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31.07.2015

12:06 Uhr

Tsipras nimmt Varoufakis in Schutz

„Er ist kein Gauner“

Für seine Notfallpläne für eine Parallelwährung im Grexit-Fall bekommt Griechenlands Ex-Finanzminister Varoufakis eine Menge Prügel. Premier Alexis Tsipras stellt sich jetzt vor seinen ehemaligen Schatzmeister.

Tsipras in Not

Es brodelt: Syriza beschließt Sonderparteitag

Tsipras in Not: Es brodelt: Syriza beschließt Sonderparteitag

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AthenGriechenland hatte nach den Worten des Regierungschefs Alexis Tsipras nie einen Plan für einen Austritt aus der Euro-Zone. Sie hatte sich aber auf alle Fälle vorbereitet, sagte Tsipras am Freitag im griechischen Parlament. Der frühere Finanzminister Yanis Varoufakis steht in der Kritik, weil er an einem Plan für einen Euro-Austritt Griechenlands gearbeitet haben soll.

Tsipras nahm seinen Ex-Minister nun in Schutz. „Suchen Sie nicht nach Skandalen bei Varoufakis“, sagte Tsipras. Varoufakis habe wohl Fehler gemacht. „Sie können ihn aber nicht anklagen, dass er ein Gauner ist. Sie können ihn nicht anklagen, dass er das Geld des Volkes geklaut hat. Er hat kein Geld ins Ausland gebracht.“

Das griechische Schuldendrama von A bis M

A wie Austerität

Das Schlagwort der Krise. Umschreibt die Sparpolitik, um Haushaltsexzessen Einhalt zu gebieten. Weiteres Kürzen stürze die Menschen ins Elend und würge die Konjunktur ab, klagt Tsipras und steht damit nicht allein. Haushaltsdisziplin sei wichtig, um die Krise überwinden können, sagen Befürworter. Vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werfen Kritiker vor, für einen übertriebenen Sparkurs in Europa einzutreten.

B wie Bargeld

Äußerst knapp in Griechenland. Seit Ende Juni dürfen die Griechen an Bankautomaten nur noch täglich bis zu 60 Euro abheben. Weil viele aus Angst vor der Staatspleite ihre Konten leerräumten, droht den Banken das Geld auszugehen.

D wie Draghi

Mario Draghi, mächtiger Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), die über die Stabilität des Euro wacht. Draghi spielt eine Schlüsselrolle im Griechenland-Drama. Wenn die EZB den Geldhahn zudreht, weil es zu keiner Lösung kommt, stehen die Banken vor dem Aus; Griechenland dürfte dann endgültig zahlungsunfähig sein.

E wie Eurogruppe

Die Versammlung der Finanzminister aus den 19 Euroländern stieg in der Finanz- und Wirtschaftskrise zum weltweit beachteten Entscheidungsgremium auf. Sie hebt oder senkt den Daumen über Milliarden-Hilfsprogramme für die Euro-Krisenländer.

F wie Finanzmärkte

Verlieren Anleger das Vertrauen, dass Schulden überhaupt noch zurückgezahlt werden, dann können sich Staaten nur noch zu extrem hohen Zinsen finanzieren. Das wird sehr teuer. Diese Geldquelle bleibt Griechenland schon seit langem versagt.

G wie Grexit

Kunstwort bestehend aus „Greece“ (Griechenland) und dem englischen Wort „exit“ (Ausstieg). Der Ausstieg aus dem Euro - gewollt oder durch versehentliches Hinausschlittern - wurde zuletzt im Griechenland-Fall angesichts der drohenden Staatspleite von vielen nicht mehr ausgeschlossen.

I wie IWF

Der Internationale Währungsfonds mit Christine Lagarde als mächtiger Chefin ist einer der gewichtigen Kreditgeber Athens. Lagarde drängt die Eurogruppe, einer Umschuldung zuzustimmen.

J wie Jugendarbeitslosigkeit

Besonders dramatisch sind die Zukunftsaussichten der jungen Leute. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von über 50 Prozent in Griechenland haben die meisten kaum Hoffnungen, einen Job zu finden.

