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08.11.2014

15:10 Uhr

Truppenbewegungen

Mysteriöse LKW bewegen sich weiter auf Ostukraine zu

Das gab es im Spätsommer vor der Waffenruhe schon einmal: Laster ohne Hoheitszeichen fahren von Russland aus in die Ostukraine. An Bord der aktuellen Transporte sind Soldaten und Waffen – kommt es erneut zur Eskalation?

Nicht gekennzeichnete Transporter gab es in der Ostukraine zuletzt im Spätsommer, etwa hier nahe Lugansk. Auf der Krim waren sie der Beginn einer Annexion durch Russland. dpa

Nicht gekennzeichnete Transporter gab es in der Ostukraine zuletzt im Spätsommer, etwa hier nahe Lugansk. Auf der Krim waren sie der Beginn einer Annexion durch Russland.

Die Hinweise auf eine erneute Ausweitung der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ostukraine verdichten sich. Reporter der Nachrichtenagentur Associated Press sahen am Samstag mehr als 80 nicht gekennzeichnete Militärlaster auf dem Weg in die von den Rebellen kontrollierten Gebiete. Die Fahrzeuge fuhren in drei getrennten Kolonnen.

Ein Konvoi befand sich AP-Angaben zufolge nahe Donzek, der Hochburg der Separatisten. Die beiden anderen waren vor der Stadt Snischne, 80 Kilometer weiter östlich. Bei den Fahrzeugen handelte es sich in erster Linie um Transportlaster. Einige von ihnen hatten klein- und großkalibrige Artilleriesysteme geladen. Auch mindestens ein Transportpanzer befand sich in dem Konvoi. Zudem beförderten einige Laster Soldaten.

Auch US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergei Lawrow besprachen am Samstag in Peking die neuesten Entwicklungen in der Ukraine. Lawrow sagte auf die Frage, ob Russland das Friedensabkommen zwischen Rebellen und Regierung noch respektiere, dass die Konfliktparteien selbst eine Trennlinie zwischen ihren Gebieten festlegen müssten.

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Andrej Lyssenko, hatte bereits am Freitag erklärt, die Rebellen hätten erhebliche Lieferungen von Waffen und Soldaten aus Russland erhalten. Auch von einem neuen russischen Hilfskonvoi war die Rede. Auch andere Berichte über massive Truppenbewegungen an der russisch-ukrainischen Grenze hatten die Furcht vor einem neuen Aufflammen der Kämpfe in der Ostukraine geschürt. Aus Kiew hieß es am Freitag, dutzende Panzer und andere Militärfahrzeuge seien von Russland aus in die Ukraine eingedrungen. Laut dem ukrainischen Armeesprecher Andrej Lyssenko drang eine Kolonne von 32 Panzern von Russland aus in die Ukraine ein. Sie habe zusammen mit 30 Lastwagen voller Kämpfer, 16 Haubitzen sowie weiterem Militärgerät die Grenze zu der von prorussischen Separatisten kontrollierten Region Lugansk überquert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich besorgt über die angeblichen Truppenbewegungen. Nach neuen Gefechten wurden fünf Tote und 31 Verletzte gemeldet.

Trotz eines Anfang September erzielten Waffenstillstandsabkommens kommt es zwischen den prorussischen Separatisten und den ukrainischen Soldaten immer wieder zu Auseinandersetzungen. Die schwersten Kämpfe finden rund um den Flughafen von Donezk statt.

Es war zunächst nicht möglich, die Herkunft der am Samstag gesichteten Fahrzeuge einwandfrei zu bestimmen. Die Separatisten hatten immer darauf bestanden, sie hätten Waffen benutzt, die sie von den gefangen genommenen ukrainischen Soldaten erbeutet hätten. Aber das bloße Ausmaß und die Qualität ihrer Waffen hatten die Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen infrage gestellt.

Ein weiterer Sprecher der nationalen ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Wladimir Polewoi, sagte am Samstag, Rebellen brächten ebenfalls Verstärkung zu den Frontlinien rund 150 Kilometer nordöstlich von Donezk, in der Region Lugansk. Die Behörden in einigen von Rebellen kontrollierten Städten würden Einwohner zwangsweise zur Verstärkung ihrer Kämpfer mobilisieren.

Am Freitag sei ein Fallschirmspringer der Regierungstruppen am Flugplatz durch einen Scharfschützen getötet worden. Polewoi fügte hinzu, zwei weitere ukrainische Soldaten seien am selben Tag ebenfalls getötet worden. Östlich von Donezk seien einige Städte und Dörfer unter Artilleriebeschuss genommen worden, darunter auch die Stadt Debalzewe, die durch die Rebellen immer stärker eingekreist werde.

Die Spannungen zwischen Ukraine und Russland waren noch einmal gestiegen, nachdem die Rebellen am vergangenen Sonntag Wahlen abhielten, die der Westen und Kiew als Bruch des Waffenstillstandsabkommens verurteilten. Trotzdem erklärte Russland, die Wahl zu unterstützen.

Von

ap

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