Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.11.2014

16:31 Uhr

Treffen mit Merkel

Gorbatschow als Botschafter Putins

Michail Gorbatschow reist zum Mauerfall-Jubiläum nach Deutschland. Dort trifft er die Kanzlerin. Und der Friedensnobelpreisträger kündigte an, Russlands Präsidenten Putin nach Kräften anpreisen zu wollen.

Der ehemalige sowjetische Staatspräsident Michael Gorbatschow kommt nach Berlin und will bei Bundeskanzlerin Angela Merkel für Putin werben. dpa

Der ehemalige sowjetische Staatspräsident Michael Gorbatschow kommt nach Berlin und will bei Bundeskanzlerin Angela Merkel für Putin werben.

MoskauDer russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow (83) will bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel in Berlin als Fürsprecher von Kremlchef Wladimir Putin auftreten. Er reise an diesem Wochenende zum 25. Jahrestag des Mauerfalls, um sich in Krisenzeiten für die Interessen Russlands einzusetzen, sagte Gorbatschow am Donnerstag der Agentur Interfax.

„Ich bin absolut überzeugt, dass Putin besser als alle anderen heute die Interessen Russlands schützt“, sagte der Ex-Sowjetpräsident. Er nannte die USA erneut als Urheber der Krise zwischen Russland und dem Westen. Gorbatschow gilt als einer der Väter der deutschen Wiedervereinigung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird den russischen Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow (83) am kommenden Montag im Kanzleramt empfangen. Das bestätigte eine Regierungssprecherin am Donnerstag in Berlin.

Gorbatschow sagte der Agentur Interfax, er reise 25 Jahre nach dem Mauerfall nach Deutschland, um sich in Krisenzeiten für die Interessen Russlands einzusetzen und um Verständnis für Präsident Wladimir Putin zu werben. „Ich bin absolut überzeugt, dass Putin besser als alle anderen heute die Interessen Russlands schützt“, sagte der Ex-Sowjetpräsident.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Gorbatschow gilt als einer der Väter der deutschen Wiedervereinigung. Die Senioren-Union der CDU ehrt ihn am 10. November mit einer Medaille für seine Verdienste um Versöhnung und Verständigung.

Der Friedensnobelpreisträger und Ex-Sowjetpräsident Michael Gorbatschow (83) erinnert sich mit Stolz an den Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren. Es habe damals zwei Helden gegeben: das deutsche Volk, das wieder vereint sein wollte, und „unser Volk“, sagte der frühere Kremlchef in einem am Mittwoch von seiner Stiftung veröffentlichen Redemanuskript zum Jubiläum.

Der Stiftung zufolge beabsichtigt er auch an Feierlichkeiten zum Jahrestag des Mauerfalls am 9. November in Berlin teilzunehmen.

DDR im Internet: „Im Westen fehlt das Interesse an der DDR“

DDR im Internet

„Im Westen fehlt das Interesse an der DDR“

Mauerfall, Stasi, Überwachungsstaat: Die Historikerin Irmgard Zündorf erklärt im Interview, welches Bild von der DDR im Internet konstruiert wird und warum der Alltag im Osten vor 1989 einfach zu langweilig ist.

Es sei 1989 eine Entscheidung der obersten sowjetischen Führung gewesen, den Weg der Vereinigung zuzulassen, sagte Gorbatschow. „Ich kann stolz sein darauf, was wir das getan haben.“ Vor allem die Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) in der Sowjetunion habe bei diesem „schwierigen Prozess“ der deutschen Vereinigung geholfen.

Gorbatschow erinnerte sich auch daran, dass er zum 40. Jahrestag der DDR-Gründung ergriffen gewesen sei von dem Wunsch der Ostdeutschen nach Wandel. „Von ihnen ging eine solche Energie aus!“ Deshalb habe er sich damals entschieden, die Lage nicht zu verschärfen.

Gorbatschow ging auch auf den ihm zugeschriebenen Satz „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“ ein. Die Deutschen hätten seine Aussage etwas abgewandelt, meinte er. Bei den Gesprächen in der DDR habe er auf die Erfolge seiner Politik hingewiesen. Der Originalsatz lautete demnach: „Die einen liefen bei uns mit der Zeit, die anderen blieben zurück. Und den, der zurückbleibt, bestraft die Geschichte.“

Von

dpa

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr C. Falk

06.11.2014, 16:42 Uhr

Na, das wird Frau Merkel als ultra-transatlantischer
Sanktionspolitikerin wohl überhaupt nicht gefallen, wenn Gorbatschow der Politik von Putin positive Aspekte abgewinnen kann.

Putin vertritt russische Interessen auf eine ziemlich moderate und abgewogene Art und Weise, ob Frau Merkel was ihre Russland/Ukraine- Politik angeht noch europäische und deutsche Interessen vertritt und ein gutes Verhältnis zur russischen Förderation anstrebt,das ganz Europa ökonomisch und friedenspolitisch dient, sei einmal dahingestellt.

Frau Dr. Max Motte

06.11.2014, 16:50 Uhr

Warum machen alle Leitmedien bei der Kriegstreiberei der Amerikaner mit?

Sind denn deutsche Journalisten nur noch US-Marionetten?

Nicht nur mir fällt auf, dass es inzwischen immer mehr dieser Marionetten in deutschen Redaktionsstuben gibt.

Pressefreiheit?

Wer hat nicht das Gefühl, von den Medien manipuliert oder gar belogen zu werden?

Bislang galt es als "Verschwörungstheorie", dass Leitmedien uns Bürger mit Propagandatechniken gezielt das Gehirn waschen.

Die Leitmedien im deutschsprachigen Raum sind wie gleichgeschaltet.
Sie berichten nur noch nach den Regeln der Politischen Korrektheit, betreiben im Interesse der USA Kriegshetze gegen Russland und unterdrücken den freien Informationsfluss.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) gilt als eine der renommiertesten deutschen Zeitungen. Dieses Bild hat jetzt auch der CDU-Abgeordnete Willy Wimmer erschüttert.

Willy Wimmer, der verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU und Staatssekretär im Verteidigungsministerium war, sagt:

"Ich kann mich sehr gut an ein langes Gespräch mit einem mir seit Jahrzehnten bekannten führenden FAZ-Mitarbeiter erinnern. Der machte deutlich, wenn das State Department noch rechtzeitig vor Drucklegung nachts anruft, dann kommt der gewünschte Artikel am nächsten Morgen in die Zeitung."

Wie bitte?

Das US-Außenministerium kann darüber bestimmen, ob und welche Artikel in der renommierten und angeblich so unabhängigen FAZ erscheinen?

Es sind solche Aussagen, welche derzeit nicht nur unter Journalisten für erhebliche Unruhe sorgen. Denn in dem neuen Sachbuchbestseller von Udo Ulfkotte "Gekaufte Journalisten" wird detailliert beschrieben, wie die großen Journalisten der Leitmedien uns Bürger im Interesse der Mächtigen manipulieren.

Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien?

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/09/sahra-wagenknecht-unheimliche-komplizenschaft-zwischen-deutschland-und-den-usa/

Herr Tom Schmidt

06.11.2014, 16:51 Uhr

Bei allem was ich an der russischen Politik der letzten Woche verurteile... da wird es sich lohnen ganz genau zuzuhören! Gorbatschow kann man ja nun wirklich nicht vorwerfen reiner Machtpolitik zu sein.

Wir (Deutschland) sollten vorbereitet sein, dass wir auf seine Rede auch eingehen und reagieren können. Vielleicht schafft er es ja wieder ein Ost-West-Krise zu entschärfen, aber wir müssen schon mitziehen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×