Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.04.2013

17:28 Uhr

Trotz lockerer Geldpolitik

IWF sieht keine hohe Inflationsgefahr

Die Preisentwicklung sei robuster als früher, so der IWF in seinem Weltwirtschaftsausblick. Grund für größere Inflationsängste gebe es keine. Selbst eine zeitweise „Überstimulierung“ hätte nur begrenzte Folgen.

Das Logo des Internationale Währungsfonds an dessen Hauptsitz in Washington. dpa

Das Logo des Internationale Währungsfonds an dessen Hauptsitz in Washington.

Washington/BerlinDer IWF sieht trotz der lockeren Geldpolitik rund um den Globus keinen Grund für größere Inflationsängste. "Unsere Analysen legen den Schluss nahe, dass eine fortgesetzte geldpolitische Unterstützung der Konjunktur wahrscheinlich keine signifikanten inflationären Folgen haben wird", heißt es in Auszügen aus dem Weltwirtschaftsausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF), die am Dienstag veröffentlicht wurden. Entscheidend sei, dass die Inflationserwartungen weiter solide verankert blieben.

Eine Schlüsselbedeutung habe die Wahrung der Unabhängigkeit der Notenbanken, mahnten die IWF-Experten. Zugleich müsse es aber Aufgabe der Entscheidungsträger sein, aufmerksam auf mögliche Ungleichgewichte zu achten, die sich nicht in der Entwicklung der Verbraucherpreise widerspiegelten.

Die Finanzausstattung des IWF

Wie finanziert sich der IWF?

Wichtigste Quelle sind die Kapitalanteile (Quoten) der 188 IWF-Staaten. Die machen etwa 366 Milliarden Dollar aus. Schon vor drei Jahren - auf dem Höhepunkt der Finanzkrise - beschlossen die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), den IWF aufzuwerten und seine Mittel anzuheben. Die Kasse für Notkredite, also frei verfügbare Finanzmittel, sollte mittelfristig auf 750 Milliarden Dollar verdreifacht werden. Zudem wurde beschlossen, „Sonderziehungsrechte“ - eine Art Kunst-Reservewährung des IWF - um 250 Milliarden Dollar aufzustocken, um Liquiditätsengpässen von Ländern entgegenzuwirken. Bisher sind gut 550 Milliarden Dollar zusammengekommen durch bilaterale Kreditlinien von 38 Mitgliedern.

Warum braucht der IWF mehr Geld?

Der Weltwährungsfonds will mehr „Feuerkraft“ für den Fall, dass sich die europäische Schuldenmisere auf andere Länder ausbreitet. Der IWF hat zwar derzeit rund 380 Milliarden Dollar für neue Kredite in der Kriegskasse, doch das sei zu knapp für globale Notfälle, meint IWF-Chefin Christine Lagarde. „Der Fonds muss in der Lage sein, die Bedürfnisse aller zu erfüllen, die von der Krise betroffen sind.“ Schließlich sei die Weltwirtschaft „fragil“.

Um wieviel Geld geht es?

Im Januar wollte Lagarde bis zu 600 Milliarden Dollar zusätzlich, um andere Länder weltweit effektiv vor einer Ansteckung schützen zu können. Inzwischen spricht sie „nur“ noch von gut 400 Milliarden Dollar, weil mittlerweile einige Schreckensszenarien gebannt worden seien. Damit würde sich die Vergabekapazität für neue Kredite auf mehr als 750 Milliarden Dollar verdoppeln und die gesamte Feuerkraft auf mehr als eine Billion Dollar steigen.

Wieviel Geld wurde bereits zugesagt?

Bis Beginn der Frühjahrstagung am Freitag erhielt der IWF nach eigener Zählung rund 320 Milliarden Dollar an Zusagen. Aus Europa sollen insgesamt bis zu 200 Milliarden Euro kommen. Schon sicher sind 150 Milliarden der Euro-Länder. Davon kämen bis zu 41,5 Milliarden über die Bundesbank aus Deutschland.

An welche Bedingungen sind die Gelder aus Deutschland geknüpft?

Die Bundesbank möchte dafü - in diesem speziellen Fall - die Zustimmung des Bundestages. Hintergrund sind die damit verbundenen Risiken für die Steuerzahler. Wird die Mittelaufstockung beschlossen, soll zeitnah der Haushaltsausschuss informiert und Rückendeckung des Parlaments eingeholt werden. Eine Abstimmung des Bundestages lehnen Union und FDP ab, da die Bundesbank unabhängig sei. Die Notenbanker erwarten ferner, dass auch Nicht-Euro-Länder signifikant mitziehen.

