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24.01.2017

08:29 Uhr

Trump-Sprecher gibt sich zahm

„Unsere Absicht ist es, Sie nie anzulügen“

Bei seiner ersten Pressekonferenz im Weißen Haus muss sich Sean Spicer für seinen bizarren Auftritt vom Wochenende verteidigen. Trumps Sprecher gelobt, die Journalisten nicht anzulügen. Und stellt neue Regeln auf.

Trumps Sprecher hat den Ton seines Chefs perfekt verinnerlicht. Reuters, Sascha Rheker

Sean Spicer

Trumps Sprecher hat den Ton seines Chefs perfekt verinnerlicht.

WashingtonBreitschultrig steht er da, wie ein Offensivverteidiger beim Football. Sean Spicer wirkt kurz nervös, er versucht es mit einem Witz über sich selbst. Es wirkt bemüht. Die erste reguläre Pressekonferenz von Donald Trumps Sprecher steht unter besonderer Beobachtung, nachdem der 45-Jährige am Samstag einen bizarren Auftritt hingelegt hatte, bei dem er in weniger als sechs Minuten fünf Mal log.

Die Aufmerksamkeit ist gewaltig, bis in den Flur vor den Presseraum drängen sich die Journalisten am Montag. Spicer wirkt professioneller als am Samstag, als er in aggressivem Ton und schnellem Tempo ein vorbereitetes Statement vortrug, die Journalisten beschimpfte und keine Fragen zuließ. Als er davon sprach, dass Trump das größte Publikum angezogen habe, das jemals Zeuge einer Vereidigung war – sowohl vor Ort, als auch rund um den Globus.

Das Trump-Kabinett – Militärs, Manager und Millionäre

Außenminister: Rex Tillerson (64)

Der gelernte Bauingenieur verbrachte sein gesamtes Berufsleben beim Öl-Multi ExxonMobil. 1975 trat er beim weltgrößten Energiekonzern ein und arbeitete sich bis zum Vorstandsvorsitzenden hoch. Auslandserfahrungen sammelte er bei Einsätzen im Jemen, Thailand und Russland. Auch als Konzernchef pflegte der Texaner seine engen Kontakte zu Russland, dessen Präsident Wladimir Putin ihm dafür den „Orden der Freundschaft“ verlieh. Tillerson setzt sich für eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland ein und ist ein Gegner der von den USA bisher mitgetragenen Sanktionen des Westens wegen des Ukrainekonflikts.

Finanzminister: Steven Mnuchin (53)

Steven Mnuchin ist der erste Leiter des Ressorts mit umfangreicher Wall-Street-Erfahrung seit seinem früheren Goldman-Sachs-Boss Henry Paulson unter George W. Bush. Mnuchin gründete die Filmproduktionsfirma Dune Capital, die unter anderem „Avatar“ und „Gravity“ mitfinanziert hat. Mit Trump ist er privat seit über 15 Jahren verbunden.

Verteidigungsminister: James Mattis (66)

Der frühere General der Marines leitete das Central Command, das die US-Einsätze im Nahen Osten und Südasien steuert.

Justizminister: Jeff Sessions (69)

Der Senator aus Alabama gehörte zu den ersten Unterstützern Trumps. Der ehemalige Bundesstaatsanwalt vertritt bei der Einwanderung einen harten Kurs.

Heimatschutzminister: John Kelly (66)

Kelly ist der bislang dritte Ex-General in Trumps Kabinett. Wie Mattis diente er bei den Marines. Er hat sich wie Trump für ein schärferes Vorgehen gegen illegale Einwanderung und eine Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zu Mexiko starkgemacht.

Innenminister: Ryan Zinke (55)

Der Kongressabgeordnete war Kommandeur der Marine-Elitetruppe Navy SEALs. Das Ministerium verwaltet rund ein Fünftel der öffentliche Flächen des Landes, darunter Nationalparks. Es ist in den USA nicht für die innere Sicherheit zuständig. Das übernehmen die Ministerien für Justiz und Heimatschutz. Zinke ist gegen die Privatisierung von öffentlichem Grundbesitz, hat aber auch für Gesetze gestimmt, die Umweltauflagen in solchen Gebieten aufweichen. Trump will auf Staatsgebiet verstärkt Ölbohrungen und Bergbau erlauben.

