Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.04.2014

13:24 Uhr

Trotz Rückkehr zum Kapitalmarkt

Keine Hoffnung für Griechenland

VonDietmar Neuerer

Griechenland sammelt erstmals seit vier Jahren wieder Milliarden am Kapitalmarkt ein. Die internationalen Partner sprechen vom Wendepunkt. Dabei gibt es laut einer Studie keinerlei Anlass für Optimismus.

Akropolis in Athen: Griechenland versinkt immer tiefer im Schuldensumpf - da hilft auch die Rückkehr an den Kapitalmarkt nichts. ap

Akropolis in Athen: Griechenland versinkt immer tiefer im Schuldensumpf - da hilft auch die Rückkehr an den Kapitalmarkt nichts.

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem „Aufbruchsignal“, der Chef der EU-Taskforce für Griechenland, Horst Reichenbach, von einem „potenziellen Wendepunkt“. Doch die vielen positiven Reaktionen auf die Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt könnten sich als großer Trugschluss erweisen. Darauf deutet eine Studie des Centrums für Europäische Politik (CEP) in Freiburg hin. Die Forscher haben ihre Februar-Untersuchung zur Kreditfähigkeit des krisengeschüttelten Mittelmeerlandes nach der Platzierung der Griechenland-Anleihe aktualisiert – und kommen zu ernüchternden Ergebnissen.

Die Forscher machen keinen Hehl daraus, dass sie die Anleiheemission von rund drei Milliarden Euro als große Mogelpackung sehen. „Zurückzuführen ist die Platzierung nicht auf erfolgreiche Reformen, sondern darauf, dass die finanz- und geldpolitischen Interventionen der vergangenen Jahre die marktwirtschaftlichen Kräfte außer Kraft gesetzt haben“, schreiben die Wissenschaftler Lüder Gerken, Iris Hohmann und Matthias Kullas.

Die Platzierung zeige zudem, dass die Kapitalmärkte damit rechneten, dass die Partner Athens in der Euro-Zone eine Insolvenz des Landes „um jeden Preis“ verhindern würden - nicht zuletzt deshalb, weil bei einem erneuten Schuldenschnitt „sehr wahrscheinlich“ auch öffentliche Gläubiger, also Steuerzahler, betroffen wären. Was die Einschätzung der Forscher stützt, ist auch der Umstand, dass die fünfjährige Staatsanleihe, die mit einer Nominalverzinsung von 4,75 Prozent ausgestattet ist, mindestens um das Achtfache überzeichnet gewesen ist, wie der stellvertretende griechische Ministerpräsident Evangelos Venizelos erklärt hatte.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

In der CEP-Analyse heißt es dazu, die erzielte Verzinsung sei angesichts der desolaten Lage des Landes „nicht marktrisikoadäquat“. Der realwirtschaftliche und finanzpolitische Zustand Griechenlands rechtfertige es jedenfalls nicht, dass der griechische Staat eine Staatsanleihe mit einer Verzinsung von unter fünf Prozent habe platzieren können.  „Das Anlageverhalten der Investoren wird dazu führen“, warnen die Wissenschaftler, „dass Reformdruck und Reformbereitschaft in Griechenland sinken, so dass die Gesundung des Landes in noch weitere Ferne rückt.“

Nachdem Griechenland am vergangenen Donnerstag vier Jahre nach der mit internationalen Hilfen verhinderten Staatspleite erstmals eine Anleihe am Finanzmarkt platziert und damit einen Erfolg bei Investoren verbucht hatte, besorgte sich das schuldengeplagte Land heute kurzfristig 1,625 Milliarden Euro am Kapitalmarkt. Der Zinssatz für die dreimonatigen Papiere beläuft sich auf 2,45 Prozent. Er liegt damit deutlich niedriger als bei vergleichbaren Titeln im Vormonat mit 3,1 Prozent Zinsen, wie die Schuldenagentur PDMA mitteilte. Es gingen Gebote von mehr als 3,4 Milliarden Euro ein.

Während die Bundesregierung das Kapitalmarkt-Comeback der Griechen gefeiert hatte, äußerte sich die Bundesbank skeptisch, dass das Land rasch wieder auf die Beine kommen wird. Auch Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem warnte vor zu großem Optimismus. Noch seien nicht alle Probleme im Kampf gegen die Schuldenkrise überwunden.

Kommentare (35)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

15.04.2014, 12:08 Uhr

Ja, wer ist denn der Finanzmarkt???!
Das ist doch die EZB! Und wer zahlt in die EZB ein und gibt Bürgschaften aus....genau, der dumme deutsche Steuerzahler!
Und diese Finanzbeschaffungs Aktionen haben rein gar nichts mit einer wirtschaftlichen Erhohlung zu tun. Zu einer wirtschaftlichen Erhohlung muss Griechenland aus dem starken EURO austretten und erst dann kann Griechenland auf Wirtschaftswachstum hoffen mit eigene Anstregungen und OHNE den diktatorisch deutschen-EZB Rockzipfel (Subventions-Bürgschaftsgeber).

Account gelöscht!

15.04.2014, 12:09 Uhr

Wenn wir bei der Europawahl kein deutliches "Stopp!" an die Blockparteien senden, indem wir AfD oder Linke wählen, wird uns Rolli auch noch in 5 Jahren erzählen dass Griechenland "auf einem guten Weg" ist.

Der Dolce-Vita-Soli wird dann schon längst eingeführt worden sein...

Account gelöscht!

15.04.2014, 12:12 Uhr

(Das geht jetzt nicht gegen das Handelsblatt) Was für ein unnötiger Artikel! Wir sind doch nicht blöd! Wir wählen nur so!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×