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16.10.2013

17:45 Uhr

Trotz niedrigen Wachstums

Chinas Reiche werden immer reicher

Die Kluft zwischen den superreichen und den superarmen Chinesen wächst weiter, wie das Magazin „Forbes“ berichtet. Mittlerweile gebe es bereits 168 Dollarmilliardäre im Land - ein neuer Rekord.

Eine Mercedes-Benz Niederlassung in Kanton, Guangzhou: Immer mehr Superreiche können sich teure Autos kaufen. dpa

Eine Mercedes-Benz Niederlassung in Kanton, Guangzhou: Immer mehr Superreiche können sich teure Autos kaufen.

SchanghaiDie Reichen in China werden trotz abflauenden Wirtschaftswachstums immer reicher. Die 400 Superreichen der Volksrepublik mehrten ihr Vermögen im vergangenen Jahr um durchschnittlich je 400 Millionen Dollar (296 Millionen Euro), wie das Magazin „Forbes“ berichtete. Die Kluft zu den Millionen Chinesen, die noch immer in Armut leben, wachse.

Das Aktienvermögen der hundert reichsten Chinesen sei in den vergangenen zwölf Monaten um 44 Prozent gewachsen, berichtete "Forbes". Mittlerweile gebe es bereits 168 Dollarmilliardäre im Land - ein neuer Rekord.

Gleichzeitig schwächte sich das Wachstum ab. In einigen Branchen - Internet, Automobilindustrie, Unterhaltung oder Immobilien - aber sei die Entwicklung robust geblieben, erklärte "Forbes".

Knackpunkte der deutsch-chinesischen Beziehungen

Blühender Handel

Das Handelsvolumen zwischen China und Deutschland stieg im Jahr 2012 auf 161 Milliarden Dollar - ein Drittel des gesamten Handelsumfangs von China mit der EU. Aus China kommen verschiedenste Waren - von Kleidung und Schuhen bis zu Elektronik- und Metallwaren - nach Deutschland. Deutsche Unternehmen verkaufen auf dem prosperierenden chinesischen Markt Maschinen, Hightech-Komponenten und Autos.

Raues Investitionsklima

Deutsche Investoren klagen über Bürokratie und behördliche Willkür in China. Sie fordern gleiche Wettbewerbsbedingungen und mehr Rechtssicherheit - vor allem auch beim Urheberrechtsschutz. In Deutschland sieht mancher Firmenübernahmen wie die des Baumaschinenherstellers Putzmeister durch den chinesischen Sanyi-Konzern skeptisch. Bis zum Jahr 2020 könnten sich chinesische Investitionen hierzulande einer aktuellen Studie zufolge auf rund zwei Milliarden Dollar jährlich verdreifachen. Bislang gibt es keinen Grund für Angst vor einer chinesischen Firmeninvasion: Deren Investitionen machen gerade einmal 0,2 Prozent der Auslandsinvestitionen in Deutschland aus

Sorge um den Euro

Bei der Überwindung der Eurokrise setzt China vor allem auf Deutschland. Chinas Exporte sind als Folge der Schuldenkrise stark zurückgegangen, zudem sorgt sich die Regierung um ihre Devisenreserven. Nach Schätzung von Experten soll etwa ein Viertel der Rekordsumme von 3,3 Billionen Dollar in Euro angelegt sein. Im Zuge des Schuldenschnitts für Griechenland mussten im Jahr 2012 auch chinesische Staatsfonds herbe Verluste hinnehmen.

Streit um billige Solaranlagen

Auch deutsche Unternehmen der Solarbranche gingen wegen Konkurrenz aus China pleite. Die EU-Kommission hat nun ein Anti-Dumping-Verfahren angestrengt - wenn bis zum 5. Juni kein Kompromiss gefunden ist, drohen chinesischen Billigherstellern milliardenschwere Strafzölle. China wirft der EU Protektionismus vor. Deutschland könnte in dem Streit eine Schlüsselrolle spielen, denn die Zölle sind hierzulande umstritten: Industrievertreter verweisen darauf, dass 70 Prozent der Wertschöpfung für die in China montierten Module in Deutschland entsteht und Strafzahlungen auch hiesige Firmen in Mitleidenschaft zögen.

