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20.05.2013

19:19 Uhr

Trotz Sparmaßnahmen

Spanien ist so hoch verschuldet wie nie

Die Wirtschaft schrumpft, die Schulden wachsen: Spanien rutscht immer weiter ab. Bei mehr als 900 Milliarden Euro liegen die Verbindlichkeiten des Euro-Krisenstaates mittlerweile. Auch bei der Arbeitslosigkeit hakt es.

Bettler auf Spaniens Straßen: Die öffentlichen Schulden wachsen weiter. AP/dpa

Bettler auf Spaniens Straßen: Die öffentlichen Schulden wachsen weiter.

MadridDas Euro-Krisenland Spanien steht so tief in der Kreide wie nie zuvor. Trotz der drastischen Einsparungen der konservativen Regierung kletterten die Schulden des spanischen Staates zum 31. März auf 923,31 Milliarden Euro. Das seien 87,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), teilte die Zentralbank am Montag in Madrid mit. Im Vergleich zum 31. Dezember (884 Milliarden) betrug der Anstieg 4,4 Prozent.

Die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy will 2013 das Haushaltsdefizit, das sich im vergangenen Jahr auf rund 7 Prozent der Wirtschaftsleistung belief, auf 4,5 Prozent herunterschrauben. Nach amtlicher Schätzung sollen die öffentlichen Schulden dann auf 91,4 Prozent des BIP klettern.

Spaniens Baustellen

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenquote beträgt laut Statistikbehörde 24,4 Prozent und befindet sich auf den höchsten Stand seit 18 Jahren. Insgesamt sind in Spanien 5,6 Millionen Menschen arbeitslos. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit ist ein Riesenproblem. Die europäische Statistikbehörde Eurostat berichtete unlängst, die Quote der Jugendarbeitslosigkeit sei in Spanien mit einem Wert von 50,5 Prozent am höchsten. Zum Vergleich: Mit 8,2 Prozent hatte Deutschland die niedrigste Quote.

Immobilienmarkt

In der Vor-Krisenzeit lockte die Kombination aus hohem Wirtschaftswachstum und niedrigem Zinsniveau die Spanier an den Immobilienmarkt. Viele legten sich eine zweite, dritte oder gar vierte Wohnung zu. Doch der Boom war größtenteils auf Pump finanziert. Nachdem auch internationale Anleger wie Pensions- und Investmentfonds in großem Stil einstiegen, wurden Immobilien rasch zu Spekulationsobjekten. Die Finanzkrise 2008 bereitete dem ein jähes Ende: Die spanischen Banken - anfangs noch gelobt wegen ihrer Zurückhaltung bei Schrottpapieren - gerieten in den Krisenstrudel und wurden Opfer der lockeren Kreditvergabe.

Haushaltslage

In der Eurozone war Spanien 2011 mit einem Fehlbetrag von 8,9 Prozent der drittgrößte Haushaltssünder. Das Haushaltsloch war zwar kleiner als 2010 (9,3 Prozent), aber deutlich höher als angestrebt. Die spanische Wirtschaft stürzte zudem zu Jahresbeginn in die Rezession. Mit drastischen Sparmaßnahmen und weitreichenden Reformen versucht die Regierung des konservativen Regierungschefs Mariano Rajoy gegenzusteuern. Ursprünglich sollte das Defizit schon 2013 wieder unter die erlaubten 3 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken, nun soll Spanien dafür ein Jahr länger Zeit bekommen.

Bankenkrise

Die Lage am Immobilienmarkt schlägt voll auf den Bankensektor durch: Die Großbanken Santander und BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria) verzeichneten wegen der Vorsorge für faule Immobilienkredite Gewinnrückgänge. Spaniens Regierung hatte höhere Rücklagen der Banken angesichts der kriselnden Wirtschaft verlangt. Anderen Geldhäusern erging es noch schlechter: Die Großbank Bankia will vom Staat mehr als 23 Milliarden Euro für ihre Sanierung.

Erst Ende April musste die konservative Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy einräumen, dass die Wirtschaft stärker schrumpft als zuvor erwartet und die Prognose für dieses Jahr deutlich nach unten korrigieren. Wie Wirtschaftsminister Luis de Guindos mitteilte, wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach der neuen Prognose 2013 voraussichtlich um 1,3 Prozent sinken. Bisher war Madrid nur von einem Minus von 0,5 Prozent ausgegangen. Die EU rechnet sogar damit, dass die spanische Wirtschaft um 1,5 Prozent schrumpfen wird.

Auch das Ziel eines Abbaus der Arbeitslosigkeit werde in dieser Legislaturperiode nicht erreicht, hieß es im April. Für 2013 rechnet die Regierung mit der Rekordhöhe von 27,1 Prozent. 2015 seien 25,8 Prozent zu erwarten, sagte der Minister.

Als Rajoy Ende 2011 die Macht übernommen hatte, betrug die Arbeitslosenquote 22,8 Prozent. De Guindos betonte, ohne die Reformpolitik der Regierung wäre die Arbeitslosigkeit noch höher.

Von

dpa

Kommentare (64)

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Vicario

20.05.2013, 19:49 Uhr

Zitat : Für 2013 rechnet die Regierung mit der Rekordhöhe von 27,1 Prozent.

2015 seien 25,8 Prozent zu erwarten, sagte der Minister

- Das ist auch eine vernünftige Steigerung der Arbeitslosigkeit ! Schon bemerkenswert, dass die Spanier nicht lügen und ihre Miesere zugeben !
Das gleiche , wie bei Arbeitslosigkeit, gilt auch fürs Wachstum ! Wo soll es auch herkommen ! Die drehen sich halt alle im Kreis, dank € !

War letzte Woche paar Tage in Spanien ! Gegenüber Deutschen Sprießt ja förmlich ein Hass entgegen.....so etwas habe ich nicht mal in Griechenland erlebt !

Ich pfeife auf dieses Europa.......ich will das Europa vor € zurück !

Generation_Euro

20.05.2013, 19:58 Uhr

Diese Nachrichten sind doch mindestens wieder für 200-300 Punkte im Dax gut.

Vollkommen entkoppelte Märkte. Traurig, dass sich keine Sau für das Schicksal dieser jungen Europäer interessiert.

Account gelöscht!

20.05.2013, 20:05 Uhr

Hier hilft nur die brutale Wahrheit:

Mehr Geld hilft nichts, es ist so gut wie verloren.

Sparen hilft, macht aber in dem gebotenen Umfang den Staat vollends kaputt.

Das einzige, was Erfolg verspricht, ist, den verknöcherten Staatsapparat radikal zu entschlacken. Mao Zedong hat gewußt, wie man das macht mit einer Kulturrevolution. Wenn die Jugendarbeitslosigkeit weiter so hoch bleibt oder sogar noch wächst, werden die jungen Spanier das spontan besorgen.

Das Übel sind die sich kreuz und quer überlagernden Besitzstände aller möglichen Stände und Interessengruppen. Es gibt übrigens eine hohe Korrelation zwischen Jugendarbeitslosigkeit und festgepflockten Besitzständen.

Mit den Verwaltungsmethoden des vorindustriellen Zeitalters ist eben heute kein Staat mehr zu machen, buchstäblich.

Das gilt übrigens mit leicht varierenden örtlichen Besonderheiten für alle Südstaaten. Und Frankreich müsste sich da auch an der Nase nehmen.

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