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31.05.2011

19:55 Uhr

Trichet-Nachfolge

Draghi erleidet mit EZB-Aufstieg herbe Gehaltseinbußen

Als Chef der italienischen Notenbank verdiente sich Mario Draghi eine goldene Nase. Damit ist es vorbei, wenn er EZB-Präsident wird. Die Zentralbank in Frankfurt zahlt vergleichsweise mickrige Gehälter.

Der Italiener Mario Draghi soll Jean-Claude Trichet auf den Posten des EZB-Präsidenten folgen. Quelle: dpa

Der Italiener Mario Draghi soll Jean-Claude Trichet auf den Posten des EZB-Präsidenten folgen.

Amsterdam/Frankfurt Der Gouverneur der italienischen Zentralbank, Mario Draghi, wird voraussichtlich die Hälfte seines derzeitigen Gehalts einbüßen, wenn er ab November Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) wird. Wie die Banca d’Italia auf ihrer Website mitteilte, verdiente Draghi im vergangenen Jahr 757.714 Euro (1.090.123 Dollar). Der EZB-Präsident  brachte es gerade mal auf 367.863 Euro, wie die Notenbank auf ihrer Website ausweist.

Der Präsident der Deutschen Bundesbank verdient da schon etwas mehr. Nach Handelsblatt-Recherchen streichte der frühere Chef der Notenbank, Axel Weber, im Jahr 2010 ein Gehalt von 391.522 Euro ein. Sein Nachfolger Jens Weidmann dürfte das gleiche verdienen.

Wesentlich schlechter steht der Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, da. Er verdiente 2010 lediglich 199.700  Dollar.

Die Staats- und Regierungschefs des Euro-Raums werden Draghi am 24. Juni  offiziell zum EZB-Präsidenten ernennen. 

Italien macht derweil sogar Zugeständnisse, um Deraghis Berufung an die EZB abzusichern. Wie die niederländische Tageszeitung "Het Financieele Dagblad" berichtet, hat sich Landsmann Lorenzo Bini Smaghi zum Rückzug aus dem Direktorium der EZB bereiterklärt, damit dem Gremium künftig keine zwei Italiener angehören. Dafür müsse die Regierung in Rom Bini Smaghi aber einen attraktiven anderen Posten anbieten.

"Sie müssen ihm ein Angebot machen, das er nicht ausschlagen kann", zitierte die Zeitung eine mit der Sache vertraute Person. Auch aus Kreisen der EZB verlautete, dem Italiener müsse ein Wechsel mit einer "gleichwertigen Position" schmackhaft gemacht werden. Ansonsten gehe man in der Zentralbank davon aus, dass der Italiener sein achtjähriges Mandat erfüllen werde.

Was für und was gegen Draghi spricht

Pro: Werdegang

Draghis Fachkompetenz in Sachen Geld- und Währungspolitik steht nach Jahren an der Spitze der italienischen Notenbank außer Frage. Sein Lebenslauf hat aber noch mehr zu bieten. Er hat in Florenz als Professor für Finanzwissenschaften gelehrt, war von 1984 bis 1990 bei der Weltbank in Washington und wurde nach der Rückkehr oberster Beamter im Finanzministerium in Rom. Dort diente er unter fünf Ministern, trieb die Privatisierung vieler Staatsbetriebe voran, ebenso die Sanierung des Haushalts. Auch Draghis Arbeit hat es Italien zu verdanken, dass es 1999 überhaupt Gründungsmitglied der Währungsunion werden konnte.

Pro: Vorsitz in wichtigem Finanz-Gremium

Damit der Lorbeeren für den Römer nicht genug. Die Staats- und Regierungschefs der G20-Länder beauftragten ihn in der Finanzkrise als Vorsitzenden des Financial Stability Boards mit der Reform der Regeln für das globale Finanzwesen. Auch deshalb wählte die Fachpublikation Financial News Draghi 2010 zur zweiteinflussreichsten Person in Europas Finanzbranche - nach Deutsche-Bank-Investmentchef Anshu Jain, aber klar vor Trichet.

