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26.05.2017

10:18 Uhr

Trump in Brüssel

Rüpel-in-Chief

Unberechenbar und ohne Rücksicht auf Konventionen: So gibt sich Donald Trump gerne. In Brüssel hat der US-Präsident dies nun erneut gezeigt – mit einer Verbal-Attacke auf Deutschland und einem rüden Schubser.

US-Präsident in Brüssel

„Mach mal Platz“ – hier schiebt Trump einen Regierungschef zur Seite

US-Präsident in Brüssel: „Mach mal Platz“ – hier schiebt Trump einen Regierungschef zur Seite

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BrüsselSo fühlt sich „America First“ an: Donald Trump kommt aus dem Hintergrund, drängelt sich nach vorne, schiebt den Ministerpräsidenten von Montenegro zur Seite, um neben Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ganz vorne auf dem Gruppenfoto zu stehen. Mit stolzem Blick richtet der US-Präsident sein Jackett.

Die Würdenträger der Nato-Staaten hatten es am Donnerstag nicht leicht mit dem neuen Mann aus dem Weißen Haus. In seiner Rede bei einer Zeremonie vor dem neuen Hauptquartier des Bündnisses las Trump den Verbündeten die Leviten und verlangte, dass diese mehr Geld lockermachen.

Aber nicht nur Dusko Markovic, der Regierungschef aus Montenegro, und die versammelten Nato-Vertreter bekamen bei Trumps Brüssel-Besuch ihr Fett weg. Zuvor, beim Treffen mit EU-Vertretern, wurde Trump einem Medienbericht zufolge auch ausfällig gegen Deutschland. „Die Deutschen sind böse, sehr böse“, habe Trump bei seinen Gesprächen mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk gesagt, berichtete „Spiegel Online“ unter Berufung auf Teilnehmerkreise.

Der US-Präsident meinte damit den deutschen Handelsüberschuss. „Schauen Sie sich die Millionen von Autos an, die sie in den USA verkaufen. Fürchterlich. Wir werden das stoppen.“ Juncker habe sich den Angaben zufolge hinter Deutschland gestellt.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete indes, Trump habe bei dem Gespräch mit den Spitzen der EU den deutschen Handelsüberschuss als „schlecht, sehr schlecht“ bezeichnet. Zudem habe er klar gemacht, dass die Verringerung des US-Handelsdefizits für ihn absolute Priorität genieße.

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Tusk sagte nach dem Treffen, dass einige Fragen bei den Beratungen mit Trump offen geblieben seien, darunter das Thema Handel. Der US-Milliardär hat den Exportüberschuss Deutschlands mehrmals kritisiert und bereits in einem „Playboy“-Interview von 1990 Steuern bei der Einfuhr deutscher Autos angeregt.

Die Börse reagierte umgehend auf Trumps Deutschland-Schelte: Anleger warfen am Freitag Autowerte aus den Depots. „Trumps Kritik ist zwar nicht neu, aber es belastet natürlich“, sagte ein Händler. Schließlich seien wegen der Dieselabgas-Affäre die Autobauer ohnehin schon unter Druck gewesen. BMW, VW und Daimler verloren in der Spitze zeitweise je rund ein Prozent und zählten im Dax zu den Schlusslichtern. Im Verlauf grenzten sie ihre Verluste wieder ein.

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Der montenegrinische Regierungschef indes nahm Trumps Rempler am Ende locker. „Ich habe es nicht wirklich registriert. Ich sah nur die Reaktionen darauf in den sozialen Netzwerken. Es ist einfach eine harmlose Situation“, sagte Dusko Markovic. Er dankte Trump, dass dieser Montenegros Nato-Mitgliedschaft unterstütze. Im kommenden Monat soll das Land das 29. Mitglied des Bündnisses werden. In jedem Fall sei es „natürlich“, dass der US-Präsident in der ersten Reihe stehe, sagte er.

Von

rüd

Kommentare (12)

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Herr Thomas Behrends

26.05.2017, 08:47 Uhr

Keine Sorge, Menschen mit einem derart infantilen Auftreten wie Donald Trump werden nicht weit kommen und es zu nichts bringen. Man sieht schon jetzt zu Beginn seiner Präsidentschaft, dass das alles nur heiße Luft ist. Ich stimme da George Soros zu, der kurz nach dem Amtsantritt sagte, dass Trump nach 2 Jahren zurücktreten wird.

Herr peter gramm

26.05.2017, 09:22 Uhr

das hatten schon andere Zeitgenossen versucht. Mit enormer Aufrüstung ökonomische Probleme lösen. Wie es ausgegangen ist, ist bekannt. Das amerikanische Mutterland war davon nicht betroffen. Dies könnte diesmal anders sein. learning by doing Mr. Trump kann man da nur sagen. Vielleicht spekuliert Mr. Trump als Baulöwe mit einem riesigen Aufbauprogramm in den USA als Folge seiner Aufrüstungspolitik. Mag ja sein, dass er sich schon im Besitz eines atomwaffensicheren Bunkers für sich und seine Lieben befindet. Ich finde, zu kurz gedacht.

Herr Paul Kersey

26.05.2017, 09:56 Uhr

@Behrends
Na ja, "zu nichts bringen" kann man ja so nicht sagen.
Aber es ist wirklich bemerkenswert, dass ein absoluter Vollblut-Prolet es nicht nur zum Milliardär, sondern bis ins weiße Haus geschafft hat. Das sagt eben auch viel über eine Gesellschaft aus.

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