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06.05.2016

09:16 Uhr

Trotz Waffenruhe in Syrien

Tote bei Luftangriff nahe Aleppo

Eigentlich gab es einen Lichtblick im syrischen Bürgerkrieg: Eine Waffenruhe wurde auf das umkämpfte Aleppo ausgeweitet. Dann kommt es zu einem Angriff auf ein Flüchtlingslager gar nicht weit entfernt von der Stadt.

Bürgerkrieg in Syrien

Amateuraufnahmen: Luftangriff zerstört Flüchtlingslager in Syrien

Bürgerkrieg in Syrien: Amateuraufnahmen: Luftangriff zerstört Flüchtlingslager in Syrien

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Kairo7BeirutBei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in einem von Rebellen kontrollierten Gebiet im Norden des Bürgerkriegslands in der Stadt Sarmada nahe der Grenze zur Türkei sind am Donnerstag mindestens 28 Menschen getötet worden. Dies teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Zuvor war nach fast zwei Wochen heftigen Kämpfen eine neue Waffenruhe auf Aleppo ausgeweitet worden, die zunächst weitgehend hielt. Insgesamt sind seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren nach UN-Angaben rund 400.000 Menschen ums Leben gekommen. Die Friedensgespräche waren zuletzt ins Stocken geraten.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Das Regime

Seit fast fünf Jahren tobt in Syrien ein auch von außen befeuerter Bürgerkrieg. Die Krise ist auch deshalb schwer zu lösen, weil es zahlreiche Akteure mit eigenen Interessen gibt. Zum Beispiel das Regime. Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte aber zuletzt dank massiver russischer und iranischer Hilfe Geländegewinne erzielen. Machthaber Assad lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben der Regierung. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Teilweise kooperieren sie mit der Al-Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Die Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen, dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte kontrollieren mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurden-Partei PYD, Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte „Augsburg“, die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern, dass Assad abtritt. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Zuletzt eskalierte der Konflikt zwischen den beiden Regionalmächten. (Quelle: dpa)

Bei dem Luftangriff auf das Flüchtlingscamp kamen auch mindestens sieben Kinder ums Leben, wie die Menschenrechtsbeobachter meldeten. Wer dafür verantwortlich ist, war zunächst unklar. Es wurde erwartet, dass die Opferzahl noch steigt.

Das Lager sei zwei Mal direkt getroffen worden, sagte ein Oppositionsaktivist aus der nahe gelegenen Stadt Atmeh, der mit Personen in der Nähe des betroffenen Lagers in Kontakt stand. „Mir wurde gesagt, dass viele Zelte brannten.“ Es seien zwei Luftangriffe auf das Lager, in dem viele Menschen aus den zuletzt heftig umkämpften Gebieten um die Städte Aleppo und Palmyra Zuflucht gesucht hätten, geflogen worden. Die Verletzten würden zur Behandlung in die Türkei gebracht.

Syrien: Assad will trotz Waffenruhe weiterkämpfen

Syrien

Assad will trotz Waffenruhe weiterkämpfen

Die Waffen in Aleppo schweigen, in der Stadt herrscht Anwohnern zufolge Ruhe. Assad kündigte allerdings an, nicht nachgeben zu wollen, bis die Rebellen besiegt seien. Der IS verbucht indes einen wichtigen Geländegewinn.

Die USA verurteilten die Angriffe. „Es gibt keine Rechtfertigung für einen Luftangriff auf unschuldige Zivilisten, die bereits einmal vor Gewalt geflohen sind und ihre Heimat verlassen haben“, sagte ein Sprecher des US-Präsidialamtes.

Bei einem Doppelanschlag auf die von der Regierung beherrschte Stadt Muharram Fukani in Mittelsyrien starben zudem mindestens zwölf Menschen, mehr als 40 wurden verletzt. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, zwei Selbstmordattentäter hätten sich mit einem Auto und einem Motorrad in die Luft gesprengt. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Die Stadt liegt unweit des syrischen Gebietes, das von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beherrscht wird.

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