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02.06.2011

16:40 Uhr

Tscheschenen in Wien

Rätselhafter Mord an Regimekritiker

Auf offener Straße haben drei Männer den tschetschenischen Regimekritiker Israilow hingerichtet. Nun wurden die Täter in Wien zu langen Haftstrafen verurteilt. Die politischen Hintergründe bleiben ungeklärt.

Drei Russen sind wegen des Mordes an einem tschetschenischen Regimekritiker in Wien verurteilt worden. Quelle: dapd

Drei Russen sind wegen des Mordes an einem tschetschenischen Regimekritiker in Wien verurteilt worden.

Wien/MoskauIm Prozess um einen vom tschetschenischen Republikchef Ramsan Kadyrow mutmaßlich beauftragten Mord an einem Kritiker sind in Wien drei Männer verurteilt worden. Sie waren beteiligt, als der Asylbewerber Umar Israilow am 13. Januar 2009 in Wien auf offener Straße hingerichtet wurde, urteilte das Gericht am Mittwochabend. Die Täter erhielten lange Haftstrafen.

Der Regimekritiker Israilow hatte den umstrittenen Republikchef Kadyrow vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagt und in Österreich auf Schutz gehofft. Kadyrow soll ihn zuvor in Tschetschenien selbst schwer gefoltert haben.

Kadyrow hatte stets jede Beteiligung an dem Mord bestritten und war auch an dem monatelangen Prozess in der österreichischen Hauptstadt nicht beteiligt. Der Verfassungsschutz und die Staatsanwaltschaft gingen aber stets von einem Auftrag aus seiner Feder aus.

Kadyrows Anwalt Andrej Krasnenkow wies am Donnerstag eine Verwicklung des Republikchefs in den Mord erneut zurück. „Es sind keinerlei Fakten für eine Beteiligung Kaydrows am Mord von Israilow vorgelegt worden“, sagte Krasnenkow am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax. „Diese Gerüchte werden im Westen verbreitet von antirussisch eingestellten Amtsinhabern.“ Am Mittwochabend verurteilte das Gericht nun den Angeklagten Otto K. wegen Beteiligung an einem Mord und dem Versuch der Auslieferung an eine fremde Macht zu lebenslanger Haft, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Die beiden Mitangeklagten Suleyman D. und Turpal-Aliy Y. erhielten 19 und 16 Jahre Haft. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Das Gericht ging davon aus, dass die Männer Israilow ursprünglich in seine Heimat zu Kadyrow bringen sollten. Als die Entführung an der Gegenwehr des 27-Jährigen scheiterte, sei das sein Todesurteil gewesen. Die tödlichen Schüsse soll jedoch ein vierter Mann abgegeben haben, Letscha B. Er flüchtete nach Tschetschenien und soll dort von Kadyrow einen hochrangigen Polizeiposten erhalten haben.

Von

dpa

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