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13.01.2011

20:41 Uhr

Tschechiens Präsident

„Der Euro war eine falsche Idee“

Vaclav Klaus gilt als Euro-Gegner. Bei der Vorstellung seines neuen Buches in Nürnberg teilte der tschechische Präsident kräftig aus: „Der Euro war eine falsche Idee, ganz klar“, sagte er. Und: „Für unser Land ist es sehr positiv, dass wir diese Währung nicht haben.“ Milder Spott war ihm dafür sicher - von bayerischen Politikern.

Klaus mit seinem Europa-Buch. DAPD

Klaus mit seinem Europa-Buch.

HB NÜRNBERG. Was Vaclav Klaus mit Nürnberg verbindet? - „Das war die erste westliche, kapitalistische Stadt, die ich in meinem Leben gesehen habe.“ Als junger Sportler war Klaus 1962 mit seiner Basketball-Mannschaft auf dem Weg zu einem Turnier in Luxemburg und hatte für ein paar Stunden Aufenthalt in der Stadt. 49 Jahre später ist der tschechische Präsident wieder zu Besuch. In der Nürnberger Akademie präsentiert der Euro-Skeptiker an diesem verregneten Donnerstag sein neues Buch „Europa?“, eine Sammlung in Deutsch verfasster Essays und Artikel aus den vergangenen fünf Jahren. Der größte Unterschied zu seinem ersten Besuch in Nürnberg? „Damals war das Wetter viel besser“, erinnert sich der Präsident.

Ein charmanter Tonfall gepaart mit beißendem Spott: so trägt Klaus seine Ansichten gegen Europa-Zentralismus und Öko-Dogmatismus vor. Er beklagt die „systematische Schwächung der einzelnen Staaten“ in Europa, die soziale Marktwirtschaft nennt er „ineffektiv und eine Bremse“. Seine These: In der EU ist ein Prozess in Gang, bei dem die Freiheit des Einzelnen systematisch beschnitten werde. Diesen Prozess gelte es zu stoppen oder - besser noch - umzukehren. Bei all den scharfen Attacken ist Klaus eines wichtig: „Ich bin kein Euro-Kritiker“, betont er. „Ich bin nur ein Europa-Realist.“

Klaus gibt sich kampfeslustig. Die gesamte anwesende bayerische Politprominenz bekommt an diesem Vormittag eine Abreibung verpasst. Erstes Opfer ist der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD), der sich in seiner Zwischenfrage erlaubt, die Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft zu verteidigen. Volkswirt Klaus kontert kühl: „Ludwig Erhard hat nicht gewollt, was wir heute haben.“

Auch Bayerns Europaministerin Emilia Müller (CSU) bekommt die Ironie des tschechischen Präsidenten zu spüren, als sie auf die europäischen Verdienste für die Entwicklung von Freiheit, Frieden und Demokratie verweist. „Frau Ministerin, man darf so etwas ja nicht laut sagen“, entgegnet Klaus. Aber die Behauptung, Europa habe den Frieden gefördert, sei „nichts als ein Klischee“, merkte Klaus an, ohne dies näher zu erläutern. Im Übrigen mühe sich die EU derzeit nach Kräften, die Freiheit in ihren Mitgliedsstaaten durch Einmischung und Überregulierung immer weiter zu beschneiden.

Sogar der gar nicht anwesende ehemalige Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber bekommt sein Fett weg. Ob denn das Auditorium ernsthaft glaube, dass Stoiber mit seiner Entbürokratisierungskommission in Brüssel Erfolg haben werde? „Wenn er das wirklich schafft, dann werde ich dort volontieren“, verkündet Klaus unter dem Gelächter seiner Zuhörer.

Kommentare (11)

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LJA

13.01.2011, 22:06 Uhr

Herr Klaus solte sich vielleicht einmal vergegenwärtigen, dass es in erster Linie dieses Europa war (von dem Euro nur das am weitesten gehende Projekt ist), welches es seinem Land ermöglicht hat, nach 1990 wieder sehr schnell in den Kreis der wohlhabenden industrienationen zurück zu kehren. Wenn er den gegenwärtigen Zustand für selbstverständlich hält, dann offenbart er damit ein Maß an Kurzsichtigkeit und schlechtem Gedächtnis, dass für einen Mann in seiner Position erstaunlich ist.

Profit

13.01.2011, 22:38 Uhr

Klaus ist einer der wenigen, der die Dinge in Europa klar sieht und unerschrocken, auch gegen den Polit-Mainstream (Politik und Publizistik) in Deutschland, anspricht. ich sage nur: bravo, Herr Präsident!

Euro Zerfall

13.01.2011, 23:10 Uhr

• Swiss Franc gegen andere Währungen 2010. Der Euro ist das Schlusslicht. Der DAX ist %15 gestiegen der SMi hat sich nicht vom Fleck gerührt. So ein Zufall...Der Wind vom Aufschwung kommt eher von der brise die mal im Gesicht spürt wenn der Euro im freien Fall sich in Richtung Terminalvelocity bewegt...
1) Mongolei, Tigrit (+3,7%)
2) Japan, Yen (+3,6%)
3) Australien, Dollar (+3%)
4) Malaysien, Ringgit (+1,1%)
5) Südafrika, Rand (+0,8%)
6) Thailand, baht (+0,3%)
Ferner:
Singapur, Dollar (-1,1%)
israel, Shekel (-2,8%)
Schweden, Krone (-3,6%)
Mexiko, Peso (-4,2%)
Kanada, Dollar (-4,7%)
brasilien, Real (-5,2%)
indien, Rupie (-6%)
China, Renminbi (-6,7%)
USA, Dollar (-9,7%)
Norwegen, Krone (-10,1%)
Russland, Rubel (-11,2%)
Grossbritannien, Pfund (-12,8%)
Türkei, Neue Lira (-12,3%)
Ägypten, Pfund (-14,7%)
Euro (-15,6%)

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