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26.05.2017

13:31 Uhr

Trump-Kritik

Was ist dran an Trumps Vorwurf gegen Deutschland?

Aufregung um Donald Trump: Hat der US-Präsident die Deutschen als „böse“ bezeichnet? Oder findet er nur Deutschlands Exportüberschuss „schlecht“? Was ist dran an der Kritik an deutschen Autobauern? Ein Faktencheck.

Börsenbericht

Trump attackiert deutsche Autobauer: Aktien im Minus

Börsenbericht: Trump attackiert deutsche Autobauer: Aktien im Minus

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BerlinDonald Trump hat mit seiner Deutschland-Schelte für Aufsehen gesorgt. „The Germans are bad, very bad“, soll der US-Präsident im Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk gesagt haben. Darüber berichtete „Spiegel Online“ unter Berufung auf Teilnehmerkreise und übersetzte das Zitat mit „Die Deutschen sind böse, sehr böse.“

Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn stellte nun beim G7-Gipfel in Taormina auf Sizilien klar, dass Trump kein Problem mit den Deutschen habe – nur mit dem deutschen Handelsbilanzüberschuss. Allerdings bestätigte Cohn, dass in der Diskussion mit der EU-Spitze in Brüssel über den deutschen Handelsüberschuss mit den USA die Worte „very bad“ über Deutschland gefallen seien. Allerdings in Bezug auf den Handelsbilanzüberschuss. „Aber er hat kein Problem mit Deutschland. Er sagte, sein Vater komme aus Deutschland“, sagte Cohn.

Zuvor hatte bereits Juncker am Freitag vor dem G7-Gipfel in Taormina bestätigt, dass der Satz gefallen war. Doch er schränkte ein: Trump habe gesagt, „wir haben ein Problem, wie andere auch, mit dem deutschen (Handels-)Überschuss“, sagte Juncker. Der Kommissionschef bezeichnete Schilderungen als übertrieben, wonach Trump sich ausgesprochen aggressiv über Deutschland geäußert habe. Dies sei überhaupt nicht zutreffend. „Er hat nicht gesagt, die Deutschen benehmen sich schlecht“, betonte Juncker. Man müsse das richtigstellen. „,Bad' heißt nicht ,böse', ,schlecht' reicht“, fuhr Juncker fort.

Trump in Brüssel: Rüpel-in-Chief

Trump in Brüssel

Rüpel-in-Chief

Unberechenbar und ohne Rücksicht auf Konventionen: So gibt sich Donald Trump gerne. In Brüssel hat der US-Präsident dies nun erneut gezeigt – mit einer Verbal-Attacke auf Deutschland und einem rüden Schubser.

Das englische Wort „Bad“ lässt mit verschiedenen Begriffen übersetzen, darunter „schlecht“, „mies“ oder „übel“. Entsprechend kritisch kommentierte Alexander Graf Lambsdorff, Vizepräsident des EU-Parlaments, den Bericht. „,Bad hier mit ,böse' zu übersetzen, ist böswillig unseriös“, schrieb der FDP-Politiker auf Twitter.

Auch die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete über Trumps Deutschland-Kritik – allerdings wird der Zusammenhang dort anders dargestellt. Der Präsident habe Deutschlands Handelsbilanzüberschuss als „schlecht, sehr schlecht“ bezeichnet, schrieb das Blatt unter Berufung auf Teilnehmer des Gesprächs.

Regierungssprecher Steffen Seibert wollte den Vorgang am Freitag nicht kommentieren. Trump selbst ließ Nachfragen unbeantwortet. Vor seinem Gespräch mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe am Rande des G7-Gipfels wurde er nach Angaben von anwesenden Journalisten gefragt: „Haben Sie gesagt, dass Deutschland sehr schlecht (very bad) ist?“ Daraufhin sagte Trump kein Wort.

Auch wenn die Interpretationen auseinandergehen – die Aufregung um das Zitat war am Freitag real. Der Präsident begründete seine Kritik mit dem deutschen Exportüberschuss, der von vielen Regierungen und Ökonomen in Europa und weltweit mit Argwohn betrachtet wird. Vor allem Deutschland exportiert seit Jahren deutlich mehr in die USA, als es von dort einführt. Trump hatte die deutschen Überschüsse mehrfach kritisiert.

Entsprechend schob der US-Präsident beim dem Juncker-Gespräch seinem umstrittenen Satz eine Kritik an der deutschen Autoindustrie hinterher: „Schauen Sie sich die Millionen von Autos an, die sie in den USA verkaufen. Fürchterlich. Wir werden das stoppen“, sagte der Präsident laut „Spiegel Online“.

Kommentare (27)

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Herr Matthias Moser

26.05.2017, 12:25 Uhr

Solche Leute sind echt schlimm - keine Ahnung.
Der deutsche Exportüberschuß kommt nicht daher, weil uns alle so gern haben (ganz im Ggtl.), sondern wegen der Leistung.
Die EUR USD Relation ist massiv von der EZB beeinflußt und fördert zusätzlich die Exporte. Das schadet uns im übrigen auf anderer Seite durch die niedrigen Zinsen. Und wer hat's verbrochen ursprünglich ... wo nahm die Finanzkrise ihren Ursprung ... in USA.
Die deutschen Autobauer haben in USA massiv investiert und exportieren aus USA in die Welt ... vergessen Herr Trump?
Ebenso hat die deutsche Industrie massiv in den USA investiert.
Der Nutzniesser der deutschen Erfolge ist übrigens auch die amerikanische Finanzindustrie, die DAX Konzerne gehören zu eine guten Teil den Blackrocks und Co...
Also Herr Trump... erst informieren dann schwätzen.

Herr Tomas Maidan

26.05.2017, 12:50 Uhr

Was sollen wir Deutschen jetzt eigentlich tun? Uns Wirtschaftsberater aus Venezuela oder Griechenland holen?

Rainer von Horn

26.05.2017, 12:57 Uhr

Solange doch die Welt das fast 500 Millarden US-Dollar schwere amerikanische Leistungsbilanzdefizit willig gegen Entgegennahme von US-Dollars finanziert, sollte die Welt für die Amerikaner doch in Ordnung sein. "Böse" werden die Deutschen aus deren Sicht doch wohl erst dann, wenn sie die Dollars nicht mehr annehmen möchten und davon ist weit und breit nichts in Sicht. Also.

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