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03.02.2012

16:36 Uhr

Trotz Sparpflicht

Griechen stemmen sich gegen Lohnkürzungen

Griechische Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände stemmen sich gegen weitere Kürzungen von Löhnen und Gehältern. Die Senkung der Lohnkosten ist notwendig für die Auszahlung der nächsten Hilfszahlung in Milliardenhöhe.

Die Griechen müssen sparen, wollen aber keine Lohnkürzungen hinnehmen. dpa

Die Griechen müssen sparen, wollen aber keine Lohnkürzungen hinnehmen.

AthenGriechische Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände haben sich trotz Sparpflicht gegen eine weitere Senkung der Löhne und Gehälter ausgesprochen. In einem am Freitag veröffentlichten Brief an die griechische Regierung zeigten die Tarifpartner Einigkeit darüber, dass für sie weder der gesetzliche Mindestlohn noch die üblicherweise in 14 Monatsgehältern ausgezahlten Bezüge zur Debatte stünden.

Die Senkung der hohen Arbeitskosten in Griechenland ist eine Voraussetzung für die Auszahlung einer zweiten Rettungszahlung in Höhe von 130 Milliarden Euro aus Mitteln der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF), ohne die Griechenland Ende März die Zahlungsunfähigkeit droht.

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Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos warnte die Bevölkerung, die aktuellen Sparmaßnahmen seien hart, die Alternative dazu jedoch katastrophal. „Wir spielen nicht mit dem Feuer, wenn es um die Zukunft unseres Volkes geht“, sagte er im Parlament. Die Menschen seien ärmer geworden, der Lebensstandard sinke. „Ja, es ist dramatisch, Gehälter und Pensionen kürzen zu müssen. Aber was wir sonst erleben könnten, und was wir vermeiden wollen, ist fürchterlich“.

Die Verhandlungen mit den privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt sowie mit Vertretern der EU und dem IWF über eine weitere Rettungszahlung stehen nach Angaben des Regierungssprechers Pantelis Kapsis kurz vor dem Abschluss. Dem Radiosender Real FM sagte er, es werde zwangsläufig einen Plan B geben. Es sei jedoch klar, dass Griechenland zahlungsunfähig werde, wenn es keine Einigung gebe. „Aber ich glaube nicht, dass irgendjemand das will“.

Für Freitag oder Samstag war ein Treffen von Ministerpräsident Lukas Papademos mit den Vorsitzenden der drei Parteien seiner Übergangsregierung geplant. Sie sollten über weitere Sparmaßnahmen entscheiden.

Von

dapd

Kommentare (16)

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03.02.2012, 17:11 Uhr

Ich habe den Verdacht, dass man Griechenland demnächst pleite gehen lässt.

Delinix1

03.02.2012, 17:46 Uhr

@KeepCool. Danke, Sie machen mir Mut!
@alle. Zitat: „…dass für sie weder der gesetzliche Mindestlohn noch die üblicherweise in 14 Monatsgehältern ausgezahlten Bezüge zur Debatte stünden.“ An dieser Wortwahl lässt sich bereits ablesen, wie weit die Troika womöglich zurückrudern wird. Es handelt sich eben NICHT um 12 Monatsgehälter, die in 14 Raten gezahlt werden, sondern eindeutig sind es 14 Gehälter, die in 14 Raten gezahlt werden. Das 13. und 14. Gehalt sind ZULAGEN und kein normaler Bestandteil der Bezüge, wie die Formulierung suggerieren soll. Und Zulagen sollten gestrichen werden.

Delinix1

03.02.2012, 18:03 Uhr

@alle. Ich poste nun schon seit einer Weile im HB. Dabei war mir immer wichtig, möglichst genau aus GR zu berichten.
Etwas sehr Wichtiges hatte ich dabei allerdings vergessen, obwohl gerade dies zum besseren Verständnis der griechischen Haltung beiträgt.
Es gibt in der griechischen Sprache einen Ausdruck für das, wofür die Griechen uns zahlende Europäer halten. Der Ausdruck lautet „Kouto Frankoi“ und sinngemäß bedeutet er etwa „naiver (dummer) Europäer“. Entstanden ist der Ausdruck schon in den 80er Jahren, als das erste große Geld nach GR floss und hauptsächlich an die Bauern verteilt wurde. Die EU hatte das dem Jacques Delors zu verdanken, der übrigens ein Politiker der Sozialistischen Partei Frankreichs war. Damals gab es in GR ein geflügeltes Wort: „Gott segne Jacques Delors“.
Später kam immer wieder und immer mehr Geld, dessen Verwendung offenbar niemals kontrolliert wurde. So wurde das schöne Wort zutreffend weiter benutzt.

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