Handelsminister: Wilbur Ross (78)

Der Milliardär diente Trump als Wirtschaftsberater. Entschiedener Gegner des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta.

Verkehrsministerin: Elaine Chao (63)

Diente George W. Bush acht Jahre lang als Arbeitsministerin. Sie ist die Ehefrau des republikanischen Mehrheitsführers im Senat, Mitch McConnell.

Leiter der Umweltschutzbehörde EPA: Scott Pruitt (48)

Früher ranghöchster Staatsanwalt im Bundesstaat Oklahoma, Gegner der Klimaschutzpolitik von Präsident Barack Obama.

Chef des nationalen Wirtschaftsrates: Gary Cohn (56)

Der Investmentbanker ist Präsident und Chief Operating Officer (COO) der Großbank Goldman Sachs.

Energieministerium: Rick Perry (66)

Der ehemalige Gouverneur von Texas und kurzzeitige republikanische Präsidentschaftsbewerber soll das wichtige Ressort leiten. Pikant: Während seiner Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur 2012 hatte Perry die Auflösung des Ministeriums vorgeschlagen.

Der große Schlagabtausch bleibt am Montagmittag erst einmal aus. Es vergehen mehr als zwanzig Minuten, bevor Spicer sich dem heiklen Thema stellen muss. Ob er die Absicht habe, von dem Podium aus immer die Wahrheit zu sagen, will ein Reporter schließlich von ihm wissen. Der 45-Jährige versichert, dass er immer ehrlich sein wolle. „Unsere Absicht ist es, Sie nie anzulügen“, sagt er und fügt hinzu: „Manchmal werden wir die Fakten unterschiedlich interpretieren.“


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Spicer räumt ein, dass er am Samstag falsche Zahlen über die U-Bahnfahrten am Tag der Amtseinführung vorgelegt habe. Das Organisationskomitee habe ihm diese bereitgestellt, er habe sie nicht erfunden. Aber er bleibt dabei, dass es die meistgesehene Amtseinführung gewesen sei. Er meine damit allerdings alle Zuschauer, nicht nur die vor Ort, sondern auch die vor den Bildschirmen. Er zählt die Komponenten jetzt zusammen. Er suggeriert, dass er das auch am Samstag schon getan habe.

US-Medien gegen Trump: „Das Wort Krieg ist sein Wort, nicht unseres“

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Der aggressive Ton des neuen US-Präsidenten versetzt etablierte Medienvertreter in Alarmbereitschaft. Ein Interview mit dem obersten Repräsentanten der Journalisten im Weißen Haus über Trumps „Krieg gegen Medien“.

Spicer sagt, es gehe ihm um ein „gesundes Verhältnis“ zum Pressekorps. Er wiederholt seine Aussage, dass diese Beziehung keine Einbahnstraße sei und dass er den Medien ebenfalls Rechenschaft abverlangen werde. Er sagt, man müsse ehrlich sein zum amerikanischen Volk. Die Medien würden auch Fehler machen. Man kann dahinter auch eine Warnung an die Journalisten sehen, dass man nicht auf sie angewiesen sei und sie bloßstellen werde.

Bei der Pressekonferenz geht es ihm immer wieder auch darum, die Regeln im Umgang miteinander abzustecken. Das Spielfeld zu bereiten. Spicer steht zwischen einem Präsidenten, der die Fakten noch verdreht, wenn er schon der Lüge überführt ist, und einer Presse, die noch dabei ist, den richtigen Umgang mit ihm zu finden.

Kommentare (2)

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Herr Wolfgang Wüst

24.01.2017, 11:13 Uhr

Ein Faktum ist ein Faktum, ist ein Faktum - und keine Alternative.

Herr Karsten Titgemeyer

24.01.2017, 11:20 Uhr

Liebe HB Redaktion,
Was bitte ist denn ein "Offensivverteidiger beim Football"?

Nach zwölf Jahren aktiver Zeit und nunmehr gut 30 Jahren der Beschäftigung mit Football ist mir diese sinnfreie Wortschöpfung noch nicht untergekommen ...

Breitschultiger Ami tritt selbstbewusst auf = Klischeebingo.

Schwaches Bild, liebe Redaktion.

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