Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.03.2014

06:59 Uhr

Trotz internationaler Kritik

Nordkorea zündet Mittelstreckenraketen

In Den Haag haben sich US-Präsident Obama, Südkoreas Präsidentin Park und Japans Regierungschef Abe gegen Nordkoreas Atomprogramm ausgesprochen. Doch Kim Jong Un lässt demonstrativ zwei Mittelstreckenraketen starten.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un provoziert mit neuerlichen Raketenstarts. dpa

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un provoziert mit neuerlichen Raketenstarts.

SeoulUnmittelbar nach einem Treffen des US-Präsidenten mit der südkoreanischen Staatschefin und dem japanischen Ministerpräsidenten hat Nordkorea zwei Mittelstreckenraketen in Richtung offenes Meer abgefeuert. Die zwei Raketen seien am frühen Mittwochmorgen nördlich von Pjöngjang gestartet worden und rund 650 Kilometer weit geflogen, bevor sie ins Japanische Meer gestürzt seien, teilte ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums in Seoul mit. Der Start von ballistischen Raketen sei ein Verstoß von Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Pjöngjang hatte zuletzt eine Reihe von Raketentests durchgeführt.

Die USA forderten von Pjöngjang Zurückhaltung vor „weiteren drohenden Aktionen“. Nordkorea habe vor dem Abschuss keine der üblichen maritimen Vorwarnungen gegeben, sagte die stellvertretende Außenamtssprecherin Marie Harf in Washington. Die US-Regierung nehme die „provokative Eskalation“ ernst und werde mit ihren Verbündeten sowie im Weltsicherheitsrat „entsprechende Maßnahmen“ koordinieren, um auf diese Bedrohung der globalen Sicherheit durch Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm zu antworten.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Nordkorea verschoss die Raketen zu einem Zeitpunkt, da sich US-Präsident Barack Obama mit der südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye und dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe zu einem Dreier-Gespräch in Den Haag traf. Obama, Abe und Park sprachen sich bei der Begegnung geschlossen gegen das umstrittene Atomprogramm Nordkoreas aus. Dieses sei „eine große Bedrohung für den Frieden und die Stabilität in der Region, und es ist wichtig, dass die internationale Gemeinschaft mit Korea, den USA und Japan eine gemeinsame Antwort findet“, sagte Park.

Die Rodong (auch Nodong) genannte Rakete ist die nordkoreanische Variante der früheren sowjetischen Scud-Rakete. Sie hat eine Reichweite von bis zu 1300 Kilometern und könnte damit Japan erreichen, sagte der Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums. Nordkorea hat seit Beginn des jährlichen Militärmanövers Südkoreas und der USA im Februar bereits rund 70 Kurzstreckenraketen getestet. Angesichts der Kritik an den Tests erklärte Nordkorea, es handele sich um „gewöhnliche militärische Praxis“.

Die groß angelegte Militärübung soll noch bis Mitte April dauern, tausende Soldaten beider Länder sind daran beteiligt. Seoul und Washington betonen, die Manöver hätten reinen Verteidigungscharakter. Im vergangenen Jahr hatte die nordkoreanische Führung aus Ärger über das Manöver mit einem Atomangriff gedroht. Die jetzigen Raketentests fielen auch zusammen mit dem vierten Jahrestag des Untergangs einer südkoreanischen Korvette, die laut Seoul vom Norden torpediert wurde.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×