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13.03.2017

09:28 Uhr

Treffen Trump-Merkel

Mächtig und grundverschieden

Die mächtigste Frau und der mächtigste Mann der Welt treffen erstmals aufeinander. Von Sympathie kann allerdings noch keine Rede sein. Die Kanzlerin will Gemeinsamkeiten aber „möglichst identifizieren“. Good luck.

Vor dem treffen mit dem US-Präsidenten

Merkel: „Miteinander reden, statt übereinander“

Vor dem treffen mit dem US-Präsidenten: Merkel: „Miteinander reden, statt übereinander“

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Berlin/WashingtonAuch Angela Merkel ist auf Twitter. Die Kanzlerin hat sogar schon mal einen eigenen Tweet abgesetzt, genauer gesagt zwei. Das war im Sommer 2014. Ansonsten kann man eine niedrigere zweistellige Zahl an Botschaften nachverfolgen, die Merkel weitergeleitet - also retweetet - hat. 3600 Menschen folgen ihr im Kurznachrichtendienst. Titel ihres Profils: „Gemeinsam erfolgreich in Europa“. Merkel, die deutsche Kanzlerin, überzeugte Europäerin.

Das Profilfoto von Donald Trump trägt keine Botschaft. Zu sehen ist: Trump. Beklatscht von Familie und Freunden bei seiner Amtseinführung im Januar. Er hat mehr als 26 Millionen Follower und knapp 35 000 mal getwittert. Einige Male hat das weltweit Lärm gemacht. Wie kürzlich, als er seinem Vorgänger Barack Obama Abhöraktionen vorwarf. Trump, der US-Präsident, Amerika zuerst.

Merkel und Trump. Unterschiedlicher können zwei Spitzenpolitiker kaum sein. Hier die nüchterne, abwägende, bedachte Naturwissenschaftlerin mit mäßigem Mitteilungsbedürfnis. Dort der polternde, impulsive Milliardär mit großem Geltungsdrang. An diesem Dienstag treffen die mächtigste Frau und der mächtigste Mann der Welt in Washington erstmals aufeinander.

Wie wichtig die USA für die deutsche Wirtschaft sind

Handel

2015 wurden die USA der wichtigste Exportkunde der deutschen Unternehmen, nachdem über mehr als sechs Jahrzehnte Frankreich diese Position innehielt. 2016 behaupteten die Vereinigten Staaten ihre Spitzenposition: Waren im Wert von rund 107 Milliarden Euro wurden damals dorthin verkauft - vor allem Fahrzeuge, Maschinen und chemische Produkte. Das entspricht einem Anteil von etwa zehn Prozent an den gesamten Ausfuhren. Umgekehrt importierte Deutschland Waren im Wert von knapp 58 Milliarden Euro aus den USA, was sechs Prozent aller deutschen Einfuhren entspricht.

Jobs

Mehr als eine Million Jobs in Deutschland hängen direkt oder indirekt von den Exporten in die USA ab. Weitere 630.000 Arbeitsplätze gibt es in Betrieben, die von US-Firmen kontrolliert werden. Allein McDonald's Deutschland zählte 2015 etwa 58.000 Mitarbeiter, der Personaldienstleister Manpower 27.000 und die Ford-Werke gut 25.000. Umgekehrt schaffen deutsche Unternehmen in den USA ebenfalls Hunderttausende Stellen. Größter deutscher Arbeitgeber ist dort die Deutsche-Post-Tochter DHL mit aktuell mehr als 79.000 Mitarbeitern. Siemens beschäftigt in den USA rund 50.000 Frauen und Männer.

Investitionen

Die deutschen Unternehmen haben mehr als 271 Milliarden Euro an Direktinvestitionen in den USA - etwa Fabriken und Immobilien. Mehr als 3700 Unternehmen sind in den Vereinigten Staaten tätig. Allein die 50 größten deutschen Firmen dort kommen auf einen Jahresumsatz von 400 Milliarden Dollar. Auch US-Unternehmen haben erhebliche Beträge in Deutschland investiert: Der Bestand summiert sich auf rund 27 Milliarden Euro. 2015 wurden 252 neue Projekte hierzulande von US-Firmen gestartet, von Neuansiedlungen auf der grünen Wiese über Erweiterungen bis hin zu Standortwechseln. Nur chinesische Unternehmen waren aktiver. Die 50 größten US-Unternehmen kommen in Deutschland auf einen Jahresumsatz von rund 170 Milliarden Euro.

