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07.02.2017

20:30 Uhr

Trump und Bannon

Wer hat im Weißen Haus die Hosen an?

VonMoritz Koch

Donald Trump wird belächelt, Steven Bannon gefürchtet: Als vermeintlicher Manipulator stiehlt der Chefstratege dem Präsidenten die Show. Das ärgert Trump und könnte für Bannon den Anfang vom Ende seiner Macht bedeuten.

Trump duldet keinen starken Mann neben sich. AP

Donald Trump, Michael Flynn, Steve Bannon (v.l.n.r.)

Trump duldet keinen starken Mann neben sich.

WashingtonFür Donald Trump beginnt der Tag mit Frühstücksfernsehen. Am liebsten schaut er „Morning Joe“. Doch nicht immer gefällt ihm, was er dort zu sehen bekommt. So war es offenbar am Montag: Das Moderatorenduo fragte sich, was viele Amerikaner beschäftigt, nämlich wer im Weißen Haus eigentlich das Sagen hat – Trump oder sein Chefstratege Steve Bannon.

Keine Stunde verging, bis Trump einen neuen Tweet in die Welt setzte: „Ich entscheide, meistens auf Grundlage von Datensammlungen, und jeder weiß das.“ Alles andere seien die üblichen Lügen der Fake-News-Medien. Wörtlich schrieb Trump „I call my own shots“, damit nutzte er den gleichen Begriff wie kurz zuvor die Moderatoren.

Es ist ein klares Zeichen für Autoritätsverfall, wenn ein Chef daran erinnern muss, Chef zu sein. Erst recht nach so kurzer Zeit. Trump hat sich in den zwei ersten Wochen seiner Präsidentschaft zum Gespött gemacht. Er wird belächelt, Bannon hingegen wird gefürchtet. Als meisterhafter Manipulator schmückt Bannon das Titelbild von Time, Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman schreibt von den sinisteren Plänen der Bannon-Administration, und in der Satiresendung Saturday Night Live sitzt der Strippenzieher als Sensenmann hinter dem Schreibtisch im Oval Office, während Trump als stammelnder Volltrottel an einem Kindertischchen Platz nimmt. Das ärgert den Präsidenten, und zwar sehr.

Für Bannon wird sein eigener Erfolg zum Problem. Die Berichte über seine Allmacht schaden ihm. Denn sie verletzen Trump an seiner empfindlichsten Stelle, seinem Ego. Trump duldet keinen starken Mann neben sich.

Chefstratege Stephen Bannon: Wie Trumps Puppenspieler geschickt platziert wird

Chefstratege Stephen Bannon

Wie Trumps Puppenspieler geschickt platziert wird

Trump will eine Außenpolitik getreu dem Motto „Amerika zuerst“. Mit einer personellen Veränderung stellt er sicher, dass seine Stimme in einem wichtigen Gremium vertreten ist. Dort sitzt nun sein enger Berater Bannon.

Bisher lief alles nach Plan für Bannon, den früheren Investmentbanker, Filmemacher und Online-Provokateur, der seine Vorbilder wie folgt beschreibt: „Dick Cheney, Darth Vader, Satan.“ Bannon konnte nach der chaotischen Amtsübernahme das Führungsvakuum im Weißen Haus füllen, moderatere Rivalen wie Stabschef Reince Priebus und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner zur Seite drängen. Die Schock-Therapie, die die neue Regierung dem Land verordnet hat – Hau-Ruck-Deregulierung, Mauerbau, Einreisesperren – all das trägt Bannons Handschrift.

Bannon will die alte Ordnung umstoßen, oder um ihn zu zitieren: „den Staat zerstören“. Sein Handwerk als Unruhestifter hat Bannon als Chef der rechtspopulistischen Internetseite Breitbart erlernt. Unter seiner Führung wurde Breitbart zum Sammelbecken rechter bis rechtsradikaler Strömungen – und im Wahlkampf zum Megafon der Trump-Kampagne.

