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08.05.2011

17:29 Uhr

Trotz Atomkatastrophe

Japans Regierung will an Atomkraft festhalten

Die Bilder vom zerstörten Reaktor in Fukushima sind noch immer präsent, die Bedenken der Bevölkerung groß. Doch die Regierung will trotz des GAUs an der Atomkraft festhalten. Allenfalls soll der Anteil überprüft werden.

Das Bild des zerstörten Reaktors in Fukushima ging um die Welt. Quelle: dpa

Das Bild des zerstörten Reaktors in Fukushima ging um die Welt.

TokioJapan will trotz der Atomkatastrophe von Fukushima und zunehmender Proteste in der Bevölkerung an der Kernkraft festhalten. Vize-Regierungssprecher Yoshito Sengoku sagte am Sonntag, Japan sei weiter von der Atomkraft überzeugt. Befürworter eines Ausstiegs hatten Hoffnung auf eine Energiewende geschöpft, nachdem Ministerpräsident Naoto Kan die Anordnung zur Schließung des Kernkraftwerks Hamaoka in einer Erdbebenregion erteilt hatte. Handelsminister Banri Kaieda betonte am Sonntag im Gespräch mit dem Fernsehsender Fuji TV, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien forciert werden müsse. Investitionen darin seien ein Schlüssel für wirtschaftliches Wachstum. Zugleich sagte Kaieda, dass die Wachstumsziele für die Atomkraft überprüft werden müssten. Bisher strebt Japan an, bis 2030 die Hälfte des Energiebedarfs durch Atomkraft zu decken. Derzeit sind es 30 Prozent.

Am Samstag waren mehrere Tausend Japaner in Tokio auf die Straße gegangen, um für einen Atom-Ausstieg zu demonstrieren. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie „Nie mehr Fukushima“ und „Schließt sofort alle Atomkraftwerke“. Zugleich begrüßten sie die Anordnung von Ministerpräsident Kan, das Kernkraftwerk Hamaoka aus Sicherheitsgründen zu schließen. Mit der Ankündigung reagierte die Regierung auf Proteste in der Bevölkerung, die seit der durch das Jahrhundertbeben und dem anschließenden Tsunami am 11. März ausgelösten Atomkatastrophe in Fukushima der Kernkraft deutlich kritischer gegenübersteht.

Medienberichten zufolge könnte der von Kan am Freitag bekanntgegebene Abschaltbeschluss der lange ignorierten Anti-Atomkraftbewegung in Japan neuen Auftrieb geben. Allerdings musste sie auch gleich am Wochenende einen Rückschlag verkraften. Kan kündigte am Sonntag vor Reportern an, dass keine weiteren AKW geschlossen würden: „Das wird nicht der Fall sein.“

Entscheidung über Kraftwerk Hamaoka

Medienberichten zufolge entscheidet das Direktorium des AKW-Betreibers Electric Power am Montag über die Aufforderung, Hamaoka zu schließen. Ein für Samstag angekündigter Beschluss über ein vorübergehendes Runterfahren des Meilers wurde verschoben. Kan kann das Unternehmen nicht zwingen, seiner Aufforderung nachzukommen. Im Direktorium von Chubu sitzen auch Vertreter von Toyota.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Revision

08.05.2011, 18:29 Uhr

die Japaner handeln bischen ueberlegter als die Deutschen. Die Kurzschlusshandlungen von der deutschen Bevoelkerung und Politik spiegelt die Engstirnigkeit der Gesellschaft wieder.

Account gelöscht!

08.05.2011, 20:47 Uhr

Eine Erkenntnis die uns verblüfft !
Wer hat etwas anderes erwartet? Natürlich halten sie an der Kernenergie fest , das war von vornherein klar !
Die Japaner sind andere Katastrophen gewöhnt , bei Erdbeben oder Überschwemmungen kommen wesentlich mehr Menschen ums Leben als die die in folge der Strahlenkrankheit sterben .Und das Japan Erfahrung im Umgang mit Nuklearquellen hat sehen wir an der Stadtentwicklung von Hiroschima und Nagasaki .
Deutsche Hysteriker wären in Japan behandlungsbedürftig !!!

Malocher

08.05.2011, 22:12 Uhr

Eine ökonomisch UND ökologisch vernünftige Entscheidung.
Wenn die Japaner jetzt auch noch modernere und sichere Atomkraftwerke bauen, werden sie die aktuelle Krise gut überstehen. Vielleicht gelingt es ihnen ja ein paar fähige deutsche Energietechniker mit Spezialwissen im Bereich Kernkraft anzuwerben. In Deutschland glaubt man ja auf diese Ingenieure verzichten zu können.

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