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22.01.2017

12:30 Uhr

Trumps „Buy American“ – und mögliche Folgen

No more Haribo Gold Bears?

„Kauft Amerikanisch“, sagt Donald Trump. Schottet der US-Präsident sein Land ab und müssen die Amerikaner bald auf liebgewonnene Produkte verzichten? Die neue US-Wirtschaftspolitik – und mögliche Folgen.

Müssen die Amerikaner bald darauf verzichten? Imago

US-Variante der Haribo Goldbären

Müssen die Amerikaner bald darauf verzichten?

Berlin/Washington„Buy American“ lautet das ökonomische Credo des neuen US-Präsidenten Donald Trump – „Kauft Amerikanisch“. „Viele Jahrzehnte lang haben wir ausländische Industrien auf Kosten der amerikanischen Industrie reicher gemacht“, sagte er bei seinem Amtsantritt. „Wir müssen unsere Grenzen vor den Verwüstungen durch andere Länder schützen, die unsere Produkte herstellen, unsere Firmen klauen, unsere Arbeitsplätze zerstören.“

Mit solch markigen Worten bekräftigte Trump, was er schon im Wahlkampf angedeutet hat. Ist das alles nur Rhetorik, oder will er die USA wirklich wirtschaftlich abschotten – und geht das überhaupt? Müssen die Amerikaner auf Haribo Gold Bears oder Mercedes verzichten? Und auf iPhones, die lediglich „designed by Apple in California“ sind, aber in China zusammengebaut? Und müssen sich viele Firmen neue Absatzmärkte suchen?

Die wichtigsten Zitate aus Trumps Einführungsrede

Der Einstieg

Trump kündigte einschneidende Veränderungen in Washington an. Zu lange hätten Politiker profitiert und das Establishment, aber nicht die einfachen Leute, die ihre Arbeit verloren hätten. „Das ändert sich alles, jetzt beginnt es, genau hier“, sagte Trump. „Das ist Euer Moment, das ist Euer Tag. Die USA sind Euer Land.“ Dieser 20. Januar werde in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem das Volk die Macht zurückerhalte.

Er will für Veränderungen sorgen

Donald Trump fuhr damit fort, den gegenwärtigen Zustand der USA zu kritisieren. „Mütter und Kinder leben mitten in unseren Städten in Armut“, erklärte er. Man habe die Grenzen von anderen Ländern verteidigt, während man die eigenen vernachlässigt habe. Das ende hier und jetzt, versprach Trump. Mit seinem Eid habe er einen Eid an das amerikanische Volk geleistet, erklärte er.

„America first“

Die Vergessenen würden nicht länger vergessen werden, sagte Trump. „Wir haben andere Länder reich gemacht“, sagte er, während eine Fabrik nach der anderen in den USA geschlossen habe. „Aber das ist Vergangenheit. Und jetzt schauen wir nur nach vorne.“ In jedem Teil des Landes solle nun eine neue Vision das Land regieren: „Amerika zuerst - Amerika zuerst“. Jede Entscheidung werde dieser Maxime gehorchen, ob in der Wirtschaft oder der Außenpolitik. „Ich werde mit jeder Faser meines Herzens kämpfen. Ich werde Euch niemals im Stich lassen.“

Für den Patriotismus

Trump beschwor die Menge mit ähnlichen Worten, wie er sie schon im Wahlkampf benutzt hatte. „Amerika wird wieder gewinnen“, erklärte er. „Wir werden unsere Jobs zurückbringen. Wir werden uns unsere Grenzen zurückholen. Wir werden unseren Wohlstand zurückbringen. Wir werden unsere Träume zurückbringen.“ Er rief dazu auf, zusammenzustehen. „Wenn Du Dein Herz für den Patriotismus öffnest, dann ist darin kein Platz für Vorurteile.“

Kein leeres Gerede mehr

Trump appellierte an die Solidarität der Amerikaner. Er sagte, wenn Amerika vereint sei, sei es nicht aufzuhalten. „Wir werden ungleich größer träumen“, sagte Trump. Die Zeit leeren Geredes sei vorbei. „Nun ist die Stunde des Handelns gekommen.“ Niemand solle sich einreden lassen, dass das nicht zu schaffen sei. Amerika müsse seine Teilung überwinden. „Ob wir weiß oder schwarz sind, uns alle eint das rote Blut der Patrioten.“

Den islamistischen Terror bekämpfen

Trump rief dazu auf, den islamistischen Terrorismus auszulöschen. Der neue US-Präsident sagte, man werde den radikal-islamischen Terrorismus vom Antlitz der Erde verschwinden lassen.