Pro: Arbeitstier

Draghi ist ein völlig anderer Typ als jene Zentralbanker, die über Jahrzehnte wie Patriarchen im Palazzo Koch an der Via Nazionale in Rom residierten. Er kungelt anders als viele seiner Vorgänger nicht mit der Politik, gilt als absolutes Arbeitstier und Freund der leisen Töne. Und er denkt und redet ganz im Sinne der deutschen Stabilitätskultur in Gelddingen. „Wir müssen alle dem Beispiel Deutschlands folgen“, sagte er. Und er hat Fans im traditionell besonders stark auf stabile Preise ausgerichteten Deutschland: Ex-Finanzminister Peer Steinbrück kennt Draghi als „immer sehr souverän, sehr ruhig und fachlich exzellent“.

Contra: Tätigkeit bei Goldman Sachs

So wenig Zweifel es an der fachlichen Eignung Draghis für den Job als oberster Währungshüter gibt, so groß sind die moralischen Einwände gegen ihn. Seinem ehemaligen Arbeitgeber Goldman Sachs wird vorgeworfen, Griechenland beim Verschleiern des enormen Haushaltsdefizits geholfen zu haben.

Nur mit solchen Tricks konnte das Land überhaupt der Währungsunion beitreten, die nach Bekanntwerden der wahren Schuldenprobleme in Athen in ihre bislang schwerste Krise geriet und gegen die auch der neue EZB-Chef ankämpfen muss. Draghi war von 2002 bis 2005 Vize-Verwaltungsratschef der Investmentbank in London. „Ich habe nicht einen einzigen Deal mit Regierungen gemacht“, betont Draghi. Ein Fehlverhalten konnte ihm nicht nachgewiesen werden, doch es bleibt für viele Kritiker ein Beigeschmack.

Contra: Nationalität

Vorbehalte gibt es auch wegen seiner Nationalität. Mit dem Portugiesen Vitor Constancio ist gerade erst ein Vertreter eines hoch verschuldeten Euro-Krisenlandes zum EZB-Vizepräsidenten ernannt worden. Italien hat nach Griechenland den höchsten Schuldenberg aller Euro-Länder, gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Draghi war in den neunziger Jahren Chef des italienischen Schatzamtes. Würde eine italienisch-portugiesische Doppelspitze harte Maßnahmen wie den Ausstieg aus den milliardenschweren Krisenhilfen oder eine kräftige Anhebung der Leitzinsen im Kampf gegen die Inflation durchsetzen, auch wenn gerade ihre Heimatländer wirtschaftlich leiden würden?

Contra: Zweifel an Stabilitätswillen

Misstrauen schlägt Draghi auch entgegen, ob er einen so strikten Anti-Inflationskurs fahren würde wie man es einem deutschen Kandidaten qua Herkunft zutraut. „Mamma mia. Bei den Italienern gehört Inflation zum Leben wie Tomatensoße zur Pasta!“, spitzt die „Bild“-Zeitung die Vorbehalte jüngst zu.

Kommentare (2)

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jau

31.05.2011, 20:48 Uhr

Nach solchen Posten strebt man nicht wegen des Gehalts.
Personen, die sich um solche "Jobs" bewerben, haben ihre Schäfchen bereits im Trockenen.
Es geht jedoch um Macht und Einfluss für die Kreise, die hinter dem Kandidaten stehen.
Das Abkassieren für all die kleinen und großen Gefälligkeit kommt später, spätestens nach Ablauf der Amtszeit (siehe auch deutscher Ex-Bundeskanzler).
Hoffe, mit dem konstruktiven Kommentar gedient zu haben... Untertänigst, Ihr deutscher Steuerzahler, Europas nützlicher Depp...

Rainer_J

31.05.2011, 22:22 Uhr

Dracula wird ja ohnehin die Inflation einläuten und sein Gehalt zwar nicht mit Kaufkraft, aber zumindest in Dezimalstellen anheben.

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