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21.11.2014

14:38 Uhr

Trotz Schwarzer Liste der EU

„Ukrainischer Gaskönig“ erhält serbischen Pass

Sergej Kurtschenko steht auf der Schwarzen Liste der EU, hat aber laut einem Zeitungsbericht die serbische Staatsangehörigkeit im Schnellverfahren erhalten. Serbien erhofft sich von der Aktion Millionen-Investments.

Das Denkmal für den letzten russischen Zaren Nikolaus II. im Zentrum der serbischen Hauptstadt Belgrad. Sergej Kurtschenko hat die serbische Staatsangehörigkeit erhalten – eine heikle Entscheidung. dpa

Das Denkmal für den letzten russischen Zaren Nikolaus II. im Zentrum der serbischen Hauptstadt Belgrad. Sergej Kurtschenko hat die serbische Staatsangehörigkeit erhalten – eine heikle Entscheidung.

BelgradDer „ukrainische Gaskönig“ Sergej Kurtschenko, der auf der Schwarzen Liste der EU steht, hat nach einem Medienbericht die serbische Staatsangehörigkeit erhalten. Dem 29-jährigen ethnischen Russen, der als einer der reichsten Männer der Ukraine gilt, habe den Serbenpass im Schnellverfahren erhalten, berichtete die größte Zeitung „Blic“ am Freitag in Belgrad.

Diese Entscheidung ist heikel, weil es in den letzten Tagen zu einem Tauziehen zwischen Brüssel und Moskau um den außenpolitischen Kurs des EU-Kandidaten Serbien gekommen war.

So steht EU-Kandidat Serbien wirtschaftlich da

Wachstum

Mit zwei Prozent wächst Serbien im zu Ende gehenden Jahr so schnell wie kaum ein anderes europäisches Land. Allerdings dürfte sich der Wert nach einer Prognose der Regierung 2014 halbieren. Ein Grund dafür ist der Sparzwang des Staates. Die hohe Inflation von rund 8,5 Prozent drückt die Kaufkraft, weshalb der private Konsum, der für drei Viertel des Bruttoinlandsproduktes steht, schrumpften dürfte.

Wettbewerbsfähigkeit

Im Standortvergleich des Weltwirtschaftsforums kommt Serbien gerade einmal auf Rang 101 - hinter Ländern wie Nicaragua und Guatemala. Als größte Probleme gelten Korruption, übermäßige Bürokratie, ein schlechter Zugang zu Krediten sowie eine instabile Regierung und eine oft mangelhafte Infrastruktur. Pluspunkte sind günstige Lohnkosten und attraktive Steuersätze. Transparency International listet Serbien in seinem Korruptionswahrnehmungsindex auf Platz 72 und damit hinter Staaten wie Lesotho oder Namibia.

Finanzen

Um die Finanzen des osteuropäischen Landes ist es nicht besonders gut bestellt. Die Neuverschuldung dürfte der Regierung zufolge im kommenden Jahr bei 7,1 Prozent der Wirtschaftskraft liegen und damit die höchste in der Region sein. Die EU-Regeln erlauben eigentlich nur drei Prozent. Der Schuldenberg dürfte auf knapp 66 Prozent des Bruttoinlandsproduktes anwachsen. Hier sieht die EU ein Limit von 60 Prozent vor, das aber auch vom wirtschaftlich robusten Deutschland und vielen anderen Ländern weit übertroffen wird.

Handel mit Deutschland

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner des Balkan-Staates. 2012 wurden Waren im Wert von 1,5 Milliarden Euro dorthin geliefert, die Importe lagen bei knapp einer Milliarde Euro. Deutschland bezieht vor allem Elektrotechnik, Maschinen und Nahrungsmittel aus Serbien. Geliefert werden vor allem Fahrzeuge, Maschinen und Chemieprodukte.

Die EU hatte Kurtschenko, dem auch der ukrainische Fußballerstligist Metalist Charkow gehört, im Zuge der Sanktionen gegen Russland wegen der Ukrainekrise auf die Schwarze Liste gesetzt. Gegen ihn laufen in der Ukraine Ermittlungen wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder und des illegalen Transfers dieser Gelder ins Ausland.

Nach Darstellung von „Blic“ besaß der Oligarch mit 19 Jahren 200 000 Dollar Kapital. Nach wenigen Jahren hätten seine Einkünfte bereits 300 Millionen Dollar betragen. Belgrad hoffe, dass er seine Millionen in diesem Balkanland investieren wird.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Herr Josef Schmidt

21.11.2014, 14:56 Uhr

Belgrad wird mittlerweile auch erpresst um Sanktionen gegen Russland einzuführen. So läuft Demokratie im Westen.

Serbien soll Sanktionen stützen: EU fordert klares Bekenntnis von Belgrad.

Frau Margrit Steer

21.11.2014, 15:56 Uhr

Ich habe auch davon gehört, dass Brüssel Serbien droht,sie sollen sich gefälligst nicht mit den Russen einlassen.
Mich beschleicht so das Gefühl, dass die EU mit ihrem Kriegsgezündel sich über kurz oder lang Feinde schafft.

Herr W.H.G. Lindemann

21.11.2014, 17:19 Uhr

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