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01.11.2016

19:39 Uhr

Türkei

Armee verlegt Panzer ins Grenzgebiet zum Irak

Die türkischen Streitkräfte haben Panzer in die Nähe der irakischen Grenze verlegt, wie türkische Militärvertreter mitteilten. In Mossul beginnen zur gleichen Zeit die Häuserkämpfe.

Die türkische Armee verlegt Panzer an die irakische Grenze. picture alliance

Silopi

Die türkische Armee verlegt Panzer an die irakische Grenze.

IstanbulZwei Wochen nach dem Start der Schlacht um Mossul hat in der nordirakischen Großstadt der Häuserkampf begonnen. Unterstützt von Artilleriebeschuss und Luftangriffen kämpften irakische Truppen am Dienstag in den östlichen Ausläufern Mossuls gegen Kämpfer der Extremistenmiliz IS.

Bewohner des Viertels Al-Kuds im Osten der Stadt sagten, die Islamisten versuchten, die Armee im Straßenkampf aufzuhalten. In Mossul harren noch immer etwa 1,5 Millionen Menschen aus. Die Türkei begann unterdessen mit der Verlegung von Panzern an die irakische Grenze. Der Schritt stehe im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Terror und den Entwicklungen im Irak, sagte Verteidigungsminister Fikri Isik.

Irakische Elitesoldaten nahmen nach Angaben eines Kommandeurs den Sitz des staatlichen Fernsehens in Mossul ein. Es ist das erste bedeutende Gebäude, das die Armee seit Beginn der Offensive in der vom IS gehaltenen Stadt eroberte. „Dies ist ein gutes Zeichen für die Menschen in Mossul, weil damit die Schlacht zur Befreiung Mossuls effektiv begonnen hat“, sagte General Talib Schagati. Irakische Truppen, vom Iran unterstützte Schiitenmilizen und kurdische Peschmerga rücken unterstützt von den USA und Luftangriffen an mehreren Fronten auf Mossul vor. Am schnellsten kommen Einheiten der Elitentruppen voran, die von Osten in die Stadt vordringen.

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Die Schlacht um Mossul könnte sich noch Monate hinziehen. Die Dschihadisten verteidigen sich mit Sprengfallen, Selbstmordattentätern und Scharfschützen. Damit können sie die Angreifer aufhalten, aber nicht stoppen.

Die Spezialkräfte hätten den IS am Dienstag weitgehend aus dem Stadtteil Kokdschali im Osten nahe Al-Kuds vertrieben, sagte Abdul Wahab al-Saidi, ein weiterer General der Elitetruppen. Über dem Osten der Stadt hingen dunkelgraue Rauchwolken, es war der Lärm der feuernden Geschütze zu hören. Projektile schlügen mit ohrenbetäubendem Krach in Hauswände ein, Kugeln sirrten vorbei, beschrieb ein Bewohner von Al-Kuds die Lage am Telefon. „Wir können sehen, wie die Kämpfer von Daesch (IS) auf die irakischen Truppen feuern und mit Autos ihre Positionen zwischen den Straßenzügen wechseln. Es sind Straßenkämpfe.“

Angesichts der ins Stadtgebiet von Mossul vorrückenden irakischen Soldaten hat die Menschenrechtsorganisation Save The Children Fluchtkorridore für die rund 600.000 Kinder in der IS-Hochburg gefordert. Es sei „ein entscheidender Moment, um die Kinder zu schützen und sichere Passagen zu öffnen“, damit die in der Stadt lebenden 1,5 Millionen Zivilisten, darunter 600.000 Kinder, die Stadt verlassen könnten, erklärte Save The Children am Dienstag.

Was die Türkei mit der Verlegung von Panzern nach Silopi an der irakischen Grenze bezweckte, blieb zunächst unklar. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Samstag Schiitenmilizen gedroht, falls diese bei der Vertreibung der Dschihadisten aus Tal Afar Terror verbreiten sollten. Schiitenmilizen haben eine Offensive zur Befreiung des irakischen Ortes westlich von Mossul vom IS gestartet. Ein großer Teil der Bewohner Tal Afars zählen zur Volksgruppe der Turkmenen.

Verteidigungsminister Isik sagte, die Türkei sei nicht gezwungen, hinter ihrer Grenze zu warten. Sie werde das Nötige tun, falls die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK sich in der irakischen Region Sindschar festsetze. Sindschar liegt etwa 115 Kilometer südlich von Silopi und 50 Kilometer westlich von Tal Afar.

Der IS versuchte nach Angaben der Vereinten Nationen, 25.000 Zivilisten als menschliche Schutzschilde nach Mossul zu bringen. Der Konvoi der Extremisten sei im Schutz der Dunkelheit Montagfrüh in der Stadt Hammam al-Alil gestartet, sagte eine UN-Sprecherin in Genf. Die meisten der Fahrzeuge seien umgekehrt, als sie von Flugzeugen der Armee bedrängt worden seien. Bereits am Samstag hätten die IS-Kämpfer zudem 40 ehemalige Angehörige der irakischen Armee getötet und ihre Leichen in den Tigris geworfen.

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