Ungeliebte Menschenrechtsdebatte

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Menschenrechtsfragen regelmäßig an, nimmt jedoch seit dem Eklat um den Besuch des Dalai Lama im Kanzleramt im Jahr 2007 auch Rücksicht auf chinesische Befindlichkeiten. Der sachliche Verlauf des jüngsten deutsch-chinesischen Menschenrechtsdialogs könnte als Hinweis auf eine größere Offenheit der neuen Führung in Peking gewertet werden. Sie will die umstrittenen Arbeitslager reformieren, in denen Hunderttausende ohne Prozess einsitzen. Was das Schicksal einzelner Dissidenten angeht, bleibt China unnachgiebig und verweist gerne darauf, dass in seiner Tradition das kollektive vor dem individuellen Wohl steht - eine Auffassung, die angesichts des teils brutalen Drucks auf Oppositionelle hierzulande auf wenig Verständnis stößt.

Schwieriger Kulturaustausch

Die chinesische Seite beklagt eine klischeehafte Darstellung ihres Landes in der deutschen Öffentlichkeit. Mehr Chinesischunterricht und mehr Jobs für China-Experten in Behörden forderte jüngst die Grünen-Abgeordnete Viola von Cramon mit Blick auf Politiker, die ohne Landeskenntnisse in Treffen mit bestens vorbereiteten chinesischen Kollegen gingen. Der Kulturaustausch entwickelte sich stark, wenn auch nicht gleichmäßig in beide Richtungen. So studierten zuletzt etwa 25.000 Chinesen hierzulande, umgekehrt zog es nur 6200 junge Deutsche in die Volksrepublik.

Reichster Mann Chinas ist dem Magazin zufolge der Chef der Firmengruppe Wanda, die etwa in der Immobilien- und der Finanzbranche Geschäfte macht. Wang Jianlin habe ein persönliches Vermögen von 14,1 Milliarden Dollar, schätzt „Forbes“. Wegen explodierender Immobilienpreise und dank seines Einstiegs beim US-Unterhaltungskonzern AMC Entertainment habe sich sein Vermögen binnen eines Jahres um über sechs Milliarden Dollar gemehrt.

Wang überholte so Zhang Qinghou, Chef des Getränkemultis Wahaha. Mit einem geschätzten Vermögen von 11,2 Milliarden Dollar rutschte er auf den zweiten Platz ab. Nummer drei auf der „Forbes“-Liste ist Robin Li, Gründer des Internetkonzerns Baidu. Unter den reichsten zehn Chinesen sind zwei weitere Internetmilliardäre: Ma Huateng, Besitzer des Messenger-Dienstes WeChat, und Jack Ma, Chef des Internet-Kaufhauses Alibaba. Der Chef des Energiekonzerns Hanergy, Li Hejun, überraschte „Forbes“ mit seinem Aufstieg auf den vierten Platz der Reichenliste.

Von

afp

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

17.10.2013, 08:57 Uhr

Was überall entsteht ist eine durch Geld anonymisierte Diktatur.

Diese Spaltung der Gesellschaft in 0,1% Superreich und 99,9% arm bis moderat vermögend wird immer bedrohlicher und immer perverser.

"Es tobt der Krieg arm gegen reich - und wir werden ihn gewinnen"

Warren Buffet

http://www.youtube.com/watch?v=NiLTgG8OgzU

P.S. Mit "reich" sind nicht die vielen Millionärchen gemeint,die sich hier immer gerne angesprochen fühlen. Diese werden vielmehr früher oder später ebenfalls von den 0,1% ausgesaugt werden. Das Geld wird sich immer mehr konzentrieren.

Und wo ist das Geld?

Hier:

http://www.youtube.com/watch?v=El9CXCz6NaM




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