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13.03.2012

06:53 Uhr

Trotz Amoklaufs

USA wollen von Afghanistan nicht lassen

Die USA wollen unverändert an ihrer Afghanistan-Strategie festhalten - auch wenn die Beziehungen zu dem Land durch den jüngsten Amoklauf und die Verbrennung von Koranschriften schwer belastet sind.

Verteidigungsminister Leon Panetta will Afghanistan nicht aufgeben. AFP

Verteidigungsminister Leon Panetta will Afghanistan nicht aufgeben.

WashingtonTrotz des Amoklaufs eines US-Soldaten wollen die USA an ihrer Afghanistan-Strategie festhalten. „Wir können nicht zulassen, dass diese Ereignisse unsere Strategie oder Mission untergraben“, sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta am Montag auf einem Flug nach Kirgistan. US-Präsident Barack Obama warnte vor einem überstürzten Abzug der US-Truppen aus Afghanistan.

Der US-Soldat hatte am Sonntag in der südafghanischen Provinz Kandahar 16 Dorfbewohner, in der Mehrzahl Frauen und Kinder, in ihren Häusern getötet. Nach Angaben des Pentagon war der Unteroffizier erstmals in Afghanistan, davor war er drei Mal im Irak im Einsatz. Dort habe er sich bei einem Verkehrsunfall ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen, sagte ein Pentagon-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Verletzungen dieser Art sind bei US-Soldaten im Irak oder Afghanistan keine Seltenheit. Neurologen sehen

inzwischen einen Zusammenhang zum späteren Auftreten eines post-traumatischen Stress-Syndroms.

Laut Panetta und dem Pentagon handelte es sich um die Tat eines Einzeltäters. Dieser werde sich vor einem Militär-Tribunal verantworten und müsse im Fall eines Schuldspruchs mit der Todesstrafe rechnen. „Nach meinem Verständnis könnte dies unter diesen Umständen in Betracht kommen“, sagte Panetta. Er warnte, dass es im Krieg immer wieder derartige Vorfälle gebe: „Krieg ist die Hölle“, sagte er. Umso wichtiger sei es, „dass wir diesen Krieg zu einem verantwortlichen Ende bringen“.

Chronologie: Tödliche Zwischenfälle in Afghanistan

Unbeliebte Besatzer

Bereits vor dem Massaker eines US-Soldaten an 16 afghanischen Zivilisten hat es in dem Land am Hindukusch mehrere Übergriffe von Angehörigen der amerikanischen Truppen gegeben. Auch Aktionen wie Koranverbrennungen lösten gewalttätige Proteste aus.

20. Februar 2012

Soldaten in der US-Basis Bagram bringen Ausgaben des Korans versehentlich zur Entsorgung zu einer Verbrennungsanlage. Muslimen gilt jede Schändung des Korans als Todsünde. Trotz einer Entschuldigung von Präsident Barack Obama führt die Koranverbrennung zu schweren Ausschreitungen mit zahlreichen Toten.

11. Januar 2012

Im Internet taucht ein Video auf, das angeblich US-Soldaten zeigt, die auf getötete Taliban urinieren. Der Vorfall sorgt international für Empörung und belastet die amerikanisch- afghanischen Beziehungen. US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteilt die Leichenschändung und ordnet eine Untersuchung an.

23. März 2011

Ein US-Soldat wird von einem amerikanischen Militärrichter zu 24 Jahren Haft verurteilt. Der Stabsgefreite hatte zugegeben, zusammen mit mehreren Kameraden gezielt drei unbewaffnete Zivilisten in Afghanistan umgebracht zu haben. Dem fünfköpfigen „Killkommando“ wird nicht nur angelastet, aus purer Mordlust getötet zu haben: Sie sollen auch Körperteile ihrer Opfer wie Finger als Trophäen mitgenommen haben.

20. März 2011

In der Gemeinde des umstrittenen Pastors Terry Jones in Gainesville (US-Staat Florida) findet eine Koranverbrennung statt. Wenige Tage später stürmen aufgebrachte Menschen im afghanischen Masar-i-Scharif ein Büro der Vereinten Nationen und töten sieben Ausländer. Bei Ausschreitungen kommen in den folgenden Tagen in Afghanistan mindestens 23 Menschen ums Leben.

4. Mai 2009

Bei einem US-Luftangriff in der südwestafghanischen Provinz Farah kommen auch zahlreiche Zivilisten ums Leben. Das US-Militär hatte den Taliban vorgeworfen, diese als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Nach einer Untersuchung der afghanischen Regierung wurden 140 Zivilisten getötet.

Ähnlich äußerte sich auch Obama. Der Abzug der US-Truppen müsse auf „verantwortungsvolle Art und Weise“ erfolgen, um zu verhindern, „dass wir am Ende wieder zurückkehren müssen“, sagte der US-Präsident dem lokalen CBS-Ableger KDKA. Auf keinen Fall dürfe es ein blindes „Rennen zu den Ausgängen“ geben, sagte er weiter. Die Afghanen müssten zuvor in der Lage sein, ihre Grenzen selbst zu verteidigen und eine Rückkehr von El Kaida zu verhindern. Gleichzeitig aber müsse sichergestellt werden, „dass wir

nicht länger in Afghanistan bleiben als wir müssen“, fügte Obama im Sender KCNC hinzu.

Der Amoklauf hat die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Afghanen und den USA weiter verschlechtert. Präsident Hamid Karsai bezeichnete die Tat als „unverzeihlich“, das Parlament in Kabul forderte die US-Regierung auf, den „Schuldigen in einem öffentlichen Verfahren vor dem afghanischen Volk“ den Prozess zu machen. Washington warnte vor gewaltsamen Protesten in Afghanistan, Stammesführer in Kandahar riefen ausdrücklich zum Gewaltverzicht auf. Allen Befürchtungen zum Trotz blieb es zunächst ruhig.

Von

afp

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

13.03.2012, 09:01 Uhr

"Gleichzeitig aber müsse sichergestellt werden, „dass wir
nicht länger in Afghanistan bleiben als wir müssen“, fügte Obama im Sender KCNC hinzu."

Inhaltslos und leer, aber fuer die US-Masse scheinbar wirksam - ein typischer Obama-Spruch. Genau so wie "Yes we can!" Was eigentlich????

RobertSchumansErben

13.03.2012, 10:16 Uhr

Nun da Osama gefunden, kann natürlich die Frage erlaubt sein,warum wollen die unbedingt dort länger bleiben wollen. Die Intervention hat höchst warhscheinlich andere Begehrlichkeiten, die man noch nicht gewillt ist, an den Tag zu legen.

Zum anderen müssen die "Rohstofffelder" gesicherten, natürlichen Abfluß zu den weltweiten Verbrauchern haben. Deswegen wurde ja die Bundeswehr im Rahmen der NATO, wie andere Verbündete auch, zu den Maßnahmen hinzugezogen.

Wie der normale Verbraucher weiß, Afghanistan liegt soweit von dem riesigen Markt der VR China auch nicht weg. Schon wird mal durch die WTO eingeläutet, daß die VR China den Weg frei machen "darf" für die seltenen Erden. Und bist du nicht willig, lassen wir uns auch gerne um Hilfe bitten. Das Waffenpotential zur Drohgebärde könnte eine US-Patent tragen, als abschreckende Wirkung.

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