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03.08.2016

10:35 Uhr

Trutzburg Aleppo

„Hörst Du das Sirren? Das sind die Scharfschützen“

Aleppo im Norden Syriens ist eingekesselt, Fluchtkorridore der Russen sollten den Hunderttausenden Eingeschlossenen die Flucht ermöglichen. Doch die Menschen fragen sich: Gibt es sie wirklich? Und sind sie sicher?

In diesem Krieg ist auch für die Menschen vor Ort unklar, welche Informationen stimmen und welche nicht. Sind die Fluchtkorridore sicher? AP

Aleppo unter Beschuss

In diesem Krieg ist auch für die Menschen vor Ort unklar, welche Informationen stimmen und welche nicht. Sind die Fluchtkorridore sicher?

DamaskusSchwarze Schwaden ziehen über die Zitadelle von Aleppo hinweg, die sich auf einem kleinen Hügel mitten aus dem betongrau der sie umringenden Stadt erhebt. Wie von kleinen Inseln steigt der dichte Rauch aus dem Ostteil der ehemaligen Handelsmetropole Syriens auf. Alle paar hundert Meter haben Bewohner Müll und Autoreifen auf die Straßen geworfen. Videos im Internet zeigen Kinder, die neues Brennmaterial heranschleppen. Ein Schleier liegt über den belagerten und von Rebellen gehaltenen Vierteln Aleppos.

„Hörst Du das Sirren?“, fragt Kenan, als er in seinen Laptop spricht. „Das sind die Scharfschützen.“ Dann dreht er den Computer. Die Kamera zeigt eine menschenleere Straße, Geröllberge und Schutt. Es ist die Nachbarschaft von Kenan, der in Aleppo wohnt und nicht mit vollem Namen genannt werden möchte.

Seit 2012 steht Aleppo fast unter täglichem Beschuss durch Artillerie, Luftangriffe und international geächtete Fassbomben. Reuters

Aleppo

Seit 2012 steht Aleppo fast unter täglichem Beschuss durch Artillerie, Luftangriffe und international geächtete Fassbomben.

Das Viertel Salaheddin liegt unweit der Zitadelle genau an der Frontlinie. „Die humanitären Korridore sind eine Lüge“, sagt Kenan. Dort, wo nur Betonbrocken zwischen Hausgerippen liegen, soll einer der Fluchtwege sein, die die syrische Führung zusammen mit seinem Verbündeten Russland eingerichtet haben will. Nach russischen Angaben sollen mehr als 400 Menschen bereits das Fluchtangebot angenommen haben. „Diese Initiative ist eine reine Lüge“, sagt Kenan.

Aleppo, diese ehemals wichtige Handelsmetropole im Norden Syriens, ist ein Sinnbild für den Bürgerkrieg im Land. Verschiedenste Rebellengruppen, von moderaten Aufständischen bis hin zu Dschihadisten mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida, kämpfen in den Vierteln der Stadt gegen Machthaber Baschar al-Assad und seine Verbündeten. Hunderttausende Zivilisten sind dem Bombardement und den Kämpfen ausgeliefert.

Syrien – Land im Bürgerkrieg

Name

Arabische Republik Syrien

Hauptstadt

Damaskus

Bevölkerung bis zum Krieg

ca. 22 Millionen (2011)

Flüchtlinge

Über 11 Millionen Syrer sind im Land und außerhalb des Landes auf der Flucht (Uno-Angaben)

Kriegstote

bis zu 400.000 (Uno-Angaben 2016)

Armut

13,5 Millionen Syrer brauchen nach Uno-Schätzungen humanitäre Hilfe

Sprache

Arabisch

Staatsoberhaupt

seit 2000 Präsident Baschar al-Assad; davor sein Vater Hafis al-Assad (von 1971 bis 2000)

Die Stadt steht seit 2012 fast unter täglichem Beschuss durch Artillerie, Luftangriffe und international geächtete Fassbomben. Viel ist nicht mehr übrig von der Schönheit der Stadt, die aufgeteilt ist zwischen den Regierungstruppen im Westen und den Rebellen im Osten.

