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17.03.2013

08:59 Uhr

Treffen der Konservativen

Ein Flummi namens Sarah Palin

VonNils Rüdel

Fast hatte man Sarah Palin abgeschrieben. Doch ihr Auftritt zeigt: Für viele in der Partei ist sie noch immer ein Star. Gut gelaunt rechnete sie mit der Elite ab – und lieferte neuen Stoff für Zitatesammlungen.

Alles eine Erfindung der Mainstream-Medien: Die Republikaner seien gar nicht in der Krise, meint Sarah Palin. Reuters

Alles eine Erfindung der Mainstream-Medien: Die Republikaner seien gar nicht in der Krise, meint Sarah Palin.

Fort Washington„Los, hebt eure Hände“, ruft Sarah Palin und schiebt ihr Kinn nach vorne. „Wie viele von euch sind denn heute hier?“ Ihr Zeigefinger piekst in Richtung der Presstribüne, wo sie „diese linken Medien-Leute“ vermutet, „die ihre jährliche Konservative-in-der-Krise-Story schreiben wollen“. Das Publikum gackert. „Es sei euch gestattet“, höhnt die Rednerin auf der Bühne, „wir sind es gewohnt“.

Es ist einer dieser typischen Palin-Sätze, für die sie ihre Fans lieben und um die sie ihre Konkurrenten beneiden. Die Rede dauert erst zwei Minuten, aber schon jetzt liegt ihr der Saal zu Füßen.  

Sarah Palin, Frontfrau der Tea-Party-Bewegung, Ex-Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten, Ex-Gouverneurin von Alaska, hat heute ihren großen Auftritt. Zweieinhalb Tage hat Amerikas kriselnde Rechte auf ihrer wichtigsten Konferenz CPAC nun schon mit quälender Selbstsuche verbracht, aber jetzt, kurz vor Schluss, kommt Palin mit der erlösenden Botschaft: Es gibt überhaupt gar keine Krise. Das alles ist nur eine Erfindung der „Mainstream-Medien“.

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Es ist das „Woodstock der Konservativen“: Auf ihrer wichtigsten Konferenz hat Amerikas kriselnde Rechte versucht, der Bewegung neuen Schwung zu geben. Ergebnis: Viel Prominenz, wenig frische Ideen. Ein Ortsbesuch.

Verlorene Wahlen? Umfragetief? Richtungsstreit? Ach was. „Wir sind nicht hier, um eine Partei neu zu etikettieren“, ruft Palin. „Wir sind hier, um unser Land wieder aufzubauen.“

Wer die 49-Jährige an diesem Samstag erlebt, muss eingestehen, dass die vielen Abgesänge auf diese Frau ein wenig voreilig waren. Zwar fand sie in der Öffentlichkeit in den vergangenen Monaten kaum noch statt, selbst der ideologisch nahe TV-Sender Fox News warf sie aus dem Programm.

Doch bei den Republikanern ist Palin nach wie vor eine einflussreiche Figur. Befreit vom Stress einer Kandidatur, sammelt sie fröhlich Spendengelder und gibt sie an Gleichgesinnte weiter, die dann mit ihrer Hilfe in den Kongress einziehen. So schafft man Dankbarkeit, so baut man eine Machtbasis für die eigene politische Zukunft.

Im Parteivolk, bei den besonders Konservativen unter ihnen zumal, die die Konferenz dominieren, ist Palin ohnehin ein Star. Kaum einer der prominenten Redner hat in den drei Tagen so viel Jubel bekommen, keiner durfte so lange reden wie sie.

Und Reden halten, das kann sie hervorragend, die Peinlichkeiten aus dem Wahlkampf 2008 sind längst Geschichte. Geschickt versteht es Palin, sich als eine stinknormale Frau aus dem Volk zu verkaufen, deren Bedürfnisse „von den Eliten in Washington“ verraten werden, selbst von ihrer eigenen Partei. Sie wirkt dabei lauter und kraftvoller, als es ihre zierliche Gestalt vermuten ließe.

Kommentare (1)

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RumpelstilzchenA

17.03.2013, 19:08 Uhr

"Mr Präsident, sie lügen!"
Da hat Mrs Praline gar nicht so unrecht.

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