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29.04.2014

02:37 Uhr

Trotz Sicherheitsvorkehrungen

Dutzende Iraker sterben bei vorgezogener Wahl

Zum ersten Mal seit dem Abzug der US-Truppen gehen die Iraker am Mittwoch zur Wahl. Um sie vor Anschlägen schützen zu können, sollten rund eine Million Polizisten und Soldaten bereits am Montag wählen. Doch es gab Tote.

Sicherheitskräfte wie diese kurdische Polizistin geben im Irak ihre Stimme bereits zwei Tage vor der Wahl ab. Doch trotz starker Kontrollen kommt es dabei zu mehreren tödlichen Anschlägen. ap

Sicherheitskräfte wie diese kurdische Polizistin geben im Irak ihre Stimme bereits zwei Tage vor der Wahl ab. Doch trotz starker Kontrollen kommt es dabei zu mehreren tödlichen Anschlägen.

BagdadDie vorgezogene Stimmabgabe vor der Parlamentswahl im Irak ist von Gewalt überschattet worden. Bei Angriffen auf Wahllokale und Kundgebungen wurden am Montag mehrere Dutzend Menschen getötet, wie die Polizei mitteilte. Rund eine Million Polizisten und Soldaten gaben bereits ihre Stimme ab, um die eigentliche Wahl am Mittwoch schützen zu können.

Dann sind rund 22 Millionen Bürger aufgerufen, zum ersten Mal seit dem Abzug der US-Truppen 2011 ein neues Parlament zu wählen. Auf 328 Mandate kommen mehr als 9000 Bewerber. Es wird erwartet, dass die vom schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki geführte Bündnis als Sieger aus der Wahl hervorgehen wird.

Am Montag wählten auch bereits Krankenhauspatienten, das medizinische Personal und Häftlinge. Auch Auswanderer in mehr als 20 Ländern durften wählen. Im Fernsehen wurde auch gezeigt, wie der kränkelnde Präsident Dschalal Talabani seine Stimme in Deutschland abgab. Hier wird der Kurde seit Dezember 2012 nach einem Schlaganfall behandelt.

Die Sicherheitsvorkehrungen waren bereits am Montag umfangreich: Das Militär- und Polizeipersonal musste sich vor einem zentralen Wahllokal in Bagdad vier Ausweiskontrollen und Durchsuchungen unterziehen, bevor das Gebäude betreten werden durfte. Im Haus suchten Polizeihunde nach Sprengstoff.

Trotzdem gab es viele Tote. Der schwerste Anschlag des Tages ereignete sich in der kurdischen Stadt Chanakin, als dort Anhänger Talabanis dessen Auftritt im Fernsehen feierten, wie die Polizei mitteilte. 25 Menschen wurden demnach getötet, als sich ein Selbstmordattentäter inmitten der Gruppe in die Luft sprengte. 35 weitere wurden verletzt, viele waren in kritischem Zustand.

Auch an einem Kontrollpunkt zu einem Wahllokal in der Stadt Tus Chormato, rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad, riss ein Selbstmordattentäter sechs Sicherheitsleute in den Tod, wie das Militär mitteilte. In Kirkuk starben sechs weitere Polizisten bei einer Attacke.

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden im vergangenen Jahr im Irak 8868 Menschen bei Anschlägen und Angriffen getötet. In den vergangenen Monaten nahmen Gewalt und Terror stark zu. In den beiden ersten Monaten des Jahres 2014 kamen mehr als 1400 Menschen ums Leben.

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Wie instabil die Lage ist, spiegelt sich besonders in der von Sunniten dominierten westlichen Anbar-Provinz wider. Die Region wird seit Monaten von heftigen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und von der Terrororganisation Al-Kaida inspirierten sunnitischen Militanten erschüttert. So bleiben denn in Teilen der Provinz am Mittwoch die Wahllokale geschlossen.

Bei der Parlamentswahl gilt der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki mangels eines starken Gegenspielers als Favorit zur Wiederwahl für eine dritte Amtszeit - trotz der Unzufriedenheit vieler Menschen wegen der zunehmenden Gewalt und der weit verbreiteten Korruption.

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