L wie Lissabon-Vertrag

Der Lissabon-Vertrag verbietet im Artikel 125, dass ein EU-Staat einen anderen Staat „herauskaufen“ kann („No-Bailout-Klausel“). Darauf berufen sich auch Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

M wie Merkel

Bundeskanzlerin Merkel wird als oberste Krisenmanagerin in Europa angesehen. Sie beharrt darauf: Milliardenhilfen gebe es nur gegen Reformen und Sparprogramme. Ihr und Schäuble wird von Kritikern ein überzogener Sparkurs vorgeworfen.Bundeskanzlerin Merkel wird als oberste Krisenmanagerin in Europa angesehen. Sie beharrt darauf: Milliardenhilfen gebe es nur gegen Reformen und Sparprogramme. Ihr und Schäuble wird von Kritikern ein überzogener Sparkurs vorgeworfen.

Griechenland habe sich auf den Fall vorbereiten müssen, dass andere Kräfte in der EU den Euro-Austritt in die Wege leiten würden, sagte Tsipras. „Fragen Sie doch die Regierung in Berlin“, sagte er. „Sie wird Ihnen erklären, was das für ein Plan ist, (von dem Berlin) immer noch sagt, er bleibt auf dem Tisch“, sagte Tsipras.

Er antwortete damit auf eine Anfrage der Sozialisten zu einem angeblichen Plan B von Varoufakis, der zum Austritt Griechenlands aus dem Euro führen könnte. Varoufakis soll laut der Zeitung „Kathimerini“ den Ausbau eines parallelen Zahlungssystems für Griechenland geplant haben.

Die griechische Justiz hat das Material zu dem Vorwurf dem Parlament übergeben. Varoufakis könnte eine Anklage wegen Hochverrats oder Bildung einer kriminellen Vereinigung drohen, spekulierten griechische Medien.

Das griechische Schuldendrama von N bis Z

N wie Notkredite

Seit Monaten hält die EZB Griechenlands Banken mit Notkrediten über Wasser. Sie belaufen sich inzwischen auf fast 90 Milliarden Euro.

O wie Ochi

Nein auf Griechisch. 61,31 Prozent der abstimmenden Griechen lehnten bei einem Referendum die Sparvorgaben der Geldgeber ab. Tsipras hatte für dieses Nein geworben.

R wie Rettungsschirm

Zwei Hilfsprogramme hat Griechenland bereits erhalten. Insgesamt sind es rund 215 Milliarden Euro an Hilfskrediten, davon ein Großteil aus Deutschland. Nun hat Athen Hilfen aus dem dauerhaften Rettungsschirm ESM beantragt.

S wie Schuldenschnitt

Wenn ein Staat so enorm hohe Schulden aufgehäuft hat, dass er sie nicht zurückzahlen kann, könnte er versuchen, seine Gläubiger zu einem teilweisen Verzicht ihres Geldes zu bewegen. Im Finanzjargon heißt der Schuldenschnitt „haircut“.

T wie Tsipras

Der charismatische Regierungschef und Chef der linken Syriza-Partei erwies sich für die Europartner als unberechenbar. Seit Alexis Tsipras mit der rechtspopulistischen Partei Anel in Athen regiert, gibt er sich mal kämpferisch, mal kompromissbereit. Zuletzt ließ er die Verhandlungen über ein Hilfsprogramm mit der EU scheitern und rief die Griechen zum Nein gegen weitere Sparauflagen auf, nun will er weiteres Geld.

U wie Ultimatum

Wenn in dieser Woche keine Einigung erreicht wird, dann wollen die Europartner keine Hilfen mehr gewähren.

V wie Varoufakis

Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis blieb bis zuletzt ein rotes Tuch für die Gläubiger. Der linke Politstar, mit Lederjacke und offenem Hemd im Stil eines Rockers, brüskierte die Europartner mit frechen Sprüchen vom Spardiktat. Er verabschiedete sich mit den Worten: „Ich werde die Abscheu der Gläubiger mit Stolz tragen.“

W wie Währung

Der Euro ist die europäische Gemeinschaftswährung, um die sich alles dreht. Er startete offiziell 1999, zunächst nur auf dem Papier, 2002 dann auch als Bargeld und wurde nach dem US-Dollar zur zweitwichtigsten Reservewährung der Welt. Auch als die Griechenland-Krise eskalierte, blieb der Euro zuletzt stabil.

