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02.06.2011

13:59 Uhr

Trichet-Rede im Wortlaut

„Europa voranbringen – Institutionen stärken“

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat am Donnerstag in der Aachen den Internationalen Karlspreis 2011 erhalten. Handelsblatt Online dokumentiert seine Dankesrede im Wortlaut.

Jean-Claude Trichet bei seiner Rede in Aachen. Quelle: Reuters

Jean-Claude Trichet bei seiner Rede in Aachen.

„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrter Herr Präsident des Europäischen Rates,

sehr geehrter Herr Präsident der Europäischen Kommission,

sehr geehrter Herr Präsident des Europäischen Parlaments,

sehr geehrter Herr Präsident der Eurogruppe,

sehr geehrte frühere Karlspreisträger,

sehr geehrte Frau Präsidentin des Bundesrates,

sehr geehrte Exzellenzen,

sehr geehrte Minister,

sehr geehrte Abgeordnete des Europäischen Parlaments und der nationalen Parlamente,

sehr geehrte Mitglieder des EZB-Rats,

sehr geehrte Mitglieder der Karlspreis-Stiftung,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

es ist mir eine außerordentliche Ehre, heute den Karlspreis zu empfangen.

Ich bin tief bewegt, mich in den Kreis großer Persönlichkeiten einreihen zu dürfen. Mit den Worten von Isaac Newton: „Ich fühle mich, als stünde ich auf den Schultern von Riesen“.

Der Karlspreisstiftung gilt meine tiefe Dankbarkeit für die heutige Ehre. Mir ist bewusst, dass der Preis ebenso meinen Kollegen des EZB-Direktoriums gilt, die hier alle anwesend sind, sowie des EZB-Rats. Er gebührt auch allen Mitarbeitern der europäischen Zentralbanken. Die Begründung der Stiftung und die bewegenden Worte von Präsident Barroso, mit all dem Vertrauen in uns als wahre Europäer, berühren mich sehr.

Jede Generation muss sich von neuem für Europa engagieren.

Für die Generation des Zweiten Weltkriegs war entscheidend: Europa sollte eine Wiederholung der Weltwirtschaftskrise und der ungeheuerlichen Schrecken des Krieges verhindern.

Für die nachfolgende Generation war Europa der Eckpfeiler für Wohlstand durch offene Märkte und wirtschaftliche Freiheit.

Für die heutige Generation sind diese Errungenschaften selbstverständlich. Heute stehen andere Themen im Vordergrund.

Es gilt zu erklären: warum ist die Einheit Europas in der globalisierten Welt für Frieden und Sicherheit wichtiger denn je? Warum ist die Europäische Union entscheidend, um die Interessen der europäischen Nationen zu sichern und zu fördern? Wie ist die weitreichende Interdependenz von Volkswirtschaften und Gesellschaften heutzutage am besten zu handhaben?

Ich meine, die Antwort auf diese Fragen liegt in der Stärkung des europäischen institutionellen Rahmens. In den Bereichen Wirtschaft und Finanzen heißt dies eine deutliche Stärkung der Institutionen der Wirtschafts- und Währungsunion.

Mit Institutionen meine ich nicht Technokraten, die komplexe und bürgerferne Entscheidungen treffen.

Ich meine vielmehr jene Regeln und Organisationen, die unsere zentralen Werte bewahren und auf das Gemeinwohl abzielen.

Institutionen, die Vertrauen zwischen den Völkern und Nationen Europas stärken.

Institutionen, die die Zusammenarbeit fördern.

Institutionen, die uns helfen, Interdependenz durch gemeinsame Entscheidungen zu handhaben.

Jean Monnet sagte: „Nichts ist möglich ohne die Menschen, nichts ist dauerhaft ohne Institutionen.“

Kommentare (1)

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Trouby

02.06.2011, 17:05 Uhr

Gibt es etwa doch noch begeisterte Europäer? Natürlich hat er vollkommen recht mit seinen Überlegungen. Ich hoffe, die deutschen Zöger- und Zauderminister bekennen sich endlich auch einmal nicht nur durch wohlmeinende Reden, sondern auch sinnvolle Taten zu einem starken Europa!

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