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22.10.2014

13:44 Uhr

Trotz Luftschlägen

PKK-Chef hält an Friedensprozess fest

Die türkische Armee hat erstmals seit 2013 Luftangriffe auf PKK-Stellungen geflogen. Der Chef der kurdischen Arbeiterpartei will dennoch an dem Friedensprozess festhalten. Er stellt allerdings eine Forderung.

Kurdische Protestanten demonstrieren zur Unterstützung Kobanes. Die Flagge rechts zeigt ein Bild von Abdullah Öcalan, Chef der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Reuters

Kurdische Protestanten demonstrieren zur Unterstützung Kobanes. Die Flagge rechts zeigt ein Bild von Abdullah Öcalan, Chef der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Istanbul Trotz Rückschlägen im Friedensprozess mit der Türkei hält der Chef der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, am Dialog mit der Regierung in Ankara fest. Öcalan forderte von der Regierung aber eine größere Entschlossenheit dazu, mutige politische Schritte zu gehen, wie aus einer von der pro-kurdischen Partei HDP am Dienstagabend veröffentlichten Erklärung hervorgeht. Eine HDP-Delegation hatte den inhaftierten PKK-Chef am Dienstag auf der Gefängnisinsel Imrali besucht.

Öcalan mahnte, es sei „eine historische Verantwortung“, schnell Resultate zu erzielen. Der PKK-Chef hatte zuvor vor einem Ende des Friedensprozesses gewarnt, sollte die Terrororganisation IS an den Kurden im nordsyrischen Kobane ein Massaker verüben. Kurdische Gruppen warfen der Türkei vor, dem drohenden Fall Kobanes tatenlos zuzusehen.

Nach Angaben von Menschenrechtlern kamen in der Türkei bei Zusammenstößen während Demonstrationen zur Unterstützung Kobanes in der vorvergangenen Woche mehr als 40 Menschen ums Leben.

Vom ersten Anschlag bis zum Aufruf zur Waffenruhe

27. November 1978:

Öcalan gründet mit einigen dutzend Gleichgesinnten die marxistische PKK.

12. September 1980:

Die türkischen Militärs putschen sich an die Macht und verstärken in den Folgejahren erheblich die Repression gegen die Kurden. Öcalan verlässt die Türkei ein Jahr nach dem Staatsstreich.

15. August 1984:

Die PKK beginnt mit zwei Anschlägen im türkischen Südosten ihren bewaffneten Kampf. Das ursprüngliche Ziel der Errichtung eines eigenen Kurdenstaates wird im Laufe der Jahre aufgegeben.

19. Juli 1987:

Das türkische Parlament verhängt wegen des PKK-Aufstands das Kriegsrecht über Teile Südostanatoliens. In einigen Gebieten bleibt der Ausnahmezustand bis zum 30. November 2002 in Kraft.

24. Mai 1993:

Die PKK tötet 33 unbewaffnete türkische Soldaten in einem der folgenschwersten Einzelanschläge der Rebellen.

9. Oktober 1998:

Öcalan muss sein Versteck in Syrien verlassen, nachdem die Türkei dem Nachbarstaat mit Krieg gedroht hatte.

15. Februar 1999:

Öcalan wird von türkischen Agenten in der kenianischen Hauptstadt Nairobi gefasst und auf die türkische Gefängnisinsel Imrali gebracht.

29. Juni 1999:

Nach einem Hochverratsprozess auf Imrali wird Öcalan zum Tode verurteilt. Die Strafe wird nach Abschaffung der Todesstrafe in der Türkei 2002 in lebenslange Haft umgewandelt.

1. September 1999:

Die PKK ruft eine Waffenruhe aus, die mit Unterbrechungen bis 2005 hält.

5. April 2004:

Die EU stuft die PKK offiziell als Terrororganisation ein.

13. August 2005:

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan räumt als erster türkischer Regierungschef die Existenz eines "Kurdenproblems" ein.

4. Oktober 2006:

15 türkische Soldaten und 23 PKK-Kämpfer sterben bei einem PKK-Angriff auf einen Militärposten im türkischen Grenzgebiet zu Irak und Iran.

26. September 2011:

Erdogan informiert die Öffentlichkeit über gescheiterte Geheimverhandlungen mit der PKK in der norwegischen Hauptstadt Oslo.

28. Dezember 2012:

Erdogan gibt den Beginn neuer Friedensverhandlungen zwischen dem türkischen Geheimdienst MIT und Öcalan auf Imrali bekannt.

3. Januar 2013:

Erste ranghohe Kurdendelegation besucht Öcalan auf Imrali.

23. Februar 2013:

Zweite Kurdendelegation bei Öcalan. Der PKK-Führer stellt die Freilassung von Gefangenen in Aussicht, die von seiner Organisation festgehalten werden.

24. Februar:

Die Zeitung "Radikal" berichtet, dass Öcalan die PKK zu einem Waffenstillstand aufrufen will und nennt als mögliches Datum das kurdische Neujahrsfest Newroz.

21. März:

Öcalan lässt zum Newroz-Fest seinen vor Kurdenvertretern in Diyarbakir seinen Aufruf zum Waffenstillstand verlesen.

Vergangene Woche hatte die Armee erstmals seit mehr als eineinhalb Jahren Luftangriffe auf PKK-Stellungen in der Türkei geflogen. Die PKK hatte im März vergangenen Jahres eine Waffenruhe ausgerufen.

Von

dpa

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