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08.04.2015

20:34 Uhr

Tsipras bei Putin

Freundliche Worte und ein bisschen Kosmetik

VonMaike Freund, Désirée Linde

Alle Augen auf Moskau: Bei der Pressekonferenz zeigt sich, dass sich Alexis Tsipras und Wladimir Putin gut verstehen. Das reicht für Vergünstigungen für Athen. Doch eines bekommt der griechische Premier nicht.

Tsipras trifft Putin

Russland und Griechenland wollen Handel ausweiten

Tsipras trifft Putin: Russland und Griechenland wollen Handel ausweiten

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Moskau/DüsseldorfSie lassen sich Zeit, die beiden Staatenlenker. Für 14.30 Uhr hatte der Kreml die offizielle Pressekonferenz des russischen Präsidenten mit seinem griechischem Gast, Premier Alexis Tsipras, angekündigt. Mit 75 Minuten Verspätung treten sie schließlich vor die Presse. So wichtig geben sich die Zwei. Doch nach 15 Minuten ist das Ganze schon wieder vorbei.

Vornehm lässt Wladimir Putin seinem Gast Alexis Tsipras den Vortritt. Dann setzen sich die beiden vor die laufenden Kameras der Presse. Das Lächeln, das bei Putin so häufig unecht wirkt, scheint dieses Mal nicht aufgesetzt. Er scheint sich tatsächlich zu freuen, über diesen Besuch aus Griechenland. Und tatsächlich lobt er die „freundschaftlichen Atmosphäre mit dem griechischen Ministerpräsidenten“. Ein bisschen wie zum Spott, aber wie es das Protokoll vorschreibt, steht neben der griechischen und russischen Flagge hinter den beiden Regierungschefs jeweils auch die der Europäischen Union.

Chronologie: Griechenland in der Schuldenkrise

März 2010

Das Parlament in Athen verabschiedet ein Sparprogramm. Bis 2013 will die Regierung im Haushalt 30 Milliarden Euro einsparen. Steuererhöhungen etwa auf Alkohol, Tabak, Benzin oder Luxusgüter sowie das Einfrieren der Renten sollen den Haushalt entlasten. Zudem wird für alle, die 2009 mehr als 100 000 Euro verdient haben, eine einprozentige Luxussteuer fällig. Massenproteste folgen. Die Euro-Länder sagen ein erstes Hilfspaket unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu, das im ersten Jahr ein Volumen von 45 Milliarden Euro haben soll.

April - Mai 2010

Griechenland beantragt offiziell ein Hilfsprogramm. Die Eurogruppe beschließt Notkredite in Höhe von 110 Milliarden Euro und verlangt im Gegenzug einen harten Sparkurs.

Oktober 2011

Nach einem EU-Doppelgipfel steht ein zweites Rettungspaket: Griechenlands private Gläubiger sollen freiwillig einem Schuldenschnitt von 50 Prozent zustimmen. Zudem soll es Kredithilfen von 100 Milliarden Euro geben und Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird.

Februar - März 2012

Das griechische Parlament stimmt einem Sparpaket über 14 Milliarden Euro zu, das auf Druck der internationalen Geldgeber mehrfach verschärft wird. Die Einschnitte sehen unter anderem kräftige Lohnkürzungen im Privatsektor sowie Entlassungen von 150 000 Staatsbediensteten bis 2015 vor.

November 2012

Athen billigt ein neues Sparpaket in Höhe von 13,5 Milliarden Euro als Voraussetzung für weitere Hilfen aus dem Ausland.

Juli 2013

Um eine Kredittranche von 6,8 Milliarden Euro zu erhalten, stimmt das Parlament in Athen weiteren Sparmaßnahmen zu. Es sieht unter anderem die Entlassung von 15 000 Staatsbediensteten vor. Bei Weiteren 25 000 Beamten werde die Einkommen gekürzt.

März 2014

Nach langen Verhandlungen Griechenlands mit den internationalen Geldgebern der Troika aus EU, IWF und EZB geben die Euro-Finanzminister neue Hilfen von insgesamt mehr als 8,3 Milliarden Euro frei. Das Geld solle in drei Raten ausgezahlt werden.