Wie immer bei spannenden Ereignissen lässt Merkel vorher die Erwartungen dämpfen. Um dann, zumindest gefühlt, mehr Ergebnisse zu erzielen. Zwar dient dieser Besuch vor allem erst einmal dem Kennenlernen. Aber das Gespräch wird ein Ritt durch die Weltlage: Wer zahlt wie viel für Verteidigung? Halten alle an der Nato fest? Gibt es eine gemeinsame Haltung zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin und den Sanktionen gegen Moskau? Was ist mit der Wirtschaft: Alles für Amerika oder doch freier Handel? Haben sie die gleichen Werte, Pressefreiheit, Rechtsstaat? Respektieren sie sich?

Um Vertrauen aufzubauen, müssen sie wohl auch Vergangenes klären. Trump hatte Merkel vorgeworfen, Deutschland mit ihrer „wahnsinnigen“ Flüchtlingspolitik ruiniert zu haben. Merkel trat im Kanzleramt vor die Kameras und stellte Trump recht unverhohlen Bedingungen für eine Zusammenarbeit: Demokratie, Freiheit, Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen, unabhängig von Meinung, Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht und sexueller Orientierung. Das ist nicht wenig. Aber lässt ein US-Präsident sich Bedingungen diktieren?

Treffen mit Trump: Merkel will EU-Funktionsweise erklären

Treffen mit Trump

Merkel will EU-Funktionsweise erklären

Kanzlerin Merkel wird Anfang kommender Woche Donald Trump treffen. Schon vorab wiederholte sie die Absage an Wünsche der US-Regierung, einen bilateralen Handelsvertrag zu schließen.

Traditionen und Historie sind Trump herzlich egal. Mit seinem Team hat er sich bisher so gut wie möglich als radikaler Anti-Politiker zu positionieren versucht, als Andersmacher und Durchrüttler. Was bringt mir eine Allianz? Was haben die USA von einem Bündnis? Wenn unter der Last scharfer Fragen Althergebrachtes zusammenbricht, wird das in Kauf genommen oder sogar erwünscht. Wird das mit Blick auf Europa anders sein?

Die Interessen der US-Regierung lagen bisher eindeutig nicht bei den alten Verbündeten, das kann man im Weißen Haus vor einem so wichtigen Besuch zumal des bedeutendsten europäischen Handelspartners freilich nicht so laut sagen. Dass die Europäer aber mehr Verantwortung übernehmen sollen, das ist keine Erfindung Trumps. Er fordert das nur tatsächlich ein.

Angela Merkel und Donald Trump

Ein Kennenlernen mit Konfliktpotenzial

Angela Merkel und Donald Trump: Ein Kennenlernen mit Konfliktpotenzial

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Merkel denkt in Bündnissen, Trump denkt an Amerika. Er will das Land auf sich selbst zurückführen und wieder „groß“ machen. Offen bekennt sich sein innerster Kreis zu wirtschaftlichem Nationalismus. Der ist der Kanzlerin wesensfremd. Dass die „Financial Times“ kurz vor dem Treffen berichtet, im Weißen Haus sei ein offener Krieg um die Handelspolitik ausgebrochen, Protektionismus Ja oder Nein, erhöht die Spannung für den Dienstag zusätzlich.

„Alle Straßen führen nach Berlin“, beschreibt der Think Tank CSIS in Washington kurz vor Merkels Kommen die internationale Verflechtung Deutschlands. Diplomaten geben sich sicher, dass der neue Präsident das spezifische Gewicht Deutschlands schon kennenlernen wird. Während man in Deutschland tief beunruhigt nach Washington schaut und viele sich fragen, was denn nur in dieses Land gefahren ist, hat die neue US-Regierung Deutschland bisher nicht als Vorbild für Buntheit, Internationalität oder Klimaschutz beschrieben. Man ist sich nicht nähergekommen.

