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10.02.2012

03:54 Uhr

Trotz Gegenstimme

USA winken neue Atomreaktoren durch

Die Nuklearkatastrophe in Japan stellte die Atomkraft-Renaissance in den USA nur kurz infrage. Jetzt hat die US-Regierung erstmals seit 30 Jahren den Bau neuer Atomreaktoren genehmigt - im Namen der sauberen Energie.

Kühltürme eines Atomkraftwerks im US-Bundesstaat Illinois. dapd

Kühltürme eines Atomkraftwerks im US-Bundesstaat Illinois.

WashingtonDie US-Regierung hat erstmals seit mehr als 30 Jahren den Bau neuer Atomreaktoren genehmigt. Das Unternehmen Southern Company erhalte Lizenzen, sein bestehendes Kernkraftwerk Vogtle im US-Bundesstaat Georgia zu erweitern, teilte die Regulierungsbehörde NRC am Donnerstag in Washington mit.

Es ist die erste derartige Genehmigung seit dem schweren Atomunglück 1979 im Atommeiler Three Mile Island bei Harrisburg (Pennsylvania). Dort waren bei einer teilweisen Kernschmelze große Mengen radioaktiver Strahlung ausgetreten. Southern Company bezeichnete die Lizenzvergabe in einer Mitteilung als „monumentale Leistung“.

Es handele sich um eine 14 Milliarden Dollar (10,5 Milliarden Euro) große Investition, die letztlich bis zu 25 000 neue Arbeitsplätze schaffe. Die Reaktoren sollen 2016 und 2017 ans Netz gehen. Das Unternehmen hatte von der Regierung Garantien für Kredite über acht Milliarden Dollar erhalten.

Das fünfköpfige Kontrollgremium der NRC ließ die Erlaubnis in einem Mehrheitsentscheid mit einer Gegenstimme passieren. Der Vorsitzende Gregory Jaczko habe deutliche Sicherheitsbedenken vorgebracht, berichtete die Fachagentur Bloomberg: „Ich kann die Vergabe dieser Genehmigung nicht unterstützen, als sei Fukushima niemals passiert“, sagte er.

Er fordere die verbindliche Zusage des Unternehmens, die neuen Anlagen nach scharfen Sicherheitsstandards zu betreiben, an denen die Behörde seit dem GAU im japanischen Fukushima arbeitet. Der NRC liegen derzeit insgesamt rund 20 Anträge für den Bau neuer Reaktoren vor.

US-Präsident Barack Obama ist ein Verfechter der Kernkraft. Der Ausbau des Netzes von mehr als 100 alten und alternden Reaktoren, die in den USA rund ein Fünftel der Elektrizität produzieren, gehört zu den Säulen seiner Energiepolitik. Obama sieht in der Kernkraft eine von mehreren Alternativen zu fossilen Brennstoffen. In einer Grundsatzrede hatte sich der US-Präsident nach Fukushima eindeutig zum Bau neuer Kraftwerke bekannt.

Um die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern, hat die Regierung Kreditgarantien in Milliardenhöhe für den Ausbau der Kernkraft zugesagt. Washington betrachtet Atomkraftwerke auch als Möglichkeit, den Ausstoß von Treibhausgasen zu drosseln. Nach Angaben der NRC sind in den USA derzeit mehr als 100 Reaktoren in über 60 Atomkraftwerken am Netz.

Kommentare (33)

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bjarki

09.02.2012, 20:53 Uhr

An solchen Tagen bin ich froh in einem Land arbeiten zu dürfen, in der die Beliebigkeit des Denkens bislang noch nicht angekommen ist. Atomkraft ohne Menschenketten ist ein geradezu anachronistisches Erlebnis für einen Ex Deutschen.

Merkels_Tsunami

09.02.2012, 21:22 Uhr

@bjarki
Sie sind zu beneiden. Aber wir müssen uns hier in Deutschland auf einen bevorstehenden Tsunami vorbereiten. Da bleibt nunmal kein Platz für AKWs. Wir Deutschen zahlen auch gerne für unsere Blödheit. Da darf die Stromrechnung ruhig ein bisschen höher ausfallen. Und eine Frau Merkel halten wir für eine seriöse Politikerin, der wir ein Super-Euro-Krisen-Bewältigungsmanagement verdanken. Manchmal komme ich mir hier so allein unter Irren vor. Ich hoffe, dass bei uns der Strompreis mindestens noch 10mal so teuer wird, wie jetzt. Dann kann ich mir den Strom immernoch leisten, aber vielleicht wird der Pöbel dann endlich mal wach, wenn er seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann und im Dunkeln sitzen muss. Wir müssen doch in allem Vorbild sein. Das ist nach dem WW2 unsere ewige Bürde. Kein Ausweg in Sicht. Merkel geht nächstes Jahr in die dritte Amtsperiode. Bjarki, bitte töten sie mich.

vandale

09.02.2012, 23:14 Uhr

Für die neuen umweltfreundlichen Kernkraftwerke gab es bereits eine Early Site Permit. Reaktorbehälter, Dampferzeuger wurden bereits bestellt, Zufahrtsstrassen gebaut. Insofern ist die jetzt erteilte Bau- und Betriebsgenehmigung nicht erstaunlich.

Im Gegensatz zu den Deutschen Medien die aus einer Flutkatastrophe mit 20000 Toten die langersehnte ökoreligiöse Atomkatastrophe, 5 Todesfälle durch Ertrinken, Erschlagen durch einen abgestürzten Aufzug während des Bebens und Ueberarbeitung, gemacht haben, haben viele Angelsächsische Medien realistisch berichtet.

Ein Britischer Politiker sagte hierzu, dass Ihn die sehr geringen Folgen der Reaktorunfälle in Fukushima, davon überzeugt haben, dass die Kernenergie die sicherste Technik zur Energieerzeugung ist.

Vandale

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