Z wie Zahlen

Mit geschönten Zahlen erschwindelte sich Griechenland 2001 den Eintritt in die Eurozone, die Schuldenquote war schon damals viel zu hoch. Heute liegt sie bei astronomischen 180 Prozent; erlaubt sind laut Euro-Stabilitätskriterien nur 60 Prozent.

„Es gab Notfallpläne“, sagte der Regierungschef. „Wenn unsere Partner und Kreditgeber einen Grexit-Plan vorbereitet hätten, hätten wir uns als Regierung nicht verteidigen sollen?“, fragte der Linken-Politiker. Tsipras bestätigte damit Aussagen seines früheren Finanzministers, nach denen dieser an der Spitze einer fünf Personen umfassenden geheimen Gruppe die Einführung eines parallelen Währungssystems als Notfalloption vorbereitet habe.

Teil des Plans soll auch das Hacken von privaten Steuernummern gewesen sein. Die griechische Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob dabei gegen Gesetze verstoßen wurde. Dabei steht Varoufakis aber wegen seiner parlamentarischen Immunität nicht im Zentrum.

Die Mitgliedschaft Griechenlands in der Euro-Zone hatte bis zur Einigung zwischen Geldgebern und der Regierung auf die Bedingungen für neue Verhandlungen über ein drittes Hilfsprogramm Mitte Juli auf der Kippe gestanden.

Kommentare (2)

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Herr Günther Schemutat

31.07.2015, 11:53 Uhr

Die Griechen sind Schachmatt und was macht man da? man wirft das Brett vom Tisch und beginnt neu.

Die EU Vollstrecker haben GR an die Wand gedrückt und bewegungsunfähig gemacht. Wenn aber die Türkei jetzt in einem Strudel von Bürgerkrieg verfällt
dann wird man sehen wie GR an Macht gewinnt und alle EU Vollstrecker um
GR tanzen. Hoffen wir das dieses Spiel eintrifft und Erdogan dadurch
verschwindet. Dann braucht man ein ehr stabiles GR wenn die IS Fahne vermutlich
über Istanbul weht.

Account gelöscht!

31.07.2015, 13:31 Uhr

LANGE REDE KURZER SINN !

Die Wahrherit ist

Würde die westliche Welt nicht griechenland mit ( ilegale ) revolving Kredite aushelfen,

dann besteht die Gefahr für die EU dass griechenland aus dem Euro, aus der EU und aus der Nato aussteigt !!!

Eine gefährliche Neue weltaufteilung stehe dann Europa und der westlicher Welt zuvor.

Lacht da jemand ?

Vor dem auslachen von meinem kommentar sollte man sich erkundigen wie bereits heute aus russische Seite die unwirtschaftlichkeit Österreichs als einzelner Land ausgerechnet wird und eine fusion von Österreich mit andere Nachbarsländer ausgerechnet wird aus russische seite.

Für griechenland besteht die möglichkeit aus der EU, aus dem EURO und aus der NATO auszusteigen.
Den griechischen Rubel einzuführen gekoppelt an dem russischen Rubel ( gedruckt in Russland ) und aus ganz Griechenland das MIAMI de LUXE von Russland zu machen.

Man beachte wieviel Geld etwa russische betuchte in Urlaubsländer hinterlassen an devisen.

Doch in Ägypten wollte man die Russische Urlauber nicht haben wegen zu viele unruhen ?

Und was machen EU-Urlauber etwa auf Mallorca ?

Und warum sollte Griechenland nicht das Mallorca der Russen und Chinesen werden ?

DIE WELT IST EIN MONOPOLY und ein SCHACHSPIEL IN EINEM...

WER DIESES NEUER SPIEL BEHERSCHT IST DER GEWINNER !

Die EU ist dabei NIE GEWINNER ! Weil in EUROPA WIRD INTELLIGENZ VERNICHTET !

DIE INTELLIGENZ EUROPAS IST JUNG...ARBEITSLOS...PERSPEKTIVLOS...

UND WANDERT AUS EUROPA AUS IN DEN USA , AUSTRALIEN, NEUSEELAND und andere nicht Europäische Gebieten WENN ES NUR IRGENDWIE SCHAFFT.

Selbst in AFRIKA ist man als Europäer mit Grundkenntnisse besser aufgehoben als egal wo in Europa.



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