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27.12.2016

18:00 Uhr

Trump wettert gegen die Uno

Der Lieblingsfeind der US-Konservativen

VonFrank Wiebe

Donald Trump sieht in der Uno eine gut gemeinte, aber weitgehend ineffektive Organisation. Damit schließt sich der künftige US-Präsident einem populären Vorurteil der Konservativen an. Doch er trifft auch ins Schwarze.

„Die Uno ist nur ein Club, um sich treffen, zu reden und sich einen schönen Tag zu machen. Wie schade!“ AP

Donald Trump

„Die Uno ist nur ein Club, um sich treffen, zu reden und sich einen schönen Tag zu machen. Wie schade!“

New YorkEs gibt nicht nur Trumponomics, sondern auch Trumplomatie. Das ist die Diplomatie des künftigen US-Präsidenten Donald Trump, die vor allem undiplomatisch ist und am liebsten per Twitter stattfindet. So machte Trump auch seinem Ärger über eine Uno-Resolution gegen jüdische Siedlungen in Palästinensergebieten Luft, die sein Vorgänger Barack Obama nicht durch ein Veto blockiert hat. „Die Vereinten Nationen haben so ein großes Potenzial“, zwitscherte er, „aber zurzeit ist das nur ein Club, um sich treffen, zu reden und sich einen schönen Tag zu machen. Wie schade!“

Damit hat Trump die Vorurteile der Konservativen in den USA sogar noch vergleichsweise freundlich auf den Punkt gebracht. Für viele Amerikaner ist schon die Bundesregierung in Washington ein Feind, den es zu bekämpfen gilt. Konservative Richter, wie etwa der verstorbene Antonin Scalia, haben immer die Rechte der Bundesstaaten gegen Washington verteidigt. Übernationale Organisationen wie die Uno sind für Konservative der Inbegriff elitärer, letztlich undemokratischer Strukturen. Und zu den Hirngespinsten, die Rechtsradikale verbreiten, gehört der Verdacht, die Uno wollte die Macht in den USA übernehmen.

Die USA werden auch unter Trump die Uno nicht verlassen. Aber sie werden sie auf gewohnte Weise ignorieren und blockieren, wo sie den eigenen Interessen widerspricht. Die Ironie bei Trumps jüngster Attacke ist ja, dass die Uno mit ihrer gegen Israels Politik gerichteten Resolution ausnahmsweise nicht nur geredet, sondern klar Stellung bezogen hat. Man darf davon ausgehen, dass der künftige US-Präsident alles tun wird, um ihren Einfluss zu beschneiden, um ihr dann genüsslich vorzuhalten, dass sie machtlos ist.

Das tiefergehende Problem dabei: Die Kritik der Konservativen an den Vereinten Nationen ist keineswegs aus der Luft gegriffen. Der Apparat, der am East River in New York residiert, ist kompliziert und aufgeblasen. Zwar werden dort heute nicht mehr so rauschende Partys gefeiert wie früher, aber die Mitarbeiter gehen mit 60 in Ruhestand – für die USA, wo viele Leute bis ins hohe Alter arbeiten müssen, eine paradiesische Perspektive.

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