Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2011

19:12 Uhr

Trichet-Nachfolge

Berlusconi macht Front gegen Bundesbank-Chef

Nach monatelangen Spekulationen ist der Wettstreit um die Top-Personalie in Europa im Jahr 2011 nun offen entbrannt: Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi eröffnete am Mittwoch bei einem Besuch in Berlin das Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet offiziell auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs. Und er machte deutlich, wen er nicht haben möchte: Bundesbankchef Axel Weber.

Berlusconi in Berlin: Rennen um EZB-Topjob eröffnet. DAPD

Berlusconi in Berlin: Rennen um EZB-Topjob eröffnet.

HB BERLIN. „Es ist klar, dass es für uns eine große Ehre sein würde, wenn die europäische Auswahl auch wirklich den Notenbankchef aus Italien bestimmen würde“, sagte Berlusconi auf die Frage, ob er Mario Draghi gerne als Nachfolger des im Herbst nach acht Jahren aus dem Amt scheidenden Franzosen sehen würde.

Da Draghi, ein hochqualifizierter Finanzfachmann mit Karriere in Politik und der Bankenwelt, seit vielen Monaten als einer der beiden vielversprechendsten Kandidaten gilt, ist die Festlegung Berlusconis bemerkenswert. Denn bisher haben allenfalls Finanzminister über die Nachfolge Trichets spekuliert. Bundeskanzlerin Angela Merkel dagegen vermeidet seit Monaten jede Festlegung in der Frage, ob sie eine Kandidatur von Bundesbank-Präsident Axel Weber unterstützen würde.

Dabei wird Merkel auch von Euro-Partnern dazu gedrängt, endlich Position zu beziehen. Die Standardformel aus deutschen Regierungskreisen lautet dagegen bislang: „Weber wäre sicher ein guter Kandidat, wenn er denn antreten würde.“ Man werde sich aber erst dazu äußern, wenn es „Zeit“ sei.

Wann dies der Fall sein wird, war bisher nicht klar abzusehen. Nach Berlusconis Festlegung auf Draghi gerät Merkel jedoch in Zugzwang. Äußert sich die Bundesregierung nicht umgehend, ob sie einen deutschen Kandidaten ins Rennen schickt, könnte dies als Verzicht gewertet werden. Falls ein solcher allerdings nicht beabsichtigt ist, könnte das anhaltende Schweigen den Kandidaten Weber beschädigen, noch bevor das finale politische Tauziehen überhaupt begonnen hat.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

josefschuh

12.01.2011, 22:04 Uhr

Wenn Herr berlusconi den soliden Herrn Weber nicht als Trichetnachfolger will, hat er wohl nicht die Absicht, solide Stabilität zu halten, wie es früher dort war, als die noch die Lire hatten.
Veterano

Rainer_J

12.01.2011, 22:52 Uhr

Diese Diskussion ist überflüssig! Deutschland sollte aus der Fehlkonstruktion "Euro" aussteigen und dann können die PiGS den EZb-Chef unter sich ausmachen. Sollen sie doch einen Esel nehmen! Das würde am besten zu den PiGS passen!

Bescheidenheit ist keine Zier

13.01.2011, 05:45 Uhr

@ [1] Rainer_J,
ich würde Dich vorschlagen, als Vertreter der deutschen Leitkultur und der deutschen Herrenrasse!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×