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25.01.2010

13:34 Uhr

Treffen in Davos

Bono oder die Macht der Stars

VonHeike Anger

Berühmte Schauspieler und Musiker mischen sich nicht nur auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ein. Forscher erkennen darin eine neue politische Macht. Dank ihrer „charismatischen und moralischen Anziehungskraft“ könnten Stars die Öffentlichkeit für ein Anliegen mobilisieren – über das sie nicht unbedingt mehr wissen als Normalos.

Schon mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder gab sich Bono ganz dicke. Der Rockmusiker sucht immer wieder den Kontakt zu Politikern, um für seine Anliegen zu werben. ap

Schon mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder gab sich Bono ganz dicke. Der Rockmusiker sucht immer wieder den Kontakt zu Politikern, um für seine Anliegen zu werben.

DÜSSELDORF. Oskar-Preisträgerin Angelina Jolie im adretten Bolero-Jäckchen, U2-Sänger Bono mit rosa-orangefarbener Sonnenbrille, Schauspielerin Sharon Stone mit dicker Perlenkette – auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos treffen sich längst nicht mehr nur Topmanager und Staatslenker, sondern auch Hollywood-Größen und Rockstars. Bono stapft plaudernd mit Microsoft-Gründer Bill Gates und Ex-Premierminister Tony Blair durch den Schnee und zieht Kanzlerin Angela Merkel vor den Fotografen eng an sich heran. Auch am kommenden Wochenende werden Berühmtheiten wie Regisseur James Cameron, Pianist Lang Lang und Bestsellerautor Paolo Coelho in Davos glamourös die Strippen ziehen.

„Stars haben sich zu ernstzunehmenden Akteuren entwickelt, die durch ihre charismatische und moralische Anziehungskraft Einfluss auf die Weltpolitik nehmen“, sagt der Bremer Politikwissenschaftler Bastian Timm. Er hat in seinem aktuellen Buch „Die Macht der Stars“ analysiert, wie das Showbusiness seine politischen Anliegen an Regierungschefs heranträgt.

Prominente treten als „Cultural Leaders“ auf

Ob Bonos Kampf gegen Armut, George Clooneys Darfur-Mission, Angelina Jolies Einsatz für Flüchtlinge und Waisenkinder, Richard Geres Tibet-Hilfe oder Leonardo DiCaprios Engagement für den Umweltschutz: immer häufiger bewegen sich Musiker und Schauspieler auf dem politischen Parkett, agieren mit diplomatischem Geschick und suchen das vertrauliche Vier-Augen-Gespräch mit Politikern. Timm nennt das den „Celebrity-Faktor“ im Weltgeschehen. Dass Promis neben Vorstandschefs und Spitzenpolitikern als „Cultural Leaders“ auf der elitären Gästeliste des Weltwirtschaftsforums stehen, ist ein Beleg für den steigenden Einfluss der Glamour-Welt.

Bislang hat sich die Politikwissenschaft wenig um die Berühmtheiten gekümmert. Doch angesichts des zunehmenden Politainments, also der bewussten Vermischung von Politik mit Unterhaltung, rücken diese Akteure nun zunehmend in den Blickpunkt der Forscher.

Bono und die neue Diplomatie

Der kanadische Politikwissenschaftler Andrew F. Cooper hat sich bislang am intensivsten mit der „Celebrity-Diplomatie“ beschäftigt. Er beschreibt den Nutzen des Star-Aktivismus, aber auch seine Fallstricke. Dem U2-Sänger Bono bescheinigt Cooper indes Einzigartigkeit, spricht sogar von einer „Bonization of Diplomacy“. Jenseits der Armada von offiziell berufenen Sonderbotschaftern der Vereinten Nationen sticht demnach Bonos nachhaltiges Engagement als inoffizieller Botschafter hervor. „Bono kombiniert sein Gespür für das Spektakel – etwa bei seinem Rockkonzert zum G8-Treffen in Heiligendamm – mit dem Bedacht, Zugang zu den Mächtigen zu bekommen und damit den Status eines Insiders“, sagt Cooper. Vor allem in Davos würden beide Seiten sichtbar. „Er verleiht der Wirtschaftselite Glamour, nutzt zugleich aber die Chance, auf seine Anliegen aufmerksam zu machen“, meint Cooper. Bestenfalls knüpften Stars mit Politikern und Topmanagern, aber auch mit NGOs und den Vereinten Nationen ein Elite-Netzwerk, das dann soziale und politische Ziele verfolgt. „Die traditionellen Diplomaten können sich hier von den Stars noch etwas abschauen“, ist Cooper überzeugt.

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