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22.03.2017

09:15 Uhr

Trump und das Handelsbilanzdefizit

481 Milliarden Dollar – USA bleiben ein Land im Minus

Die USA exportierten auch 2016 weniger Waren, das Handelsbilanzdefizit ist gewachsen. Verantwortlich dafür ist auch das Nachbarland Mexiko. Das dürfte US-Präsident Trump in seiner Abschottungspolitik bestärken.

Was wird Trump mit seiner protektionistischen Wirtschaftspolitik erreichen? AP

Leerstehende Fabrik in Wilkes-Barre (Pennsylvania)

Was wird Trump mit seiner protektionistischen Wirtschaftspolitik erreichen?

WashingtonWenn die USA jetzt Laptops in den Kabinen von Direktflügen aus Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas verbieten, hat das möglicherweise nicht nur Sicherheitsgründe. Donald Trump könnte mit seiner Politik der strenger überwachten Grenzen vor allem eines im Schilde führen: US-Firmen sollen begünstigt werden. In diesem Falle Fluggesellschaften, die mit ihren Stop-Over-Flügen nach Nahost nicht von der neuen Regelung betroffen sind.

Das Beispiel Nahost-Flüge ist nur eines von vielen: Der neue US-Präsident verfolgt eine protektionistische Wirtschaftspolitik, von Strafzöllen und Grenzsteuern ist die Rede. Der einfache Nenner: „America First.“

Firmen sollen in den USA produzieren, die zu Hause gefertigten Materialen sollen – möglichst von einheimischen Arbeitern – in US-Produkten weiter verbaut und dann im Inland verkauft werden – ein geschlossener Kreislauf. Amerika, schon unter Präsident Barack Obama nach der schweren Finanzkrise Great Again, kann es sich leisten. Der Markt ist groß, stark und stabil genug.

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Trump will so auch das Handelsbilanzdefizit der Amerikaner bekämpfen. 2016 ist es noch einmal gewachsen. Das Defizit erhöhte sich nach neuen Zahlen von Dienstagabend auf 481,2 Milliarden Dollar (aktuell etwa 445 Milliarden Euro), im Vergleich zu 463 Milliarden Dollar im Jahr zuvor. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt lag das Defizit damit bei 2,6 Prozent. Die Exporte aus den USA ins Ausland sind mit 3,14 Billionen Dollar um etwa 30 Milliarden Dollar geschrumpft. Die Importe verringerten sich deutlich weniger stark um 12,3 Milliarden Dollar und betrugen insgesamt 3,62 Billionen Dollar.

Im Verhältnis zu Deutschland – dem Trump zuletzt Währungsmanipulation zugunsten eines schwachen Euro und billigerer Exporte in die USA vorwarf – ist das Defizit im Jahr 2016 deutlich gefallen: von 76,8 Milliarden auf 63,6 Milliarden Dollar. Vor allem bei Maschinen und Autos hat Deutschland aber noch einen riesigen Überschuss.

Wie wichtig die USA für die deutsche Wirtschaft sind

Handel

2015 wurden die USA der wichtigste Exportkunde der deutschen Unternehmen, nachdem über mehr als sechs Jahrzehnte Frankreich diese Position innehielt. 2016 behaupteten die Vereinigten Staaten ihre Spitzenposition: Waren im Wert von rund 107 Milliarden Euro wurden damals dorthin verkauft - vor allem Fahrzeuge, Maschinen und chemische Produkte. Das entspricht einem Anteil von etwa zehn Prozent an den gesamten Ausfuhren. Umgekehrt importierte Deutschland Waren im Wert von knapp 58 Milliarden Euro aus den USA, was sechs Prozent aller deutschen Einfuhren entspricht.

Jobs

Mehr als eine Million Jobs in Deutschland hängen direkt oder indirekt von den Exporten in die USA ab. Weitere 630.000 Arbeitsplätze gibt es in Betrieben, die von US-Firmen kontrolliert werden. Allein McDonald's Deutschland zählte 2015 etwa 58.000 Mitarbeiter, der Personaldienstleister Manpower 27.000 und die Ford-Werke gut 25.000. Umgekehrt schaffen deutsche Unternehmen in den USA ebenfalls Hunderttausende Stellen. Größter deutscher Arbeitgeber ist dort die Deutsche-Post-Tochter DHL mit aktuell mehr als 79.000 Mitarbeitern. Siemens beschäftigt in den USA rund 50.000 Frauen und Männer.