Treffen Merkel - Trump: Chefs von Siemens und BMW Teil des Gesprächs

Treffen Merkel - Trump

Chefs von Siemens und BMW Teil des Gesprächs

Kommenden Dienstag trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel in Washington auf US-Präsident Donald Trump. Für ihr Treffen mit Trump, nimmt Merkel die Chefs der deutschen Firmen Siemens und BMW mit.

Die Kanzlerin hat reichlich Erwartungen im Gepäck, aus der Heimat und aus Europa. Nach Trumps Wahl hatten sie viele Medien in den USA rasch als „Führerin der freien Welt“ auserkoren, könne einer wie Trump das doch kaum mehr sein. Diese Rolle wird sich Merkel kaum zu eigen machen, auch im anstehenden Wahlkampf nicht. Dass sie von Trump lernen möchte, wie man eine populistische Welle reitet, kann man ausschließen.

Die Kanzlerin stimmte den Präsidenten wenige Tage vor dem Abflug darauf ein, was für sie unverhandelbar ist: die Gemeinschaft Europas. Deutschland und die EU seien zwei Seiten derselben Medaille, Spaltungsversuche zwecklos. In der ihr eigenen Art sagte Merkel, sie werde versuchen, die Interessen der USA und eines in die EU eingebundenen Deutschlands „möglichst zu identifizieren“. Was ist diese Freundschaft noch wert? Es geht um viel an diesem Dienstag.

Von

dpa

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

13.03.2017, 10:09 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Alessandro Grande

13.03.2017, 10:14 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Clemens Keil

13.03.2017, 11:09 Uhr

Ein aktuelles Gedankenspiel: Würde Merkel auf Wunsch von Trump Deutschland in Mexiko oder im Iran einmarschieren lassen?
Die ersten Verlautbarungen von Frau Merkel zu dem neuen US-Präsidenten Trump geben noch kein verlässliches Bild, wie denn Frau Merkel mit dem neuen republikanischen Präsidenten umgehen wird. Wenn wir diese Frage analysieren wollen, sollten wir auch einen Blick in die Geschichte werfen. Wie ist denn Frau Merkel mit dem letzten republikanischen US-Präsidenten vor Trump, also George W. Bush, umgegangen?
Wir erinnern uns, dass sie 2003 als CDU-Vorsitzende und Oppositions-Führerin dem damaligen Kanzler Schröder in den Rücken gefallen ist und für die Teilnahme Deutschlands am Irak-Krieg plädiert hatte ("der Angriff auf den Irak sei eine unumgängliche Schadensbegrenzung", FAZ vom 27.3.2003). Sie reiste extra in die USA, um Bush zu versichern, dass nicht alle Deutschen der Meinung der Schröder-Regierung seien, dass Deutschland nicht am Einmarsch in den Irak teilnehmen solle. Diese ihre Verstrickung leugnete sie später vehement (kleine Abschweifung zu ihrem Verhältnis zur Wahrheit). Zum Glück für Deutschland war damals Schröder Kanzler und hat, wie wir heute wissen, mit Recht Bush die Stirn geboten. Übrigens hatte Frau Merkel dieses vorbildliche Verhalten von Herrn Schröder in ihrer Bundestagsrede vom 13.9.2002 als den "schamlosesten Betrug am Wähler" denunziert! Welch eine Fehleinschätzung!
Die Frage ist nun: wird Merkel auch einem Trump die Stirn bieten. Die ersten Merkel-Statements im Hinblick auf die Einhaltung von Werten sind noch wenig konkret. Konkreter ist die zur Unzeit hinausposaunte, unwidersprochene Ankündigung von Frau von der Leyen, für die Bundeswehr neue Transportflugzeuge in den USA bestellen zu wollen. Getippt hat sie das noch durch ihr unterwürfiges Versprechen, den Wehretat willfährig erhöhen zu wollen. Und der Unionspartner der Unions-Kanzlerkandidatin auf (Obergrenzen-)Abruf, Herr Seehofer, lobt schon mal Trump, fordert von uns mehr..

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