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23.11.2012

13:28 Uhr

Trotz Waffenruhe

Israelis erschießen Palästinenser im Gazastreifen

Ein 21-jähriger Palästinenser ist am Freitag durch israelische Schüsse getötet worden. Es war der erste blutige Zwischenfall nachdem sich Israel und die radikal-islamische Hamas auf eine Waffenruhe geeinigt haben.

Hält die Waffenruhe in Nahost? Noch halten sich militanten Einheiten der Palästinenser nach dem tödliche Zwischenfall zurück. AFP

Hält die Waffenruhe in Nahost? Noch halten sich militanten Einheiten der Palästinenser nach dem tödliche Zwischenfall zurück.

GazaIsraelische Soldaten haben an der Grenze zum Gazastreifen einen Palästinenser erschossen und neun weitere durch Schüsse verletzt. Es handelte sich um die erste bekannte Auseinandersetzung zwischen Israel und den Palästinensern seit der am Mittwochabend in Kraft getretenen Waffenruhe. Es galt allerdings als unwahrscheinlich, dass der jüngste Zwischenfall die von Ägypten vermittelte Feuerpause gefährden würde.

Der getötete Palästinenser war nach palästinensischen Angaben Teil einer Gruppe, die sich dem israelischen Grenzzaun zum Gazastreifen genähert hatte, um dort Teile eines beschädigten israelischen Militärfahrzeugs einzusammeln. Dabei hätten israelische Soldaten das Feuer eröffnet. Von israelischer Seite hieß es, es habe einzelne Versuche gegeben, Israel vom Gazastreifen aus zu infiltrieren. Als sich die Gruppe dem Grenzzaun genähert habe, seien Warnschüsse abgegeben worden.

Ein israelischer Soldat erlag unterdessen nach Militärangaben seinen durch einen palästinensischen Raketenangriff erlittenen Verletzungen. Der tödliche Angriff habe sich am Mittwoch vor dem Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas ereignet, teilten die Streitkräfte mit. Demnach ist der am Donnerstag verstorbene Reserveoffizier der zweite israelische Soldat, der bei den acht Tage andauernden Gefechten getötet wurde.

In Kairo wollten ägyptische Vermittler am Freitag zu getrennten Gesprächen mit israelischen Unterhändlern und solchen von der Hamas zusammenkommen. Dabei sollte es um die zweite Phase der Waffenruhe gehen: ein neues Grenzabkommen für den blockierten Gazastreifen. Israel verständigte sich bisher mit der Hamas darauf, die Luftangriffe im Gazastreifen im Gegenzug für einen Stopp des Raketenbeschusses auf das eigene Territorium einzustellen.

Knapp die Hälfte der Israelis ist einer Umfrage zufolge gegen die vereinbarte Waffenruhe mit der radikalislamischen Hamas. 49 Prozent der Befragten sind der Ansicht, Israel hätte weiter gegen palästinensische Extremisten im Gazastreifen vorgehen sollen, die Raketen auf Israel abfeuern. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Maagar Mohot hervor.

Israels Offensiven im Gazastreifen

23. Juli 2002

Bei einem israelischen Raketenangriff werden in Gaza der militante Palästinenserführer Scheich Salah Schehada und 14 weitere Menschen getötet, darunter neun Kinder. Nach israelischen Angaben war er Drahtzieher mehrerer Terroranschläge.

6. März 2003

Mit einem Panzervorstoß gegen das Flüchtlingslager Dschabalia im Gazastreifen reagiert Israel auf einen Terroranschlag in Haifa.

28. August 2003

Israelische Kampfhubschrauber feuern in Chan Junis im südlichen Gazastreifen Raketen ab. Dabei wird Hamdi Kadach getötet, der für den Mörserbeschuss israelischer Siedlungen verantwortlich gewesen sein soll.

20. Oktober 2003

Bei israelischen Luftangriffen werden mindestens 13 Palästinenser getötet. Einer der Getöteten, Chaled Masri, wird als ein führender Waffenbeschaffer der Hamas bezeichnet.

22. März 2004

Scheich Ahmed Jassin, Gründer und geistlicher Führer der Hamas, wird in Gaza von einer israelischen Rakete getötet.

17. April 2004

Jassins Nachfolger Abdel Asis Rantisi stirbt in Gaza bei einem israelische Luftangriff.

21. Oktober 2004

Adnan el Rul, ranghoher Führer des bewaffneten Arms der Hamas, wird bei einem israelischen Raketenangriff auf sein Auto in Gaza getötet.

28. Juni 2006

Die israelische Armee rückt zur Befreiung des am 25. Juni verschleppten Soldaten Gilad Schalit mit Bodentruppen in den Gazastreifen ein.

1. November 2006

Die Armee tötet bei Kämpfen von Bodentruppen in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen mindestens 34 Palästinenser.

5. Juli 2007

Israels Armee stößt mit Panzern auf Flüchtlingslager im zentralen Gazastreifen vor, mindestens elf Palästinenser sterben.

1. März 2008

Israel startet die Operation „Heißer Winter“. Bei den Kämpfen mit Bodentruppen sterben über 100 Menschen.

27. Dezember 2008

Israel beginnt mit Luftangriffen auf Hamas- Einrichtungen im Gazastreifen, wenige Tage später beginnt die Bodenoffensive „Gegossenes Blei“. Bis am 18. Januar eine Waffenruhe in Kraft tritt sterben nach palästinensischen Quellen mindestens 1310 Palästinenser, die Israelis melden 13 Tote.

9. April 2011

Drei Hamas-Kommandeure werden in Rafah bei einem israelischen Angriff von Raketen eines Kampfflugzeugs getötet.

9. März 2012

Das israelische Militär tötet bei zwei Luftangriffen im Gazastreifen insgesamt fünf Palästinenser, darunter den Kommandeur der militanten Palästinenserorganisation Volkswiderstandskomitee, Zuher al Kesi.

31 Prozent stehen demzufolge hinter der Entscheidung ihrer Regierung, die Militäroffensive einstellen. 20 Prozent der Befragen hatten keine Meinung dazu. In der Umfrage vertraten 29 Prozent der Befragten die Ansicht, Israel hätte Bodentruppen in den Gazastreifen entsenden sollen. Für die Erhebung wurden 503 Personen befragt. Die Fehlerquote lag bei 4,5 Prozentpunkten.

Die Palästinenser erhalten in dem Konflikt Unterstützung aus China. Die chinesische Regierung habe den Palästinensern eine Million Dollar (778.000 Euro) Hilfe zugesagt, erklärte der palästinensische Gesandte Bassam al Salhi am Freitag nach Gesprächen mit dem chinesischen Außenminister Yang Jiechi in Peking. China sei daran interessiert, "jegliche Art von Aggression der Israelis gegenüber dem palästinensischen Volk zu stoppen", sagte al Salhi.

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