Vor gut zwei Wochen kappte das syrische Militär die letzte Versorgungsroute der Aufständischen. Seitdem sind nach Uno-Schätzungen fast 300´.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Internationale Hilfsorganisationen befürchten eine humanitäre Katastrophe. Die US-Regierung fordert von Syrien und Russland, die Angriffe einzustellen und fordert eine humanitäre Lösung. US-Außenminister John Kerry sagte: „im Wesentlichen unsere Geduld ist nicht unendlich“.

Kommentare (19)

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03.08.2016, 10:54 Uhr

Die Gesamte Politischer Welt auf dem Erdball will nichts davon wissen eine mitverschulden an dem Jahrelangen Krieg in Syrien und an dem bisher Weltweiten größten FLÜCHTLINGSSTRÖME wegen einen Krieg auf diesem Erdball ebenso mitschuldig sich gemacht zu haben ...

WEIL...

man BASCHAR al ASSAD NICHT GESTÜRTZT HAT UND IHN AN DAN HAAG AUSGELIEFERT HAT !

Es IST BEWIESENDASS DIE REGIERUNG IN SYRIEN GASBOMBEN GEGEN DAS EIGENER VOLK EINSETZT und trotzdem unternimmt die Politische Welt nichts um BASCHAR al ASSAD NACH DAN HAAG AUS ZU LIEFERN !!!

SCHÄMT EUCH IHR POLITIKER DIESER ERDE...und zwar alle !

Dann aber die Opfer zu bemitleiden ist purer Heuchelei !

Herr Hans Mayer

03.08.2016, 10:55 Uhr

Die moderaten Scharfschützen, welche mit moderaten Geschossen auf Menschen schiessen.
Diese "Moderaten" Kämpfer (andere wurden sagen "Terroristen") werden nach Kräften von den USA und ihrem Kriegsnobelpreisträger unterstützt. Der Türkensultan hilft da auch gerne und viel, schließlich sollen die Flüchtlingsströme ja nicht aufhören.
Einzig die Russen treten diesen "Freiheitskämpfern" und Mördern jeden Tag in den Ar...., , was hat die Bundeswehr dort eigentlich mit den anderen Ländern welche sich dort engagieren erreicht?

Herr Holger Narrog

03.08.2016, 10:55 Uhr

Eine jahrelange Belagerung einer Stadt ist für die Zivilisten sicherlich eine der schwersten Belastungen die man sich vorstellen kann. Ich nehme an, die Fluchtkorridore sind real. Allerdings wird man die Flüchtenden durchsuchen, Wertsachen einbehalten und die Frauen??

Dann stellt sich für die Geflohenen die Frage wohin des Weges ohne Geld und Existenzgrundlage. In früheren Zeiten hätten diese Mitmenschen ihr Überleben in anderen nicht in den Bürgerkrieg einbezogenen Teilen Syriens gesucht. Sie wären in andere arabische Staaten gegangen wo Sie sich mit Ihrer Sprache, Kultur und Bildung eine auf eigener Arbeit beruhende Existenz hätten aufbauen können.

Mit Fr. Merkels Lockruf werden diese Menschen, sobald sie die Mittel haben* aus den Lagern in die Gastfreundschaft und die Sozialhilfe dieser Dame "flüchten"/auswandern.

*Anstatt dass man den gewünschten Einwanderern ("Flüchtlinge", "Schutzsuchenden" etc.) in Afrika/Mittlerem Osten Schengen Visa gibt lässt man diese in Booten aufs Meer fahren wo die Überlebenden von den Schiffen der Marine in europäische Hafenstädte gebracht von wo sie sich nach D durchschlagen müssen. Das ist eine teure und grausame Einwanderungsprozedur.

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