Das Vertrauen des Präsidenten hat sich Bannon hart erarbeitet. Im August 2016, als es so aussah, als würde Trumps Wahlkampf vollends aus der Spur geraten, übernahm Bannon das Steuer und riss es herum. Trumps Wahlerfolg ist auch sein Verdienst.

Doch der Kredit, den Bannon angesammelt hat, könnte schon bald aufgebraucht sein.

Wo EU und USA im Clinch liegen

Brexit

Trump hat den Brexit begrüßt und damit die EU-Partner schon vor seiner Wahl vor den Kopf gestoßen. Dass er in einem Interview kurz vor Amtsantritt die Entscheidung der Briten als „klug“ bezeichnete, da die EU nur Mittel zum Zweck für Deutschland sei, hat ihm in Berlin und Brüssel weiter an Sympathie gekostet. Zuletzt stellte er der britischen Premierministerin Theresa May einen bevorzugten Zugang zum US-Markt in Aussicht, was in Brüssel auch als Versuch gesehen wird, die Verhandlungsposition der EU in den Brexit-Gesprächen zu schwächen.

Russland

Bisher haben sich die lobenden Worte Trumps für den russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht in konkreter Politik niedergeschlagen. Die von manchen EU-Diplomaten befürchtete Aufhebung der Russland-Sanktionen durch die USA hat beim ersten Telefonat der beiden Staatschefs nach Angaben des Präsidialamtes in Moskau keine Rolle gespielt. Die EU beobachtet die Annäherung trotzdem argwöhnisch, denn wenn die USA die wegen der Ukraine-Krise verhängten Strafmaßnahmen aufheben, dürften die ohnehin schon mühsam geschlossenen Reihen der EU wanken. Ratspräsident Donald Tusk warnte zudem vor der Abhängigkeit der Europäer von den „Supermächten“ Russland, USA und China.

Iran

Wie beim Thema Russland sieht sich Trump auch bei seinem Umgang mit dem Iran nicht der Position von 27, sondern 28 EU-Staaten gegenüber. Denn bisher hält auch Großbritannien an dem Atomabkommen mit der Regierung in Teheran fest, genauso, wie das Vereinigte Königreich die Russland-Sanktionen aufrecht erhalten will. Trump hat das Iran-Abkommen dagegen als „den schlechtesten jemals ausgehandelten Deal“ kritisiert. Ob er den Vertrag aufkündigen will, ließ er aber bislang offen.

Israel

Eher auf die Seite Trumps scheint sich Großbritannien beim Thema Nahost zu schlagen. Das britische Außenministerium äußerte Mitte Januar mit Verweis auf die neue US-Regierung Vorbehalte gegenüber einer Friedenskonferenz in Paris, bei der die Zweistaatenlösung als einziger Weg aus dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern bezeichnet wurde. Die EU hält an dieser Lösung fest, während Trump vor allem die Sicherheitsinteressen Israels verfolgen will.

Handel

Schon unter Obamas Präsidentschaft verliefen die Gespräche zwischen den USA und der EU über das geplante Freihandelsabkommen TTIP schleppend. Mit dem Amtsantritt Trumps verschwindet das Vorhaben laut EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström auf unbestimmte Zeit in der Gefriertruhe. Trump macht sich für neue, bilaterale Abkommen stark – die EU will nach Angaben von Tusk in diese Lücke stoßen und sich schneller um den Abschluss von bereits diskutierten Freihandelsverträgen mit Drittstaaten bemühen. Das Thema Handel ist spätestens dann zum heißesten Eisen zwischen der EU und den USA geworden, nachdem Trump Autobauern wie BMW mit hohen Strafzöllen gedroht hat.

Banken

Ebenfalls schon unter der Ägide Obamas waren sich Europäer und Amerikaner bei der Bankenregulierung nicht grün. Die Gespräche über Eigenkapitalvorschriften stocken im zuständigen Baseler Ausschuss schon länger. Jetzt will die EU erst einmal abwarten, wie sich die Trump-Regierung positioniert.

