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18.06.2013

16:10 Uhr

Türkei

Anti-Terror-Polizei nimmt Regierungsgegner fest

Anti-Terror-Einheiten haben begonnen, Wohnungen in Istanbul und Ankara zu durchsuchen. Laut Medienberichten gab es zahlreiche Festnahmen von Regierungsgegnern. Auch bei einem ungewöhnlichen Protest auf dem Taksim-Platz.

Proteste dauern an

Türkische Regierung droht mit Armee

Proteste dauern an: Türkische Regierung droht mit Armee

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IstanbulIn der Türkei hat die Polizei bei Razzien am Dienstag offenbar Dutzende Regierungsgegner festgenommen. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, mindestens 25 Aktivisten, die an den Protesten gegen die Regierung beteiligt gewesen sein sollen, seien in Ankara festgesetzt worden. Viele weitere Festnahmen gab es in Istanbul. Dabei nahmen sich die Anti-Terror-Einheiten vor allem die Anhänger einer linksextremen Partei vor. Die Polizei habe etwa 90 Mitglieder der Sozialistischen Partei der Unterdrückten (ESP) in ihren Wohnungen festgenommen, teilte die Istanbuler Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Die Festgenommenen werden offenbar verdächtigt, bei den tagelangen Protesten gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an Gewalttaten gegen die Polizei beteiligt gewesen zu sein. Die Fernsehsender NTV und CNN-Türk berichteten zudem, die Polizei habe die Büros der Zeitung „Atilim“ und der Nachrichtenagentur Etkin, die beide der Partei ESP nahestehen, durchsucht.

Polizeieinsätze gab es auch in 18 weiteren Provinzen des Landes. Der Staatsanwaltschaft zufolge wurden bereits am Sonntag bei Protesten in Istanbul und Ankara knapp 600 Menschen festgenommen. Gemäß dem Gesetz können Verdächtige bis zu vier Tage in Gewahrsam gehalten werden, bevor sie einem Richter vorgeführt werden.

Im Zentrum von Istanbul ist es nach wochenlangen Auseinandersetzungen zwischen regierungskritischen Demonstranten und der türkischen Polizei in der Nacht zu Dienstag vergleichsweise ruhig geblieben. Für Aufmerksamkeit sorgte vor allem der stille Protest eines einzelnen Demonstranten: Der Choreograph und Tänzer Erdem Gündüz hat die Polizeigewalt in der Türkei an sich abprallen lassen. Als „stehender Mann“ (türkisch: duran adam) verharrte er mehr als sechs Stunden auf dem Taksim-Platz, den Blick auf das zum Abriss vorgesehene Atatürk-Kulturzentrum und ein Porträt des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk gerichtet. Polizisten, die den stehenden Mann durchsuchten, zogen zunächst ratlos ab.

Der Protest aber verbreitete sich in der Nacht zum Dienstag rasend schnell über den Kurznachrichtendienst Twitter (#duranadam) und fand viele Nachahmer. Denn nach fast drei Wochen brutaler Polizei-Einsätze kann sich die türkische Protestbewegung inzwischen kaum noch zu großen Kundgebungen versammeln.

Dafür wurde in den vergangenen Tagen das abendliche „Volksorchester“ - bei dem die Gegner der islamisch-konservativen Regierung aus Wohnungsfenstern gegen Töpfe schlagen oder die Teetassen in den Cafés zum Klirren bringen - lauter.

Kommentare (13)

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18.06.2013, 11:53 Uhr

So läuft das bei allen totalitären Regimes. Demnächst womöglich auch "in einem theatre near you" wie die Amerikaner zu sagen pflegen.
Jedenfalls: der verharmlosend von gewissen sogenannten Politikern als "islamische Christdemokrat" bezeichnet Erdogan zeigt sein wahres Gesicht.

”Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Minarette sind unsere Bajonette… die Moscheen sind unsere Kasernen.” Erdogan, 1998

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18.06.2013, 12:00 Uhr

Die typische Masche....demokratisch und Verständnis heucheln...sich vermehren bis zum Wahnsinn und dann zuschlagen.

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18.06.2013, 12:09 Uhr

Anti-Terror Polizei. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das ist ja Irre.

Die Regierung Erdogan hat gerade vor wenigen Wochen gegenüber wahren Terroristen klein beigegeben. D

Die Regierung Erdogan ist sich auch nicht zu schade dafür, wahre Terroristen im Gaza-streifen (HAMAS) in ihrem Krieg gegen die demokkratisch legitimierte Regierung in Israel und das Volk von Israel zu unterstützen.

Wenn überhaupt, dann ist hier Erdogan der wahre Terrorist!

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