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09.01.2017

14:33 Uhr

Trump will Mittel streichen

Abtreibungsstreit in den USA flammt wieder auf

Kaum eine Debatte in den USA ist emotional so aufgeladen wie die um Abtreibungen. Die Gesundheitsorganisation Planned Parenthood ist oft die Zielscheibe. Trump hat angedroht, der Bewegung die Mittel zu streichen.

Gegner und Befürworter auf einem Bild: Nach der Wahl ist der Streit um die Abtreibungskliniken ist in den USA neu entbrannt. AP

Streit um die Abtreibung

Gegner und Befürworter auf einem Bild: Nach der Wahl ist der Streit um die Abtreibungskliniken ist in den USA neu entbrannt.

New YorkJennifer Demeritt sitzt niedergeschlagen am Boden. „Ich dachte, wir hätten große Fortschritte für Frauenrechte in den letzten Jahrzehnten gemacht“, sagt die 47-Jährige. „Doch das Thema ist zu sehr politisiert und verstärkt die tiefe Kluft zwischen Demokraten und Republikanern“, sagt sie. „Es kann nicht sein, dass Männer über uns entscheiden. Wir müssen über unsere eigenen Körper bestimmen dürfen.“ Demeritt spricht über eines der heißesten politischen Themen in den USA: Abtreibung.

Trotz strömenden Regens sind Demeritt und rund 650 andere New Yorker zu einer komplett ausverkauften Benefizveranstaltung gekommen, um die Gesundheitsorganisation Planned Parenthood (PP) zu unterstützen, die unter anderem Abtreibungskliniken betreibt. Demeritt ist besorgt, dass betroffene Frauen drastische Einschnitte erleben könnten, sobald Donald Trump am 20. Januar als neuer US-Präsident ins Weiße Haus einzieht.

Denn der in vielen Positionen sprunghaft wirkende Republikaner hat sich mittlerweile gegen Abtreibungen ausgesprochen. Im Februar 2016 hatte er noch gesagt, dass PP „Millionen und Millionen von Frauen hilft“, die Leistungen wie Brust- und Gebärmutterhalskrebs-Screenings nutzen. Im Wahlkampf drohte Trump dann aber, PP die Finanzierung zu entziehen. Schwangerschaftsabbrüche würde er nur in Ausnahmefällen wie Vergewaltigung, Inzest oder Lebensgefahr für die Mutter zulassen. 

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Auch Eve Kayl ist deshalb verängstigt. Die Lehrerin aus New York macht sich Sorgen um ihre Krankenversicherung. „Niemand weiß, wie sich Trumps Präsidentschaft auf Frauen, Immigranten oder Minderheiten auswirken wird“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Er ist unberechenbar. Doch seine Versprechen während des Wahlkampfes und seine Kabinettsnominierungen sind bereits schlechte Zeichen.“ 

Nicht nur Trumps Sieg, sondern auch der fest unter republikanischer Kontrolle arbeitende Kongress und der freie Platz für einen Richter am Supreme Court sind ein schlechtes Omen für Planned Parenthood. Mehrfach wurde die Organisation in der Vergangenheit Ziel von Abtreibungsgegnern; Einrichtungen wurden mit Vandalismus überzogen oder stehen vor der Schließung. 2015 hatte ein bewaffneter Mann drei Menschen in einer Klinik in Colorado erschossen. Er hatte sich als „Krieger für die Babys“ ausgegeben. 

500 Millionen Dollar (rund 475 Mio Euro) jährlich erhält PP von der Regierung, darf aber davon keine Gelder für Schwangerschaftsabbrüche ausgeben. Nachdem auch der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, mit einem Entzug von Geldern gedroht hat, machten Aktivisten am Freitag in pinken T-Shirts mobil: Eine Petition mit 87.000 Unterschriften brachten sie zum Kapitol. Ryan machte dicht – und schickte ihnen Sicherheitspersonal entgegen.

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Dass Schwangerschaftsabbrüche nur drei Prozent aller medizinischen Dienste von PP jährlich ausmachen, wird in dem Streit vor allem von Hardlinern gern übersehen. Außerdem nutzen PP landesweit jedes Jahr 2,5 Millionen Männer und Frauen, die sich vorsorglich gegen Krebs sowie sexuell übertragbare Krankheiten untersuchen lassen. Auch Verhütungsmittel gibt es in den 650 Kliniken im Land.

Nun hofft die vor fast genau 100 Jahren gegründete Organisation auf Spenden wie bei der Benefizveranstaltung in Brooklyn, bei der an einem Abend 15.000 Dollar (14.200 Euro) zusammenkamen. Allein in New York haben sich seit der Wahl im November mehr als 800 Freiwillige gemeldet, etwa ein Viertel der seitdem gemachten 315.000 Spenden an PP wurden auf den Namen von Mike Pence ausgestellt - der künftige Vizepräsident gilt als überzeugter Abtreibungsgegner.

PP-Organisator Jarrell Brandon sagt, die Unterstützung der Bevölkerung und der lokalen Regierungen sei jetzt wichtiger denn je. „Jeder Bundesstaat ist nun ein Kampfplatz für uns“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Er setzt auf das Prinzip Hoffnung: „Wir haben viel durchgemacht in den letzten 100 Jahren, also werden wir auch die nächsten vier Jahre überstehen“.

Von

dpa

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

09.01.2017, 14:43 Uhr

Hat jetzt Trump die Mittel gestrichen oder nicht. Solange er dies nicht macht, ist es also nicht real. Was soll das dann....es kann jede Frau für ihre eigene Verhütung sorgen. Es gibt genügend Verhütungsmittel. Wenn die Frauen also sich nicht schützen wollen, dann kann auch ein Trump nichts machen. Und für Vergewaltigungsopfer wird sich auch Trump nicht beim Thema Abtreibung sperren.

Frau Sabrina Dresdnerin

09.01.2017, 14:57 Uhr

Ist doch ganz einfach. Die Verantwortung für Verhütung einfach den Männern übertragen. Dann ist auch Trump ganz schnell für Lockerung der Abtreibungsregeln. Verantwortung auf andere schieben ist doch immer die einfachste Lösung @Herr Mark Hoffmann

Account gelöscht!

09.01.2017, 15:16 Uhr

@Sabrina Dresdnerin
Sie sind lustig. Die Natur (Evolution) hat sich diese Fortpflanzung von Mann und Frau ausgedacht und nicht ich. Somit wird die Frau immer für sich selbst verantwortlich sein. Der Mann kann ja nicht das "Schicksal" einer Geburt/Abtreibung für sich beanspruchen und übernehmen. Somit ist die Verhütung immer noch der Beste Schutz vor einer unfreiwilligen Schwangerschaft/Fortpflanzung. Und es ist doch klar, dass die Verantwortung für ein neues Leben sowohl die Frau wie auch der Mann zu tragen haben.Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.
 

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