Das Ende

Trumps Rede endete mit der Wiederholung seines Wahlkampfversprechens. „Zusammen werden wir Amerika wieder großartig machen.“

Viele Fragen und vorerst nur einige Antworten zum Wirtschafts-Kurs der neuen US-Führung:

Was könnte auf die globalisierte Wirtschaftswelt zukommen?

Solange keine detaillierten Pläne vorliegen, sind nur Mutmaßungen möglich. Im Extremfall, so wird befürchtet, könnte Trump die Idee haben, den amerikanischen Markt mehr oder weniger dicht zu machen für ausländische Produkte oder Waren, die nicht „Made in America“ sind. Konkret hat Trump allerdings bislang nur gesagt, dass er einen Rückzug aus der geplanten transpazifischen Partnerschaft (TPP) plant – und das nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) mit Kanada und Mexiko neu verhandeln oder im Notfall kündigen will. Solche Abkommen sollen Hürden für den gegenseitigen Handel beseitigen, etwa indem Zölle abgeschafft werden. Verstöße anderer Länder gegen Handelsabkommen will er „mit allen Mitteln“ bekämpfen. Die Welthandelsorganisation WTO, die mit ihren 162 Mitgliedern über die Einhaltung von Handelsregeln wacht, hat Trump bislang nicht infrage gestellt.

Wie begründet Trump seinen Kampf für neue Handelsregeln?

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Amerikaner hätten, so argumentiert er, viel zu lange Handelsabkommen akzeptiert, die an den Interessen der arbeitenden Menschen vorbei gingen. „Als Ergebnis, mussten Arbeiterstädte mit ansehen, wie ihre Fabriken geschlossen wurden und gut bezahlte Jobs nach Übersee wanderten – während Amerikaner mit einem wachsenden Handelsdefizit und einem verwüsteten Produktionsstandort konfrontiert sind“, schreibt der Präsident auf der Website des Weißen Hauses.

Ist die wirtschaftliche Lage der USA denn wirklich so verheerend?

Nein. Wir reden immer noch von der weltweiten Wirtschaftsmacht Nummer eins. Mit ihren mehr als 320 Millionen Einwohnern stehen die USA für eine Wirtschaftsleistung von mehr als 18 Billionen Dollar. Das ist immer noch weit mehr, als die Nummer zwei China mit ihrer mehr als vier mal so großen Bevölkerung schafft. Auch auf den Weltmärkten spielen die USA in der Topliga: Hinter Exportweltmeister China liegen die USA auf Platz zwei der größten Warenexporteure, seit Jahren sogar vor dem einstigen Spitzenreiter Deutschland.

Wie ein Präsident mit Schutzzöllen auf die Nase fiel

Der Präsident

Wissenschaftler protestierten, der Unternehmer Henry Ford sprach von einer „wirtschaftspolitischen Dummheit“. Doch Herbert Hoover (1874-1964), 31. US-Präsident, glaubte an die Wirksamkeit von Schutzzöllen und unterzeichnete das 1930 verabschiedete Smoot-Hawley-Zollgesetz.

Das Ziel

Mit der Erhöhung der Importzölle wollte der Republikaner amerikanische Farmer zur Zeit der Großen Depression vor billiger ausländischer Konkurrenz schützen. Die Bauern könnten so höhere Preise erzielen, hoffte Hoover.

Die Folgen

Doch die Rechnung ging nicht auf, denn die Krise in den USA war der eigenen Überproduktion geschuldet. Die Preise stiegen nicht, die Zölle blieben ohne Wirkung. Dafür reagierte Europa mit drastischen Zollerhöhungen, die exportorientierten amerikanischen Hersteller blieben auf ihren Waren sitzen. Hoovers protektionistische Politik hatte für den weltweiten Handel verheerende Folgen.

Die langfristigen Auswirkungen

Heute gilt das von den beiden Republikanern Reed Smoot und Willis Hawley initiierte Gesetz als eine der wichtigsten Ursachen dafür, dass aus der Rezession nach dem Börsencrash vom 24. Oktober 1929 die Weltwirtschaftskrise wurde.

Quelle: dpa

Aber vielen Leuten geht es doch schlecht?

