free“ keine Seltenheit. dpa

Zu Unrecht hinter Gittern: Im „land of the free“ keine Seltenheit.

WashingtonIn den USA sind im vergangenen Jahr mindestens 87 Menschen nach Fehlurteilen nachträglich freigesprochen worden. Damit sei nach 2009 ein neuer Rekord verzeichnet worden, schreiben US-Wissenschaftler in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Insgesamt wurden demnach in den vergangenen 25 Jahren fast 1300 zu Unrecht Verurteilte entlastet. Insgesamt werde aber nur „ein kleiner Teil“ aller Fehlurteile nachträglich korrigiert, sagte Samuel Gross, der zu den Autoren der Studie gehörte, der Nachrichtenagentur AFP. Die meisten Justizirrtümer würden nie entdeckt.

Nur bei jedem fünften nachträglichen Freispruch spielen DNA-Beweise eine Rolle, wie aus dem Bericht des Nationalregisters für Entlastungen hervorgeht, das Fehlurteile dokumentiert. In fast 40 Prozent der Fälle würden Prozesse „auf Initiative oder in Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden“ neu aufgerollt. Vor allem Staatsanwälte und Polizisten seien bei der Aufklärung von Justizirrtümern „zunehmend aktiv“.

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Er soll von dem Verfahren kaum etwas mitbekommen haben: Beobachter kritisieren, dass der wegen Mordes verurteilte Mexikaner Tamayo Arias keine konsularische Hilfe hatte. Die Texanische Regierung tötete ihn jetzt dennoch.

17 Prozent der 2013 Entlasteten waren nach den Recherchen der Forscher verurteilt worden, nachdem sie sich schuldig bekannt hatten. Gross geht davon aus, dass sich viele Unschuldige schuldig bekennen, weil sie auf ein milderes Urteil hoffen. Mehr als die Hälfte der Fehlurteile beruhte demnach auf falschen Beschuldigungen und vorsätzlichen Falschaussagen von Zeugen vor Gericht. 38 Prozent der Verurteilten wurden von Zeugen falsch identifiziert. In 46 Prozent der Fälle stellten die Autoren zudem Fehler der Behörden fest.

Von

afp

Kommentare (6)

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Mazi

04.02.2014, 12:48 Uhr

"In den USA mussten im vergangenen Jahr so viele Menschen nach Fehlurteilen freigesprochen werden"

In den USA haben die Justizbehörden 87 mal das gesprochene Urteil korrigiert.

Wie oft hat die deutsche Justiz diesen Mut aufgebracht?
Wie oft im letzten Jahr und wie oft in der Zeit davor?

[...]

Eigentlich schade, dass wir diese Periode noch nicht hinter uns lassen konnten.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

04.02.2014, 14:06 Uhr

"Wie oft hat die deutsche Justiz diesen Mut aufgebracht?
Wie oft im letzten Jahr und wie oft in der Zeit davor?"
---
Vor allen Dingen ist die Entschädigung für zu Unrecht erlittene Haft hierzulande schon peinlich: 25€ je Tag, aber abzüglich 6€ für "Betreuung und Verpflegung": 19 Euro je Tag für ein u.U. zerstörtes Leben, weil auch die Existenz weg ist. Das ist menschenunwürdig. Das 10-fache (das zahlt z.B. Spanien) wäre angemessen! Dann würden auch Ermittlungen sauberer durchgeführt und Urteile sorgfältiger gefällt!

IsaakNewton

04.02.2014, 14:08 Uhr

Ich persoenlich habe ein grosses Vertrauen in US-Behoerden, und koennte auch Gruende dafuer auffuehren.
Das steht natuerlich voellig im Widerspruch zu den Dingen, die hier in Deutschland in den Medien berichtet werden.

Macht aber nichts, ist doch sowieso die Haelfte der Berichte und Behauptungen in den hiesigen Medien schlichtweg falsch.
Leider merken die meisten Buerger gar nicht, wie sie hier regelrecht geimpft werden.

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