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30.10.2015

20:11 Uhr

Tsipras zu Bootsunglück in der Ägäis

„Als Mitglied der Führung Europas schäme ich mich“

Es ist einer der schlimmste Unfälle in griechischen Gewässern seit Beginn der Flüchtlingskrise: Auf der zunehmen stürmischen See sterben kurz vor Griechenland 23 weitere Menschen. Weitere Bootsinsassen sind vermisst.

Auf zunehmend rauer See nehmen die Unglücke bei der Überfahrt derzeit zu. dpa

Flüchtlingsboote

Auf zunehmend rauer See nehmen die Unglücke bei der Überfahrt derzeit zu.

AthenDie Überfahrt von der Türkei zu den nahe gelegenen griechischen Inseln ist erneut zahlreichen Flüchtlingen zum tödlichen Verhängnis geworden. Allein seit Donnerstagabend seien auf dem Weg zur Insel Lesbos mindestens 23 Menschen ertrunken, teilte die griechische Küstenwache mit. Zudem barg sie weitere Leichen eines am Mittwoch vor Lesbos gesunkenen Holzbootes mit 300 Menschen an Bord. Damit stieg die Opferzahl auf 29, darunter viele Kinder. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras warf der EU Unfähigkeit vor.

Im Ägäischen Meer würden „nicht nur tote Kinder, sondern die gesamte Zivilisation von Europa“ angespült, sagte Tsipras. Er beklagte, die Europäische Union erweise sich als zu schwerfällig, der Flüchtlingskrise zu begegnen. Westliche Länder, die an Militäreinsätzen im Nahen Osten teilnähmen, müssten Verantwortung für den massenhaften Andrang von Flüchtlingen übernehmen.

Die westlichen Interventionen im Nahen Osten hätten eher geopolitischen Interessen gedient, als Demokratie zu fördern, sagte er. „Und nun ernten jene, die Wind gesät haben Sturm, der aber hauptsächlich Ankunftsländer trifft“, sagte Tsipras.

Die Fälle von in Not geratenen Flüchtlingsbooten häufen sich wegen der zunehmend stürmischen See zwischen der Türkei und dem EU-Land Griechenland. Die griechische Küstenwache rettete nach eigenen Angaben vom Freitag allein seit Donnerstag fast 600 Flüchtlinge. Zudem hätten Tausende die Überfahrt geschafft und mit der Ankunft auf griechischen Inseln EU-Territorium erreicht.

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Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, am Freitagmorgen seien zwei Boote in der östlichen Ägäis auf ihrem Weg nach Lesbos und Samos in Seenot geraten. Bei dem ersten Unglück vor der Küste von Canakkale starben vier Kinder im Alter zwischen ein und vier Jahren, während 19 Flüchtlinge gerettet werden konnten. Das zweite Boot sank vor der Küste von Didim, 450 Kilometer südlich von Canakkale. Fischer und die Küstenwache retteten 29 Menschen, doch zwei Babys blieben vermisst.

Viele der Flüchtlinge aus Syrien, Irak sowie Afghanistan und Pakistan suchen über die Türkei den Weg nach Griechenland, um von dort über die sogenannte Balkanroute bis nach Österreich, Deutschland und Skandinavien zu gelangen. Aber auch über das westliche Mittelmeer führen Fluchtrouten, die weiter genutzt werden. Die spanische Seenotrettung meldete am Freitag die Rettung von 15 Flüchtlingen südlich der Hafenstadt Malaga. Es seien aber auch vier Tote geborgen worden. An die 35 Menschen würden vermisst.

Griechenland hat in diesem Jahr schon eine halbe Million Flüchtlinge in Empfang genommen, bekam den Andrang aber nicht in den Griff, zumal das Land am Rande des Bankrotts steht und harte Sparauflagen seiner Gläubiger erfüllen muss. Tsipras' Regierung fordert mehr Beistand von den EU-Partnern in der Flüchtlingsfrage. Seine Linksregierung plädiert für die Registrierung von Flüchtlingen bereits in der Türkei, um diese dann gezielt auf Mitgliedstaaten zu verteilen.

In Slowenien versuchten am Freitag wieder Tausende, über die Grenze nach Österreich zu gelangen. Nahe dem Flüchtlingslager in Sentilj brachen mehrere Flüchtlinge bei dem Versuch zusammen, Metallabsperrungen zu durchbrechen.

Von

ap

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