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07.07.2017

09:21 Uhr

Trump trifft Putin

Der Gipfel auf dem Gipfel

VonTorsten Riecke

Am Rande des G20-Treffens lernen sich der russische Präsident Wladimir Putin und Donald Trump persönlich kennen. Aus der anfänglichen Männerfreundschaft ist längst eine angespannte Beziehung zweier Egomanen geworden.

Am Rande des G20-Gipfels treffen in Hamburg erstmals Wladimir Putin und Donald Trump aufeinander. Reuters

Treffen der politischen Schwergewichte

Am Rande des G20-Gipfels treffen in Hamburg erstmals Wladimir Putin und Donald Trump aufeinander.

Hamburg„Es gibt keine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu hinterlassen“, heißt ein altes amerikanisches Sprichwort. Das macht das erste Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin umso wichtiger. Viel steht auf dem Spiel: Erst am Donnerstag brandmarkte Trump in seiner Rede in Warschau das „destabilisierende Verhalten Russlands in Europa und im Mittleren Osten“.

Putin hat bereits vier US-Präsidenten erlebt. Bill Clinton bescheinigte dem Russen anfangs „enormes Potenzial“ – und wurde enttäuscht. George W. Bush glaubte nach dem ersten Treffen mit Putin gar, dessen Seele erkannt zu haben – und täuschte sich. Barack Obama wollte mit Putin einen Neuanfang in den amerikanisch-russischen Beziehungen erreichen – und scheiterte.

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Der russische Präsident bekennt sich in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt zum Freihandel – und geht auf Konfrontationskurs zu US-Präsident Trump. Für Kanzlerin Merkel kommt die Unterstützung Russlands wie gerufen.

Am Freitagnachmittag trifft der starke Mann Russlands nun erstmals Donald Trump am Rande des G20-Gipfels in Hamburg. Und erneut sieht es so aus, als ob Putin einen amerikanischen Präsidenten an der Nase herumführt. Von der ursprünglichen Bewunderung, die Trump für den Alleinherrscher im Kreml geäußert hatte, ist jedenfalls nicht mehr viel übrig geblieben.

Die Warschauer Rede Trumps wird in Moskau als Affront gesehen. Putin macht umgekehrt keinen Hehl daraus, dass er vom neuen US-Präsidenten bitter enttäuscht ist. Das Vertrauen zwischen beiden Ländern habe gelitten, seit Trump im Amt sei, ließ der Kreml-Chef vor kurzem wissen.

Das auf nur eine halbe Stunde angesetzte Gespräch, bei dem neben den Dolmetschern nur die beiden Außenminister Rex Tillerson und Sergej Lawrow dabei sein sollen, dürfte deshalb kaum reichen, um all die Streitthemen anzusprechen, die sich in den letzten Monaten zwischen Amerika und Russland angesammelt haben.

Trump und Russland - eine Geschichte mit vielen Unbekannten

Trumps eigene Kontakte

1986 will der Geschäftsmann in New York den damaligen sowjetischen Botschafter Juri Dubinin kennengelernt haben. Daran knüpften sich ein Besuch in Moskau und erste Pläne für ein Hotel, so schildert es Trump in seinem Buch „The Art of the Deal“. Wie oft der Unternehmer seitdem in Russland war, ist nicht bekannt.

Geschäftsbeziehungen

Belegbar ist, dass sich in den 2000er Jahren viele zu Geld gekommene Russen in Trump-Immobilien eingekauft haben. Aufsehen erregte 2008 der Verkauf eines Anwesens in Florida an den russischen Oligarchen Dmitri Rybolowlew für 95 Millionen US-Dollar (knapp 90 Millionen Euro). 2013 fand der von Trump veranstaltete Schönheitswettbewerb Miss Universe in Moskau statt. Trump-Firmen waren auch auf Moskauer „Millionärsmessen“ für Luxusgüter vertreten.

Trumps Umfeld

Trumps erster Wahlkampfmanager Paul Manafort machte PR-Arbeit für den moskautreuen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, bis dieser 2014 gestürzt wurde. Nach Korruptionsvorwürfen wegen dieses Einsatzes schied Manafort aus Trumps Team aus. Der künftige US-Sicherheitsberater Michael Flynn tritt für bessere Beziehungen zu Moskau ein. Er ließ sich zum Jubiläum des staatlichen Senders RT (Russia Today) einladen und saß dort neben dem Kremlchef.

Putins mögliches Interesse an einem Präsidenten Trump

Die Lesart vieler russischer Experten ist, dass der Kreml eigentlich einen Sieg der demokratischen Bewerberin Hillary Clinton erwartet hatte. Die Ex-US-Außenministerin wäre für Putin ein hartes, erfahrenes, aber berechenbares Gegenüber gewesen. Trump ist dagegen unberechenbar. Aber der Republikaner hat bessere Beziehungen zu Moskau versprochen, die Rede war sogar davon, die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland anzuerkennen. Aus Putins Sicht dürfte der unerfahrene neue US-Präsident als lenkbar erscheinen.

Aus amerikanischer Sicht liegt über dem Treffen vor allem der Schatten der vergangenen Präsidentschaftswahlen. Die US-Geheimdienste werfen den Russen vor, sich in die Computersysteme der Demokraten und Republikaner gehackt zu haben, um den Wahlausgang zu beeinflussen. Das US-Justizministerium hat zudem einen Sonderermittler eingesetzt, der die „Russland-Connection“ von Trumps Wahlkampfteam untersuchen soll.

Putin bestreitet zwar, dass es eine Wahlkampfhilfe für Trump gegeben habe. Für den US-Präsidenten ist der russische Schatten jedoch zu seinem größten innenpolitischen Problem geworden. Eine allzu große Annäherung an Putin kann Trump sich schon aus diesem Grund nicht leisten. Hinzu kommen handfeste Interessenkonflikte zwischen den beiden Ländern.

Kommentare (13)

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Herr Hans Henseler

07.07.2017, 10:20 Uhr

Putin ist ein gestandener Politiker, Trump ist ein unreifer Ruepel. Jeder Vergleich
geht daneben.

Frau Stephanie Maurer

07.07.2017, 11:35 Uhr

"Aus der anfänglichen Männerfreundschaft ist längst eine angespannte Beziehung zweier Egomanen geworden." ein seltener Artikel voller Mutmassungen ohne klar recherchierte Inhalte oder Substanz! Formulierungen wie "Umgekehrt ist Putin stocksauer..." oder "Trump ist es ein Dorn im Auge..." wirken ausgesprochen überzeugend! Ich kann Ihnen verraten, es ist wirklich alles anders als Sie denken...

Herr Tomas Maidan

07.07.2017, 11:43 Uhr

Wäre Putin immer noch beim Geheimdienst, würde er spätestens jetzt in hohem Bogen rausgeschmissen werden. Wie kann man nur so blöde sein, einen Kerl wie DONALD TRUMP zu unterstützen?? Jeder weiß, dass Trump ein durchgeknallter, charakterloser Vollarsch ist. Wie kann man über so wenig Menschenkenntniss verfügen, und glauben, den Mann als Verbündeten anwerben zu können?

Nach allen Kriterin der Geheimdienstarbeit hat Putin einen bombastischen Fehler begangen. Zum Glück ist er jetzt unkündbar und kann bis ins hohe Alter den Russen noch viele weitere solcher taktischer "Meisterleistungen" reinwürgen.

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