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20.04.2011

15:43 Uhr

Trichet-Nachfolger

Berlin will sich bei EZB-Nachfolge nicht festlegen

Die Bundesregierung hat sich noch nicht offiziell auf eine Position zur Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet festgelegt. Merkel ist weiterhin skeptisch, Favorit Mario Draghi öffentlich zu unterstützen.

Der italienische Notenbankchef Mario Draghi gilt als Favorit für die Nachfolge von EZB-Präsident Trichet. Quelle: Reuters

Der italienische Notenbankchef Mario Draghi gilt als Favorit für die Nachfolge von EZB-Präsident Trichet.

BerlinDie Entscheidung auf europäischer Ebene über die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet stehe nicht vor Ende Juni an. „Deshalb wird sich die Bundesregierung hierzu auch erst zeitnah entscheiden“, bekräftigte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans am Mittwoch in Berlin. 

Er reagierte damit auf anhaltende Berichte, wonach Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dafür plädiere, dass der italienische Notenbankchef Mario Draghi neuer EZB-Präsident werden solle. Neben Schäuble würden auch andere Euro-Finanzminister wie Frankreichs Ressortchefin Christine Lagarde Draghi an der Spitze der EZB sehen wollen, hatte das „Handelsblatt“ kürzlich berichtet. 

An der fachlichen Qualifikation Draghis und an seinem Eintreten für Preisstabilität und eine glaubwürdige Preispolitik bestünden keine Zweifel. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aber bleibe skeptisch bei dem Plan, einen Südeuropäer zum Trichet-Nachfolger zu machen. 

Hintergrund ist auch, dass noch schwierige Debatten mit der Koalition über die Ausgestaltung des Euro-Rettungsfonds ESM anstehen. 

Aus EU-Diplomatenkreisen verlautete, dass alles auf Draghi zulaufe. Merkel wolle aber auf eine Gegenleistung pochen. So könnte die Rolle von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark aufgewertet werden. 

Auch könnte ein Deutscher in eine andere EU-Spitzenposition aufrücken. 

Beste Chancen auf den EZB-Chefposten hatte eigentlich Noch-Bundesbank-Präsident Axel Weber. Dieser hatte jedoch im Februar überraschend seinen Rückzug aus der Bundesbank und seinen Verzicht auf die Trichet-Nachfolge erklärt. Weber scheidet Ende April aus. Es gilt inzwischen als sicher, dass Deutschland keinen anderen eigenen Kandidaten mehr ins Rennen um die EZB-Nachfolge schicken wird. 

Zu Draghi, der sich auch als Chef des von den führenden Wirtschaftsmächten getragenen Finanzstabilitätsforums als Krisenberater einen Namen gemacht hat, gibt es auch wegen der komplizierten Balance zwischen großen und kleineren Euro-Ländern in der EZB-Führung kaum Alternativen. Von den sechs EZB-Direktoren stehen kleineren Ländern zwei zu. Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien besetzen die anderen vier. 

Sollte etwa Luxemburg oder Finnland den EZB-Top-Posten besetzen, wären bereits drei Sitze an kleinere Euro-Länder vergeben. Dann aber würde Frankreich mit dem Rückzug Trichets nicht mehr im EZB-Direktorium vertreten sein. Mit Draghi wäre das Gleichgewicht gewahrt. Dafür müsste das italienische Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi seinen Stuhl für einen Franzosen räumen. Würde doch ein Deutscher EZB-Chef, müsste wiederum Direktoriumsmitglied Stark gehen.

 

Von

dpa

Kommentare (1)

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gerhard

21.04.2011, 19:00 Uhr

"Der italienische Notenbankchef Mario Draghi gilt als Favorit für die Nachfolge von EZB-Präsident Trichet. Quelle: REUTERS
Hintergrund ist auch, dass noch schwierige Debatten mit der Koalition über die Ausgestaltung des Euro-Rettungsfonds ESM anstehen. "

Der letzte Punkt dürfte zu einem Problem werden, denn Italien sieht die Ausgestaltung des
Rettenungsschirms viel "freizügiger" -als es Frankreich oder Deutschland sehen.

Aber für Deutschland heißt es hier:
"Es gilt inzwischen als sicher, dass Deutschland keinen anderen eigenen Kandidaten mehr ins Rennen um die EZB-Nachfolge schicken wird. "

Es bleibt also weiter ein" Kuddelmuddel" für die Besetzung des EZB Direktorpostens?

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