Januar 2015

Die Linkspartei Syriza unter Alexis Tsipras gewinnt die Parlamentswahl. Seine Popularität verdankt er der Ablehnung des vereinbarten Sparkurses.

Februar 2015

Finanzminister Gianis Varoufakis beantragt weitere Unterstützung. Im dritten Anlauf einigen sich die Euro-Finanzminister grundsätzlich auf eine Verlängerung der Finanzhilfen.

März 2015

Athen legt eine Liste mit Reformen vor, die pro Jahr drei Milliarden Euro einbringen sollen. Es geht vor allem um den Kampf gegen Steuerhinterziehung. Die internationalen Geldgeber halten die Liste für unzureichend und verlangen Nachbesserungen. Ein drittes Rettungspaket ist im Gespräch.

April 2015

Griechenlands stellvertretender Finanzminister Dimitris Mardas wehrt sich gegen Spekulationen, wonach eine Zahlungsunfähigkeit unmittelbar bevorsteht. Demnach kann sein Land am 9. April die Rate an den Weltwährungsfonds (IWF) überweisen.

April 2015 (2)

Vor einem Moskau-Besuch des Ministerpräsidenten weist Varoufakis Gerüchte zurück, Griechenland könnte Kredite außerhalb der EU wie etwa in Russland oder China aufnehmen.

Als Reaktion auf die EU-Sanktionen hatte Russland einen Importstopp für Lebensmittel aus der EU verhängt, der für die Griechen besonders schmerzhaft ist. Moskau wolle aber das Embargo für Athen lockern, sagte Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew. Darüber wolle Regierungschef Dmitri Medwedew an diesem Donnerstag mit Tsipras reden.

Und auch Putin selbst ließ sich schon vorher dazu zitieren: Es gehe darum, das frühere Wachstumstempo wiederherzustellen. Denn der bilaterale Handel war laut dem Kremlchef um 40 Prozent zurückgegangen, die griechischen Exporte nach Russland fielen im Vergleich zu 2013 um zwölf Prozent auf 357 Millionen Euro.

Putin hat zuerst das Wort: Und er erzählt der Presse tatsächlich genau das: Mann wolle bessere Handelsbedingungen, besseren kulturellen und religiösen Austausch, bessere Energieversorgung und überhaupt bessere Zusammenarbeit zwischen Griechenland und Russland. Eben die Freundschaft festigen und ausbauen, wo es nur geht.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

08.04.2015, 17:11 Uhr

Ich hätte zu Tsipras gesagt, hör mal, Gospodin Tsipras, ich, also Russland, bin zur Zeit ziemlich klamm und kann beim besten Willen keinen Rubel zur Verfügung stellen. Warten wir die nächste Dekade ab.
Aber Putin hat es professioneller gemacht, Tsipras mit eigenen Waffen geschlagen. Top!

Herr Matthias Dr. Gruner

08.04.2015, 17:52 Uhr

"Mann" statt man, "bieten" statt bitten etc. .. können gleich zwei Redakteure einen Leitartikel im Handelsblatt nicht wenigstens noch einmal durchlesen, um zu kontrollieren, was sie so von sich in die Welt hinaus schreiben? Dann fallen erfahrungsgemäß auch derartige Rechtschreibfehler auf Basisniveau auf... vermutlich mussten sich beide Schreiber aber mehr auf die Analyse der Mimik und Gestik beider Staatsführer (sicherlich wissenschaftlich besonders wertvoll) konzentrieren...

Herr peter Spirat

08.04.2015, 18:32 Uhr

Gut auch das HB hat seinen Auftrag, wie und über was es zu berichten hat. Aber ich vermute schon, dass die sich ein Korrektur-Programm für 30 € leisten können. Mehr ist so eine RS Korrektur nicht wert, selbst wenn es manuell passiert.

Also weiterhin viel Spaß als Korrektur-Programm

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