Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.12.2012

08:44 Uhr

Trotz Fukushima

Japans neuer Premier will wieder AKW bauen lassen

Trotz der Atomkatastrophe im vergangenen Jahr setzt der neue japanische Ministerpräsident Ahinzo Abe wieder auf Kernkraft. Er verweist auf die Zustimmung im Volk und predigt: Die neuen Reaktoren seien komplett anders.

Premier Abe beim Besuch des Notfalloperationszentrums im inneren des Fukushima-Meilers. AFP

Premier Abe beim Besuch des Notfalloperationszentrums im inneren des Fukushima-Meilers.

TokioTrotz der Atomkatastrophe von Fukushima im vergangenen Jahr will der neue japanische Ministerpräsident Shinzo Abe wieder Kernkraftwerksneubauten zulassen. Diese neuen Reaktoren würden sich komplett von denen im Unglückswerk Fukushima Daiichi unterscheiden, sagte er am Montag bei einem Besuch der Anlage. „Wir werden sie mit der Zustimmung, die wir vom japanischen Volk erhalten haben, bauen.“

Abes liberaldemokratische Partei (LDP) hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, mit der Atompolitik der Vorgängerregierung zu brechen, die das Land nach der Fukushima-Katastrophe unabhängiger vom Atomstrom machen wollte. Er vertrat dabei die Ansicht, Japan könne sich aus wirtschaftlichen Gründen den Ausstieg aus der Atomkraft nicht leisten. Es war jedoch das erste Mal seit seinem offiziellen Amtsantritt am Mittwoch, dass er sich klar für den Bau neuer Atomreaktoren aussprach.

„Fukushima Daiichi war nicht in der Lage, die Energiequelle zu sichern, nachdem der Tsunami die Gegend getroffen hatte, aber das Atomkraftwerk Fukushima Daini war dazu in der Lage“, sagte Abe mit Bezug auf das zehn Kilometer südlich vom Unglücksreaktor gelegene Kernkraftwerk. „Solch einen Unterschied sollten wir berücksichtigen.“

Durch das verheerende Erdbeben und den anschließenden Tsunami war das Atomkraftwerk Fukushima im Nordosten Japans im März 2011 schwer beschädigt worden. Die Naturkatastrophe führte zur Kernschmelze in der Atomanlage in Fukushima, der folgenschwersten Atomkatastrophe seit dem Unglück von Tschernobyl 1986. Die Mitte-links-Regierung von Abes Vorgänger Yoshihiko Noda hatte sich langfristig für einen Verzicht auf die Atomkraft ausgesprochen.

Die LDP hatte die Wahlen nach drei Jahren in der Opposition Mitte des Monat deutlich gewonnen. Am vergangenen Mittwoch wählte das Parlament Abe erneut zum Regierungschef. Der Rechtskonservative war bereits von 2006 bis 2007 japanischer Premier.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

vandale

31.12.2012, 09:40 Uhr

Ich hasse die unehrliche Kommuniation

Die aktuell im Bau befindlichen (Siedewasser) Kernkraftwerke unterscheiden sich grundsätzlich nicht wesentlich von den Kernreaktoren die in Fukushima verunfallt sind. Die Sicherheitstechnik ist komplexer geworden und die Reaktoren damit teurer geworden.

Die Masse der Mitmenschen ist für komplexe technische Erklärungen und Risikoabwägungen offensichtlich nicht zugänglich. Deshalb hatte man vor den Reaktorunfällen offensichtlich sehr intensiv kommuniziert, dass ein Reaktorunfall in Japan nicht stattfinden könne. Es gab in den Kraftwerken keinen ausreichenden Notfalldrill. Dies war ein wesentlicher Grund, dass es zu den Kernschmelzen kam. Das führte zu dem Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit mit den enormen Panikschäden wie der sinnlosen andauernden Evakuierung und dem Abtragen von Böden in einer Region die durch die Reaktorunfälle so sehr radioaktiv kontaminiert ist wie es der Südschwarzwald seit geologischen Zeiten ist.

Die jetzige Kommunikation ist genauso wenig hilfreich. Es werden Illusionen geweckt. Aber vermutlich lassen sich Risikoabwägungen und technische Details nicht kommunizieren.

Vandale

PS: Der Bau eines neuen Kernkraftwerks ging während der Unfälle und bis heute weiter. Lediglich der Bau von 2 kurz vor der Genehmigung stehenden Kernkraftwerke wurde mit den Unfällen gestoppt.

vandale

31.12.2012, 10:52 Uhr

Grundsätzlich ist die Entscheidung natürlich begrüssenswert. Gut 2 Jahre nach Unfällen die einen enormen Vertrauens/Gesichtsverlust bedeuteten, allerdings ausser einem gewltigem Panikschaden, fast keinen realen Schaden verursacht haben, kehrt man zur Vernunft zurück.

Vandale

tomtom

31.12.2012, 10:59 Uhr

"Es gab in den Kraftwerken keinen ausreichenden Notfalldrill. Dies war ein wesentlicher Grund, dass es zu den Kernschmelzen kam."
Das ist doch Unsinn. Hauptgrund war die falsche Auslegung der Anlage. Es bestand nur ein Hochwasserschutz für Flutwellen bis 10 m höher, dummerweise treten in Japan im Schnitt alle 30 Jahre höhere Flutwellen auf. Des Weiteren wurden die Notstromaggregate im Untergeschoss des Turbinengebäudes angeordnet und dann natürlich überspült. Mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen wäre es niemals zu einer Kernschmelze gekommen. Daher ist es für mich nicht nachvollziehbar, wieso man das Personal auf einmal als Hauptgrund nennen kann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×