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06.01.2005

10:22 Uhr

Tsunami-Frühwarnsystem soll eingerichtet werden

EU erhöht Fluthilfe

Die Europäische Union (EU) erhöht ihre Hilfe für die Opfer der Flutwellenkatastrophe in Asien um 450 Mill. auf insgesamt rund 1,5 Mrd. €. Das teilte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Donnerstag bei der internationalen Krisenkonferenz in Jakarta mit.

HB JAKARTA. Zudem hat die internationale Krisenkonferenz den Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems für den Indischen Ozean beschlossen. In der Abschlusserklärung des eintägigen Treffens in der indonesischen Hauptstadt Jakarta wird die Staatengemeinschaft aufgerufen, die Finanzierung des Projekts sicherzustellen.

Der thailändische Außenminister Surakiart Sathirathai schlug vor, dass ein solches System in seinem Land angesiedelt werden könnte. Dazu könne das bereits bestehende Asiatische Katastrophenschutz-Zentrum in Thailand ausgebaut werden. „Fall nötig, werden wir alleine daran arbeiten. Allerdings bevorzugen wir ein koordiniertes Vorgehen auf regionaler Basis.“ Für den Pazifik gibt es bereits seit 40 Jahren ein Tsunami-Frühwarnsystem. An der Konferenz hatten Vertreter von mehr als 20 Ländern und internationalen Organisationen mit dem Ziel teilgenommen, die Hilfe für die Katastrophenregion abzustimmen.

UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte während des Treffens, es müsse alles unternommen werden, um künftig ähnliche Folgen einer Flut zu verhindern. Zugleich forderte er die internationale Gemeinschaft auf, zugesagte Hilfsgelder zügig zu überweisen. Innerhalb der nächsten sechs Monate würde knapp eine Milliarde Dollar gebraucht, um die humanitäre Not zu lindern, sagte Annan. Zuvor hatte der UN-Chef gemahnt, es könnte zahlreiche weitere Tote infolge der Flutwelle geben, sollten die Hilfsmaßnahmen zu kurz greifen. „Wir haben den Überlebenden gegenüber die Pflicht, eine zweite Welle des Todes zu verhindern, die diesmal vermeidbare Ursachen hat“, sagte er.

Die EU plane neben der Aufstockung der Hilfe eine Sonderkreditmöglichkeit bei der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Höhe von einer Milliarde Euro sowie Gespräche über einen möglichen Schuldenerlass , sagte Kommissionspräsident José Manuel Barroso auf der Konferenz. „Wir wollen alles tun, um Ihnen bei der Bewältigung dieser Tragödie zu helfen“, sagte Barroso. Die EU-Kommission, die bisher 23 Mill. € bereitgestellt hatte, erhöhe ihre Hilfe um 450 Millionen. Davon sollen 100 Mill. als humanitäre Hilfe an Organisationen der Vereinten Nationen und des Roten Kreuzes gehen. 350 Mill. sollen hingegen dem langfristigen Wiederaufbau von Infrastruktur und wirtschaftlichem Leben in den Katastrophengebieten dienen.

Die EU wird voraussichtlich an diesem Freitag in Brüssel beschließen, den asiatischen Staaten beim Aufbau eines wirksamen Frühwarnsystems gegen „Tsunamis“ zu helfen, sagte EU-Ratspräsident Jean-Claude Juncker (Luxemburg). Die Außen-, Entwicklungs- und Gesundheitsminister der Union wollen bei einem Sondertreffen auch das Gebertreffen am 11. Januar in Genf vorbereiten. Juncker begrüßte ausdrücklich den Vorschlag von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Partnerschaften zwischen asiatischen und europäischen Ländern und Regionen für den langfristigen Wiederaufbau zu gründen.

Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono hatte als Gastgeber der Konferenz die Welt zu der größten Hilfsaktion aller Zeiten aufgerufen. „Unsere Antwort auf diese beispiellose Katastrophe muss genauso beispiellos sein, um das Leiden der Menschen zu beenden“, sagte der Staatschef. Indonesien ist mit 94 200 offiziell bestätigten Fluttoten das am schwersten getroffene Land. Die Regierung fürchtet, dass die Zahl noch auf 100 000 steigen könnte.

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