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01.01.2015

12:41 Uhr

Treffen mit Südkoreas Präsidentin geplant

Kim Jong Un gibt sich versöhnlich

Ein Treffen auf höchster Ebene hat es im Verhältnis der verfeindeten koreanischen Staaten erst zwei Mal gegeben. Kim Jong Un zeigt nun Bereitschaft dazu – allerdings stellt er Südkoreas Staatschefin eine Bedingung.

Kim Jong Un spricht an Neujahr zu den Nordkoreanern. Reuters

Kim Jong Un spricht an Neujahr zu den Nordkoreanern.

Seoul
Trotz jüngster Drohungen Nordkoreas mit einem neuen Atomtest hat sich Machthaber Kim Jong Un zu einem Treffen mit Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye bereiterklärt. Pjöngjang wolle sich mit allen Kräften um eine Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen bemühen, verkündete Kim am Donnerstag in einer von den Staatsmedien übertragenen Neujahrsansprache. Es gebe keinen Grund, nicht „Gespräche auf höchster Ebene“ zu führen. Allerdings deutete Kim an, dass es ohne eine Einstellung der Militärmanöver Südkoreas mit den USA keine Fortschritte in den Beziehungen geben könne.

Südkorea begrüßte Kims Ansprache als Geste des guten Willens und rief den Nachbarn auf, auf den jüngsten Vorschlag Seouls zur Wiederaufnahme des Dialogs einzugehen. Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae nannte die Rede Kims „bedeutungsvoll“. Kim habe damit die Absicht bekundet, die Beziehungen zu verbessern.

Präsidentin Park hatte sich mehrfach zu einem Treffen mit Kim bereiterklärt. Allerdings bekräftigte sie immer wieder, dass es dabei auch um die Beseitigung der Atomwaffen Nordkoreas gehen müsse. Seit der Teilung der koreanischen Halbinsel vor 70 Jahren gab es nur zwei Treffen auf höchster Ebene zwischen Süd- und Nordkorea – in den Jahren 2000 und 2007.

Nordkoreas Verbündete

China

Die Volksrepublik ist mit Abstand Nordkoreas größter Exportpartner. Nicht in den Statistiken tauchen umfangreiche Nahrungsmittel- und Energiehilfen auf. Peking hat mehr Einfluss auf Pjöngjang als jeder andere Staat. Allerdings hat auch China Nordkoreas dritten Atomtest verurteilt und den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt - das zeigt die Verärgerung über den jungen Machthaber Kim Jong Un.

Als Gastgeber organisierte Peking mehrere Runden der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, China, den USA, Südkorea, Japan und Russland. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms standen diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht. Doch Nordkorea ließ die Verhandlungen 2009 platzen und setzt bis heute allein auf Konfrontation.

Iran

Nordkorea ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant für Teheran. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportierte Pjöngjang auch für Atom-Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran. 2012 vereinbarten das Mullah-Regime und die kommunistische Diktatur eine noch engere Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck unterzeichneten Vertreter beider Länder mehrere Kooperationsabkommen im Technologiebereich. Konkret geht es um Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel, eine engere Zusammenarbeit bei der Forschung sowie um Austauschprogramme für Studenten.

Russland

Pjöngjang steht in Moskau noch aus sowjetischer Zeit mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das Verhältnis der einst engen Verbündeten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Noch im Sommer 2011 wollten der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew und der bereits von Krankheit geschwächte nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il neuen Schwung in die Beziehungen bringen. Sie kündeten zahlreiche gemeinsame Projekte an, doch blieb es meist bei Absichtserklärungen. So scheiterte auch der Bau einer Pipeline, die russisches Erdgas über nordkoreanisches Gebiet nach Südkorea transportieren sollte.

Kuba

Nordkorea und Kuba kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang. Auf den Tod des „Genossen Kim Jong Il“ im Dezember 2011 reagierte Kubas Regierung mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Das Zustandekommen eines Spitzentreffens beider Koreas hänge „von den Umständen und der Atmosphäre“ ab, sagte Kim in seiner 30-minütigen Rede. Auch zu anderen Gesprächsformen sei Nordkorea bereit, wenn der Süden den Dialog wirklich wolle.

Zugleich bekräftigte er, Nordkorea wolle seine militärischen Fähigkeiten weiter ausbauen und die Wirtschaft des Landes fördern. Er kritisierte die Militärübungen Südkoreas und der USA und warf Washington eine „feindselige Politik“ vor. „Einen Dialog auf Vertrauensbasis und einen Fortschritt der innerkoreanischen Beziehungen kann es in einer gespannten Atmosphäre mit solchen Kriegsübungen nicht geben.“ Noch vor zwei Wochen hatte das kommunistische Regime in Pjöngjang als Reaktion auf den Vorwurf gravierender Menschenrechtsverstöße durch die UN mit dem Bau weiterer Atomwaffen gedroht.

Kims Vorstoß kam nun drei Tage nach einem Vorschlag Südkoreas zu neuen Annäherungsgesprächen mit dem Nachbarland auf Ministerebene. Eine konkrete Antwort aus Pjöngjang blieb bisher aus.

Kim steht seit drei Jahren an der Spitze des verarmten, aber hochgerüsteten Staates. Nach Einschätzung von Experten hat er nach einer Welle „politischer Säuberungen“ seine Macht gefestigt und könnte jetzt verstärkt auf Südkorea zugehen. Im Gegensatz zu seinem vor drei Jahren gestorbenen Vater Kim Jong Il hielt er am Neujahrstag jeweils eine Rede.


Von

dpa

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