Investitionen

Die deutschen Unternehmen haben mehr als 271 Milliarden Euro an Direktinvestitionen in den USA - etwa Fabriken und Immobilien. Mehr als 3700 Unternehmen sind in den Vereinigten Staaten tätig. Allein die 50 größten deutschen Firmen dort kommen auf einen Jahresumsatz von 400 Milliarden Dollar. Auch US-Unternehmen haben erhebliche Beträge in Deutschland investiert: Der Bestand summiert sich auf rund 27 Milliarden Euro. 2015 wurden 252 neue Projekte hierzulande von US-Firmen gestartet, von Neuansiedlungen auf der grünen Wiese über Erweiterungen bis hin zu Standortwechseln. Nur chinesische Unternehmen waren aktiver. Die 50 größten US-Unternehmen kommen in Deutschland auf einen Jahresumsatz von rund 170 Milliarden Euro.

„Bessere Autos bauen“ hatte der einstige deutsche Wirtschafts- und jetzige Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) auf die Frage geantwortet, was die USA dagegen tun können. Zur gesamten EU steht nur ein vergleichsweis geringes Defizit von gut vier Milliarden Dollar zu Buche.

Auch im Vergleich zu China konnten die USA ihr Defizit verringern. Einem Minus von 362,3 Milliarden Dollar im Jahr 2015 standen im vergangenen Jahr noch 334,2 Milliarden Dollar gegenüber. Gegenüber Kanada verwandelten die Amerikaner noch unter der Führung von Präsident Obama ihr Defizit sogar in ein Plus. Weiter gestiegen ist mit 79,2 Milliarden Dollar dagegen das Defizit zum Nachbarn Mexiko. Das Land, in dem vergleichsweise billig produziert wird, ist Trump ein Dorn im Auge.

Beim G20-Finanzministertreffen in Baden-Baden hatte die US-Delegation um Finanzminister Steven Mnuchin durchgesetzt, dass das Ziel des Vorantreibens des freien Handels in aller Welt abgeschwächt wurde. Ein Affront sondergleichen. Hat doch der boomende Welthandel in den vergangenen Jahrzehnten zu viel Gutem geführt.

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Bei ihrem Treffen in Baden-Baden können sich die Finanzminister der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer nicht mehr auf ein Bekenntnis zum Freihandel einigen. Dafür hat die US-Regierung gesorgt.

„China hat dank anziehenden Handels 700 Millionen Menschen aus der Armut geholt“, sagt etwa Weltbank-Präsident Jim Jong Kim rückblickend. Handel führt zu Wachstum, Wachstum zu Wohlstand – vor allem in armen Ländern, wo die Wirtschaft zumindest mit dem Bevölkerungszuwachs mithalten muss.

Kaum jemand versteht, warum Trump und sein Handelsminister Wilbur Ross beim freien Welthandel so auf die Bremse drücken – auch wenn Trump eifrig beteuert, er sei „ein Mann des Handels“, nur müsse der halt fair sein. Ein Handelsbilanzdefizit ist keineswegs ein Zeichen für wirtschaftliche Schwäche. Selbst Ross bekennt: „Natürlich kann ein steigendes Handelsdefizit mit einer starken Volkswirtschaft einhergehen.“

In den späten 1990er Jahren etwa sei das Defizit gewachsen und das Bruttoinlandsprodukt habe gleichzeitig um stolze vier Prozent zugelegt. Das liegt an der Struktur der US-Volkswirtschaft, die stark auf Konsum ausgerichtet ist.

Von

dpa

Kommentare (52)

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Account gelöscht!

22.03.2017, 09:49 Uhr

Guter Artikel und ohne Propaganda. Trump hat die ganze Zeit recht gehabt, ein paar
Korrekturen und der Laden läuft wieder rund. Die Clintons, Sorsos, Merkel und so weiter sollten sich warm anziehen, In vier Jahren sieht die Sache anders aus,
Ich hoffe das Trump seine Gesetze durchbringt, auf die Dauer wird sich die USA
nicht betrügen lassen.

Herr Gerald Gantz

22.03.2017, 09:53 Uhr

Trump und das Handelsblattdefizit.

Da das Defizit 2016 komplett dem Vorgänger Obama zugeschrieben werden muß, ist es eine Frechheit, dieses mit Trump in Verbindung zu bringen.
Handelsblatt, wohin seid Ihr gekommen, oder ward Ihr schon immer so.
Die Zahlen 2017 in Verbindung mit Trump müßt Ihr schon noch abwarten. Viel interessanter wären zunächst mal die Monatszahlen, soweit verfügbar.

Herr Gerald Gantz

22.03.2017, 09:53 Uhr

Handelsbilanzdefizit

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