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11.05.2011

12:29 Uhr

Trichet-Nachfolge

Freie Bahn für Draghi als neuer EZB-Präsident

Angela Merkel unterstützt nun doch die Kandidatur des italienischen Notenbankpräsidenten Mario Draghi als EZB-Chef. Italien will die Personalie schon bald offiziell vorschlagen.

Mario Draghi auf dem G 20 Gipfel im südkoreanischen Seoul in 2010. Quelle: ap

Mario Draghi auf dem G 20 Gipfel im südkoreanischen Seoul in 2010.

Berlin/RomDer Weg für Mario Draghi an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) scheint frei. Bundeskanzlerin Angela Merkel signalisierte erstmals ihre Bereitschaft, eine Kandidatur des italienischen Notenbankgouverneurs Mario Draghi für den im Herbst neu zu besetzenden EZB-Chefposten zu unterstützen. "Er steht unseren Vorstellungen von Stabilitätskultur und solidem Wirtschaften sehr nahe", sagte Merkel der Wochenzeitung "Die Zeit" . "Deutschland könnte eine Kandidatur von ihm für das Amt des EZB-Präsidenten unterstützen."

Italien will Kreisen zufolge Mario Draghi am Montag offiziell als Kandidaten für den EZB-Chefposten vorschlagen. Draghis Kandidatur werde beim Treffen der Finanzminister der Euro-Zone auf den Weg gebracht, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Mittwoch.

Ein Regierungssprecher bestätigte, dass Merkel und Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi am Dienstag ein Telefonat geführt und alle anliegenden europäischen Themen dabei erörtert hätten. Damit dürfte es auch um die deutsche Haltung zu Draghi gegangen sein. Dem Vernehmen nach will Italien nun bereits am Montag beim nächsten Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel Draghi offiziell vorschlagen. Die sehr lange umstrittene Frage der EZB-Präsidentschaft nach dem turnusmäßigen Abgang von Amtsinhaber Jean-Claude Trichet Ende Oktober gilt als wichtigste Personalie dieses Jahres in Europa.

Neben seinem Heimatland Italien hatte auch Frankreich hinter Draghi gestellt. Auch Spanien signalisierte bereits Sympathie. Deutschland hatte nach dem völlig überraschenden Rückzug von Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber keinen eigenen Kandidaten für den Chefsessel der EZB. Die Bundesregierung wollte sich in den vergangenen Wochen aber noch nicht auf Trichet-Nachfolger festlegen. Zuletzt war der internationale Druck auf Merkel aber immer stärker geworden, in der Personalfrage Farbe zu bekennen.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

11.05.2011, 12:41 Uhr

Welchen Preis für sich, und vielleicht für die BRD hat die Kanzlerin erhalten, dass sie diesen Herrn Mario Draghi unterstützt???
Einen Herrn dessen eigenes Land am Rande oder sogar schon Pleite ist???
Oder wurde ihr persönlich eine Einladung von Herrn Silvio Berlusconi zu einer seiner Partys überreicht???
Ich glaube diese Kanzlerin sollte unbedingt einen Psychiater aufsuchen.
Basta.

Buerge-r

11.05.2011, 12:53 Uhr

Merkel's finanzpolitische Inkomptenz ist nur noch peinlich. Immer erfährt man einige Wochen vorher aus Paris, wofür sie dann letztlich auch stehen wird. So auch diesmal. Bei ihrem Geplapper im Vorfeld kann man getrost den Ton leise drehen - irrelevant!

Account gelöscht!

11.05.2011, 14:07 Uhr

Unsere europäischen Partner wissen mittlerweile, dass sie mit Merkel leichtes Spiel haben. In der Eurofrage hat sie nicht den Ansatz eines Konzeptes und ist bisher immer auf die Meinungsmacher eingeschwenkt, die nichts anderes als eine große Transferunion zum Ziele haben. Mit dem Fallenlassen von Weber hat sie den letzten Stabilisatoren verloren. Draghi ist eine folgenschwere Entscheidung. Wenn Italien mit seinen gigantischen Schulden Probleme am Kapitalmarkt bekommen sollte, dann wird Draghi in großem Stil italienische Staatsanleihen aufkaufen, um seine italienischen Bankenfreunde zu retten und somit den Euro und unsere Ersparnisse endgültig zu ruinieren. Erinnern wir uns: Es ist noch nicht lange her, da kaufte Trichet seinen französischen Bankfreunden Milliarden griechischer Staatsanleihen ab, die bei der zu erwartenden Umschuldung Griechenlands nun teilweise beim deutschen Steuerzahler landen werden. Als Merkel ihre erste Bundestagswahl gewonnen hatte, sagte der Verlierer Schröder am Wahlabend: Sie kann´s nicht. Heute wissen wir, daß er rechtbehalten sollte.

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