Warum wollen einige Länder keine Kreditzusagen geben?

Ausgerechnet die USA als der mit Abstand größte Anteilseigner stellen sich quer. Der IWF verfüge bereits über „sehr angemessene Kernressourcen“, meint das US-Finanzministerium. Vor den Wahlen im November sieht die amerikanische Regierung ohnehin keinen Weg, mehr Geld für den Rest der Welt locker zu machen. Hinzu kommt, dass aufstrebende Topmächte wie Brasilien mit weiteren Mitteln für den IWF auch ihren Einfluss bei der globalen Finanzfeuerwehr erhöhen wollen. Die Quotenreform, die die Verhältnisse zwischen alten und neuen Mächten neu regeln soll, scheint sich aber zu verzögern.

Was verbirgt sich hinter der „Quotenreform“?

Mit der 2010 beschlossenen Neuordnung, die bis Oktober umgesetzt sein soll, erhalten Länder wie China, Brasilien oder Indien mehr Einfluss, Industrieländer geben dagegen Macht ab. China - zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt hinter den USA und vor Japan - verdrängt Deutschland von Platz drei der Anteilseigner. Grundsätzlich soll sich in der Neuverteilung der Stimmrechte und Anteile der 188 IWF-Mitgliedstaaten das gewachsene Gewicht der boomenden Schwellenländer auch beim Währungsfonds widerspiegeln.

Wie sähe eine Neuordnung der Quoten aus?

Die Anteilsquoten bestimmen das Stimmgewicht einzelner Länder und ihren Kapitalbeitrag. Die USA kämen mit der Quotenreform auf einen Stimmanteil von 16,5 Prozent, Deutschland von 5,3 und China von 6,07. Insgesamt sollen die Anteilsquoten bis 2012 verdoppelt werden. Bis Anfang 2013 soll zudem eine neue Quotenformel gefunden werden, um Entwicklungs- und Schwellenländern noch mehr Einfluss zu geben. Im Exekutivdirektorium, dem Top-Beschlussorgan, geben zwei europäische Staaten ihren Sitz zugunsten aufstrebender Mächte ab.

Insgesamt habe sich die Preisentwicklung in den vergangenen Jahren bemerkenswert stabil gezeigt. So sei es bei der großen Wirtschaftskrise in den Jahren 2008/2009 trotz hoher Arbeitslosigkeit nicht zu größeren Rückgängen bei der Teuerungsrate gekommen.

Für diese Entwicklung gebe es im wesentlichen zwei Interpretationen. Die eine laute, dass ein Großteil des Arbeitslosigkeit struktureller Natur sei und daher wenig auf die Löhne und Preise durchschlage. Die andere laute, dass der Charakter der Inflation sich geändert habe. Inzwischen sei die Preisentwicklung robuster. Diese Interpretation hält auch der IWF für schlüssig: Die Inflation reagiere viel weniger als früher auf Schwankungen in der Wirtschaftsentwicklung.

Zudem seien die Inflationserwartungen stärker verankert. Daraus folgert der Fonds: Solange die Inflationserwartungen eine feste Grundlage in der ökonomischen Realität haben, bestehe kein Grund für die Notenbanken, von einer das Wachstum unterstützenden Geldpolitik abzurücken. Selbst eine zeitweise "Überstimulierung" der Wirtschaft hätte nur begrenzte Teuerungsfolgen.

Dennoch dürfe man sich nicht selbstzufrieden zurücklehnen angesichts moderater Teuerungsraten. Zudem könnten politischer Druck und mangelnde Notenbank-Unabhängigkeit ein Risiko für Preisstabilität bedeuten. Die japanische Notenbank war jüngst im Kampf gegen die Wirtschaftskrise geldpolitisch in die Vollen gegangen.

Die Regierung des neuen Ministerpräsidenten Shinzo Abe hatte zuvor den Druck auf die Zentralbank immer weiter erhöht und eine stärkere geldpolitische Lockerung gefordert. Die Zentralbank in Tokio hat erst seit 1998 den Status der Unabhängigkeit, der in der Euro-Zone und den USA für die EZB und die Fed als selbstverständlich gilt.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Euro-Payer

09.04.2013, 19:50 Uhr

Der Ärztebund: Saufen gefährdet keineswegs Ihre Leber!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×