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09.01.2012

01:09 Uhr

Tschechien

Griechen sollten ohne Hilfen aus Euro-Zone austreten

Griechenland kämpft verzweifelt gegen die Staatspleite. Nach Meinung des tschechischen Zentralbank-Gouverneur Miroslav Singer sollte Griechenland den Euro-Raum verlassen.

Soll Griechenland den Euro-Raum verlassen? dapd

Soll Griechenland den Euro-Raum verlassen?

PragGriechenland sollte nach Ansicht des tschechischen Zentralbank-Gouverneurs Miroslav Singer nicht nur den Euro-Raum verlassen, sondern es sollte von Europa auch keine umfangreichen Finanzhilfen erhalten. „Wenn der Wille nicht da ist, Griechenland eine riesige Summe Geld aus europäischen Strukturfonds zu geben, sehe ich keine andere Lösung, als dass es aus der Euro-Zone austritt und die neue griechische Währung stark abgewertet wird“, sagte Singer der Zeitung „Hospodarske Noviny“ (Montagausgabe) einem Vorabbericht zufolge.

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Zudem sollten sich die Europäer auf Hilfen für Banken konzentrieren statt sich über Jahre hinweg mit Griechenland zu beschäftigen, das nur zwei Prozent der europäischen Wirtschaft ausmache. Mit den bisherigen Krediten sei hauptsächlich Zeit gewonnen worden und die Reichen Griechen hätten ihr Geld außer Landes schaffen können. Singer sagte zudem, die europäischen Politiker müssten eingestehen, dass es möglicherweise notwendig sei, den Banken neues Kapitel zu geben. „Wir müssen aufhören so zu tun, als ob wir nie wieder Banken rekapitalisieren.“

Wegen der Krise in Griechenland könnte es notwendig werden, selbst recht großen Instituten frisches Geld zu geben. Man müsse sich sofort mit den Problemen der Banken befassen. In den großen europäischen Staaten stoße dies allerdings auf Hindernisse, sagte er. „Es gibt Politiker, die starke Worte benutzen - „niemals, niemals, niemals'.“ Tschechien ist Mitglied der Europäischen Union, jedoch nicht der Euro-Zone.

Von

rtr

Kommentare (19)

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Rheinschwimmer

09.01.2012, 01:59 Uhr

Singer hat allem Anschein nach recht. Griechenland ist unfähig aus eigener Kraft irgendetwas zu tun, um aus der selbstverschuldeten Krise herauszukommen.Es unter vollständiges EU-Kuratel zu stellen ist sinnlos. Wie sollte das gehen?
Die Griechen müssen eben eine hohe Vermögensteuer einführen, um den privaten Reichtum weitgehend abzu schöpfen.
Auch das werden sie nicht machen.
Fazit, vollständiger Austritt aus Euro und wahrscheinlich EU, mit allen sich daraus ergebenden KONSEQUENZEN, nicht zu letzt auch als warnendes und disziplinierendes Beispiel für andere Wackelkandidaten.
So ist das Leben.

M.Deyanaron

09.01.2012, 05:57 Uhr

Die Osteuropäer haben wirklich eine Ahnung wovon sie sprechen.Der IWF hat viel härtere Reformen in Osteuropa durchgerückt nach dem Zusammenbruch der Wirtschaft,Anfang der 90er Jahre.Die Menschen dieser Länder haben einen 50%en Einbruch beim Lebensstandard hingenommen.Mio haben die Heimatländer verlassen und diese Staaten sind witerhin die ärmsten der EU.Nach 20 Jahre Reformen und Umstellung sieht man jedoch dass jedes Land sich neu erfinden kann,wenn man es richtig anpackt.Leider sehe ich das nur in Irland,Spanien und zum Teil Italien.Griechenland tut nur das Minimum und deswegen wird es auch nicht besser.ICh glaube auch das GRiechenland bis 2015 weg sein wird.Es wird nicht in 2012 kommen,da Italien und Spanien zu fragil sind in der jetztigen Situation.Wir werden noch 2 Jahre Mrd. nach Athen schaffen und wenn sich die übrigen Länder stabillisieren,wird Griechenland rausgeschmissen.

AdamRies

09.01.2012, 06:23 Uhr

Das Problem der Eurozone ist das Prinzip der eigenen Verantwortung dass von Deutschland und Frankreich, zum eigenen Vorteil, bei der Euroeinführung durchgesetzt wurde.
Eine Währungsunion zwischen Ländern mit so verschiedenen natürlichen Standortvorteile und Ausgangsvoraussetzungen kann ohne gemeinsame Verantwortung einfach nicht funktionieren.
Diese Art von Währungsunion, sollte sie gegen aller Erwartungen überleben, würde am Ende nur zu einer Art von Neokolonialismus führen, mit einer horizontale Arbeitsteilung, einige hochindustrialisierten Länder auf der einen Seite und Bananenrepubliken auf der Anderen.
Das hieße der politische Tod der Währungsunion und eventuell der EU, die dadurch benachteiligte Europäische Länder würden sich dies nicht gefallen lassen. Daher ist Frankreich, genau wie Deutschland, an der Misere der Währungsunion mitschuldig.
Entweder werden die Verträge so geändert dass wir eine gemeinsame wirtschaftliche und politische Verantwortung innerhalb der Währungsunion haben oder wird die Währungsunion scheitern.

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