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19.10.2015

21:46 Uhr

Trotz Gewaltwelle

Israel baut vorerst keine Mauer in Ost-Jerusalem

Betonblöcke wurden errichtet. Eine ganze Mauer sollte her - im arabischen Ostteil Jerusalems. Doch Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat nach Kritik rechtsorientierter Minister das Projekt vorerst eingefroren.

Ein Israeli inspiziert einen palästinischen Mann: Nach den jüngsten Zwischenfällen, bei denen viele Palästinenser und Israelis starben, haben israelische Polizisten Betonblöcke am Rande eines arabischen Viertels aufgestellt. AFP

huGO-BildID: 50337891 TOPSHOTSAn Israeli border guard inspects a Palestinian man at a newly erected checkpoint at the exit of the east Jerusalem nei

Ein Israeli inspiziert einen palästinischen Mann: Nach den jüngsten Zwischenfällen, bei denen viele Palästinenser und Israelis starben, haben israelische Polizisten Betonblöcke am Rande eines arabischen Viertels aufgestellt.

Jerusalem Nach scharfer Kritik rechtsorientierter Minister hat Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu einen Plan zum Bau einer Mauer im arabischen Ostteil Jerusalems wieder eingefroren. Israelische Medien berichteten am Montag, das Projekt solle wohl zunächst nicht fortgesetzt werden. Die Polizei hatte nach einer Welle blutiger palästinensischer Anschläge bereits damit begonnen, am Rande eines arabischen Viertels hohe Betonblöcke zu errichten.

In der Nacht zum Montag griff ein palästinensischer Attentäter den Busbahnhof in der südisraelischen Stadt Beerscheva an und richtete dort ein Blutbad an. Mit Schüssen aus einer Pistole tötete er einen 19 Jahre alten israelischen Soldaten, griff sich das Gewehr seines Opfers und schoss in dem Bahnhofsgebäude um sich. Elf Menschen wurden verletzt, unter ihnen vier Soldaten. Sicherheitskräfte erschossen schließlich den Attentäter.

Außerdem starb ein Afrikaner, den die Sicherheitskräfte irrtümlich für einen Terroristen hielten und mit mehreren Schüssen schwer verletzt hatten. Die Polizei fahndet inzwischen nach mehreren israelischen Passanten, die den verletzten Eritreer nach Augenzeugenberichten mit Tritten und Schlägen zu lynchen versuchten. Der Mann starb später an seinen Verletzungen.

Seit Monatsbeginn greifen Palästinenser verstärkt Israelis mit Schuss- und Stichwaffen an - vor allem, aber nicht nur in Jerusalem. Bei der Gewaltserie starben acht Israelis, ein Afrikaner und 44 Palästinenser. Mehr als die Hälfte der Palästinenser waren Angreifer, die bei ihrem Terrorakt erschossen wurden. Die anderen kamen bei Zusammenstößen mit dem israelischen Militär ums Leben.

Als ein Auslöser der Gewaltwelle gelten Streitigkeiten um den Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) in der Jerusalemer Altstadt, die Israel 1967 erobert und später annektiert hatte. Die Stätte ist Juden wie Muslimen heilig. Der Konflikt dreht sich um die Besuchs- und Gebetsrechte auf dem Plateau des Tempelbergs, wo einst der von den Römern zerstörte zweite jüdische Tempel stand und wo sich heute die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom befinden.

Ein großer Teil der Attentäter stammt aus Ost-Jerusalem. Die Polizei hatte am Sonntag am Rande des Viertels Dschabel Mukaber bereits hohe Betonblöcke errichtet. Damit sollte auch verhindert werden, dass Palästinenser Brandsätze und Steine auf die nahe gelegene jüdische Siedlung Armon Hanaziv werfen. Der israelische Rundfunk berichtete zudem, das arabische Viertel Issawijeh solle von einer Mauer umgeben werden.

Rechtsorientierte Minister hatten dies jedoch scharf als Fehler kritisiert, weil es als Beginn einer Teilung Jerusalems ausgelegt werden könnte. Israel beansprucht die ganze Stadt einschließlich des 1967 eroberten Ostteils als seine Hauptstadt. Die Palästinenser sehen hingegen in Ost-Jerusalem die Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates.

Von

dpa

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