Wettbewerb

Auch die Verteidigung der Interessen von globalen US-Großkonzernen wie Apple oder Starbucks durch die Regierung in Washington ist kein reines Trump-Phänomen. Schon vor einem Jahr beschwerte sich etwa der damalige US-Finanzminister Jack Lew bei der EU-Kommission über deren Steuerermittlungen gegen mehrere amerikanische Firmen.

Währung und Exporte

Ein Dauerbrenner ist auch die Kritik der USA am Leistungsbilanzüberschuss der Exportnation Deutschland. So zugespitzt wie Trumps Chef-Wirtschaftsberater Peter Navarro in der „Financial Times“ formulierte es aber bisher niemand in Washington. Navarro warf den Deutschen vor, den seit längerem relativ niedrigen Eurokurs für Handelsvorteile auf Kosten der USA und seiner europäischen Partner zu nutzen. Kanzlerin Angela Merkel wies die Anschuldigungen zurück. Kritik an den Überschüssen Deutschlands kommt aber auch aus manchen EU-Staaten und aus Brüssel, ist also keine Eigenart der Amerikaner.

Einreiseverbot

Das von Trump verhängte Einreiseverbot für Bürger aus sieben muslimisch geprägten Ländern hat in Europa die bisher heftigsten Reaktionen ausgelöst. Merkel kritisierte, dass der Kampf gegen Terrorismus eine solche Maßnahme nicht rechtfertige. Die EU-Kommission machte deutlich, dass in der EU niemand auf Basis von Nationalität, Glaube oder Rasse diskriminiert werde. Europäische Firmen und die Börsen reagierten auf den Einreisestopp nervös, Fluglinien mussten ihre Personalpläne ändern.

Intern, so berichtet die New York Times, sei Trump außer sich vor Wut gewesen, als er erfahren habe, dass Bannon ihm ein Dekret für eine Neuorganisation der sicherheitspolitischen Verantwortlichkeiten im Weißen Haus untergeschoben hatte. Offenbar hatte Trump den Text selbst gar nicht gelesen, erst später sei ihm bewusst geworden, was er da unterzeichnet hatte: die Beförderung Bannons in das Steuerungsgremium des Nationalen Sicherheitsrats nämlich.

Trump ist ein Narziss, sein Image bedeutet ihm alles. Das Bild des ahnungslosen Präsidenten, der sich von seinen verschlagenen Beratern ausnutzen lässt, macht ihn rasend. Darum schickte er am Montag seinen Pressesprecher vor, um die New York Times zu diffamieren und ihren Bericht zum „Gipfel der Fake News“ zu erklären.

Bannon dürfte der Zorn des Präsidenten nicht entgangen sein. Er wird jetzt versuchen, im Hintergrund zu bleiben, noch mehr als ohnehin schon. Er weiß, dass er gefährlich lebt: Kürzlich hat er sich mit Thomas Cromwell verglichen. Dieser war die rechte Hand des englischen Königs Heinrich VIII, ein Architekt der Reformation. Doch als Cromwell das Vertrauen des Monarchen verlor, fand seine Machtfülle ein blutiges Ende. Er wurde des Hochverrats und der Ketzerei angeklagt und zum Tode verurteilt. Am 28. Juli 1540 wurde Cromwells abgeschlagener Kopf auf einen Pfahl gespießt.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

08.02.2017, 08:51 Uhr

Ach, jetzt wollen unsere Qualitätsmedien also einen Keil in Trumpsteam ausgemacht haben. Jetzt kommt man also mit einer "Spaltergeschichte" mal wieder um die Ecke.
Einfach nur noch lächerlich, was ihr Qualitätsmedien hier vom Stapel lässt.
Wenn as soweiter geht, dann geht euch die Munition, gegen Trump, spätesten Ende Februar aus. Danke!

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