Nach der Finanzkrise und der verheerenden weltweiten Rezession 2009 lag die Arbeitslosenquote jahrelang über 8 Prozent. So lange waren seit der „Großen Depression“ vor mehr als 80 Jahren noch nie so viele Amerikaner ohne Arbeit. Das ist inzwischen überwunden: Die Zahl der Arbeitsplätze steigt ununterbrochen. Die Arbeitslosenquote lag zum Jahresende 2016 bei 4,7 Prozent. Im November hatte sie mit 4,6 Prozent den niedrigsten Stand seit August 2007. Auf der Sonnenseite stehen indes nicht alle Gegenden der USA. Zum Beispiel der Großraum Detroit: Die einstige „Motortown“ wurde nach mehreren Krisen zum traurigen Zentrum der verfallenden Schwerindustrie im „Rust Belt“ (Rost-Gürtel) der nördlichen USA.

Wo liegt das Problem?

Seit Anfang der 90er Jahre hat vor allem das Defizit im Handel mit Konsumgütern – von Kleidung über Spielzeug bis zu TV-Geräten – massiv zugenommen. Ökonomen erklären das damit, dass derartige Güter nicht mehr wettbewerbsfähig herzustellen waren. Mit der Integration von China, Indien und Co. in die Weltwirtschaft wurden denn auch viele arbeitsintensive Produktionsprozesse ins Ausland verlagert. „Die Probleme im Autohandel gelten zudem als „Made in Detroit“. Verfehlte Modellpolitik und Qualitätsmängel hätten die Käufer in die Arme ausländischer Anbieter getrieben, wird argumentiert.

Kommentare (5)

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Herr Tom Schmidt

23.01.2017, 08:43 Uhr

Ich finde die Fakten nicht gut wiedergegeben. Der Aufstieg der USA kam doch dadurch, dass sie Industrieland Nr. 1 wurden. Inzwischen sind die tollen Wirtschaftszahlen nur deswegen toll, weil Geldmengenwachstum als Wirtschaftsleistung verbucht wird! Die Arbeitslosigkeit ist nur deswegen so niedrig, weil dort nur diejenigen gezählt werden, die sich seit X Monaten dort gemeldet haben. Nachdem die Leute da vom Staat aber nicht durchgefüttert werden... warum sollen sie hingehen?

Inzwischen sind die USA (wie auch GB) fast de-industrialisiert, die Leistungsbilanz ist desaströs und eine Clique von Wall-Streetlern teilt sich die Gewinne mit der KP in China. Die Ungleichheit in den USA wird dadurch maximal, real gesehen eine Art Feudalsystem (Geldadel). Man sehe sich die ZDF-Doku "Amerika - die gekaufte Demokratie?" an, dann versteht man wieso Trump Präsident ist, und wieso die Leute nicht mehr mitmachen wollen. Sie haben auch Recht.

Für uns in Deutschland mit der Orientierung an der Realwirtschaft sind diese Entwicklungen nicht schlecht, aber wo immer sich diese Art von Feudal-Finanzeliten etabliert haben, wird es eng. Da wird es Verwerfungen geben, die sind aber auch notwendig, gerade für die Marktwirtschaft und die Demokratie!

Herr Andreas Kertscher

23.01.2017, 09:34 Uhr

Das wirkliche Problem sehen Sie leider nur, wenn Sie in den USA leben. Sie bekommen in den Läden keine in den USA hergestellten Produkte mehr, weil die China-Importe so viel billiger sind. Leider muss man dabei aus eigener Erfahrung von China-Schrott sprechen: einmal benutzen und wegschmeissen, bei nächstem Bedarf neukaufen. Die meisten Produkte sind wirklich nur für den Einmalgebrauch. Selbst wenn ich bereit bin, mehr für Qualität auszugeben, es gibt einfach keine Qualitätsprodukte mehr. Der Durchschnittsamerikaner schaut leider nur auf den Preis. ´Arm kauft zweimal´ ist hier Standard. Umweltverschmutzung in den ausländischen Produktionsstätten interessiert niemanden, wogegen die EPA in den USA Produktionsstätten durch die härtesten Umweltgesetze verhindert. Das passt leider nicht zusammen und kann nur durch Importzölle für Dumping und nicht eingehaltene Umweltbestimmungen bekämpft werden. Die chinesische Luftverpestung schlägt sich in Kalifornien als saurer Regen nieder. Alle Umweltschützer müssten eigentlich Trump huldigen, denn jedes in den USA hergestellte Konsumgut reduziert die weltweite Umweltbelastung.

Account gelöscht!

23.01.2017, 09:52 Uhr

Und so geht das mit den Investitionen mit etwas Überredungskunst.
TAIPEI (Reuters) - Foxconn, the world's largest contract electronics maker, is considering setting up a display-making plant in the United States in an investment that would exceed $7 billion, company chairman and chief executive Terry Gou said on Sunday.

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